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Katholische Akademie Bayern

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Die Macht

Veröffentlichung:1.1.2021

Der Artikel umfasst 5 Seiten. Der Fachartikel behandelt theologische Probleme wie Macht und Verantwortung, Gottebenbildlichkeit, Sünde, Machtmissbrauch, Herrschaft als Dienst, Freiheit, Gewissen, kirchliche Machtstrukturen und die Gefahr, Macht theologisch zu verschleiern.

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Der Artikel untersucht Romano Guardinis Denken über Macht und fragt, welche Bedeutung es heute noch haben kann. Michael Seewald betont zunächst, dass man Guardini nicht einfach mit heutigen Fragen überfordern darf, weil sein Denken in einem anderen historischen Zusammenhang entstanden ist. Trotzdem kann Guardini ein wichtiger Gesprächspartner sein, wenn man die geschichtliche Distanz beachtet.

Guardini entwickelt seine Machtlehre vor dem Hintergrund einer Geschichtsphilosophie. Er unterscheidet Antike, Mittelalter und Neuzeit. Die Antike habe vor allem den wohlgestalteten Menschen betrachtet, das Mittelalter die Beziehung zu Gott, während die Neuzeit durch Wissenschaft, Technik und den Zugriff auf die Natur geprägt sei. Diese Macht über die Natur ist für Guardini nicht nur negativ, denn sie kann etwa in der Medizin dem Menschen dienen. Zugleich sieht er aber die Gefahr, dass der Mensch seine Macht steigert, ohne sie verantwortlich zu ordnen.

Seewald hält Guardinis Geschichtsbild für problematisch, aber seine Diagnose der Machtgefahr für aktuell. Heute zeigt sich diese Gefahr besonders im Klimawandel, in der Bioethik und in gesellschaftlichen Ordnungsfragen. Der Mensch kann immer mehr, aber es bleibt offen, ob er alles tun darf, was er tun kann. Damit wird Macht zu einer ethischen und theologischen Grundfrage.

Guardini versteht Macht als Fähigkeit des Menschen, Ziele zu setzen und die Wirklichkeit zu verändern. Dazu braucht es Geist, Freiheit und Verantwortung. Macht ist für sich genommen weder gut noch böse. Entscheidend ist, welche Ziele verfolgt werden und welche Mittel eingesetzt werden. Deshalb gehören Macht und Verantwortung untrennbar zusammen. Es gibt für Guardini keine menschliche Macht ohne Verantwortung.

Die Erfahrung des Nationalsozialismus prägt Guardinis Denken stark. Dort sieht er eine Form von Macht, in der Verantwortung hinter anonymen Organisationen verschwindet. Wenn niemand mehr persönlich verantwortlich sein will, wird Macht gefährlich und kann dämonisch werden. Diese Machtgefahr besteht immer dann, wenn Menschen Macht ausüben, ohne sich als verantwortliche Personen ansprechen zu lassen.

Theologisch deutet Guardini die Macht des Menschen im Licht der Gottebenbildlichkeit. Der Mensch ist von Gott mit Macht ausgestattet, aber diese Macht ist keine eigene absolute Herrschaft. Sie ist geliehene Macht und muss vor Gott verantwortet werden. Sünde entsteht dort, wo der Mensch seine Macht nicht mehr als verliehen versteht, sondern sich selbst absolut setzt und andere beherrschen will.

In Jesus Christus sieht Guardini die Umkehrung falscher Macht. Christus verwandelt Herrschaft in Dienst und zeigt, dass wahre Macht nicht in Unterwerfung, sondern in Demut und Gehorsam gegenüber Gott besteht. Dienst bedeutet dabei nicht Schwäche, sondern eine besondere Kraft. Diese Deutung ist für kirchliches Handeln wichtig, darf aber nicht missbraucht werden.

Seewald kritisiert, dass Guardini die Neuzeit zu negativ bewertet. Zwar hat die Neuzeit gefährliche Formen entfesselter Macht hervorgebracht, aber sie hat Macht auch begrenzt, etwa durch Verfassungen, Recht, Menschenrechte, Gewissensfreiheit und Religionsfreiheit. Diese positiven Errungenschaften berücksichtigt Guardini nach Seewald zu wenig.

Am Ende warnt Seewald vor einem kirchlichen Missbrauch der Rede vom Dienst. Wenn die Kirche behauptet, es gebe bei ihr keine Macht, sondern nur Dienst, kann das Machtstrukturen verschleiern. Richtig verstanden muss Dienst ein kritischer Maßstab sein. Kirchliche Macht muss sich am Evangelium und am Recht messen lassen. Macht bleibt ambivalent und ihre verantwortliche Ordnung ist eine soziale, rechtliche und theologische Aufgabe.

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