Wie kann man auf undogmatische Weise Dogmatik betreiben? Wie auf verständliche und ansprechende Weise von „Gnade und Erlösung“, „Auferstehung und Himmelfahrt“, „Dreifaltigkeit“, „Jungfrauengeburt“ und „Ewigem Leben“ reden? Hat man es bei solchen Begriffen mit abgestandenen Mythologemen zu tun? Oder mit existentiellen Fragestellungen allerersten Ranges?
Die hier erstmals in Videoform vorliegenden Vorträge sind eine Mischung aus Predigt und theologischem Essay. Ihr Anliegen ist ein Gang durch die zentralen Themen des Apostolischen Glaubensbekenntnisses. Denn der christliche Glaube kann heute nur noch verständlich werden, wenn im Verständnis der „Sache“ der Mensch – der Mensch (!), nicht nur der Christ – sich selbst tiefer verstehen lernt, wenn Theologie sich als eine Tiefendimension der Anthropologie zugänglich macht.
Daher verfolgen die hier zu einem „Grundkurs des Glaubens“ zusammengestellten Vorträge ein höchst elementares Anliegen: Sie wollen dazu beitragen, in religiöser Hinsicht sprachfähig zu werden.
In dieser Folge der Reihe Dr. Ignoranz setzt sich der Theologe und Religionsphilosoph mit den biblischen Vorstellungen vom Weltende auseinander und entwickelt eine Deutung, die traditionelle Endzeitbilder in einem neuen Licht erscheinen lässt. Ausgehend von der Endzeitrede Jesu im Markusevangelium wird gefragt, ob die Rede vom Weltuntergang tatsächlich als Ankündigung einer kosmischen Katastrophe verstanden werden muss oder vielmehr als Symbol für tiefgreifende innere Wandlungsprozesse des Menschen. Das Video verbindet biblische Texte mit philosophischen, theologischen und naturwissenschaftlichen Überlegungen und entwickelt die Vorstellung eines Weltaufgangs im Weltuntergang. Dabei werden Fragen nach Gott als Urgrund aller Wirklichkeit, nach Tod, Auferstehung, Gericht, Läuterung, Hoffnung und Vollendung behandelt. Die Reflexionen greifen Gedanken von Ludwig Wittgenstein, Anselm von Canterbury, Karl Rahner und Paul Tillich auf und führen zu der Frage, wie Menschen ihre eigene Endlichkeit verstehen können. Das Gericht Gottes erscheint dabei nicht als Drohung, sondern als heilende Wahrheit, die den Menschen erkennen lässt, wer er wirklich ist und sein kann. Abschließend veranschaulicht die Erzählung des Films Mr. May oder Das Flüstern der Ewigkeit die Hoffnung, dass kein Leben und keine Liebe verloren gehen, sondern in Gottes Wirklichkeit bewahrt bleiben.