Didaktisch bietet das Medium einen besonders gelungenen Zugang zum interreligiösen Lernen in den Jahrgangsstufen 5 und 6. Die Unterrichtseinheit beginnt mit einer Sortieraufgabe, in der Begriffe den Personen Jesus oder Mohammed zugeordnet werden. Dadurch werden Vorwissen, Unsicherheiten und bestehende Vorstellungen sichtbar gemacht. Anschließend arbeiten die Lernenden in Gruppen mit unterschiedlichen Materialien, die sowohl christliche als auch muslimische Perspektiven enthalten. Besonders wertvoll ist die konsequente Einbeziehung authentischer Stimmen aus beiden Religionen. Audioclips, Schulbuchtexte, biblische Erzählungen und Korantexte ermöglichen es den Lernenden, religiöse Innenperspektiven kennenzulernen und nachzuvollziehen. Im Rahmen eines Stationenlernens erschließen die Lernenden unterschiedliche Fragestellungen, beispielsweise welche Bedeutung Jesus für Muslime besitzt oder wie Mohammed von Muslimen verstanden wird. Die Ergebnisse werden in Gruppen gesichert, auf Plakaten präsentiert und anschließend in Gesprächen vertieft. Methodisch fördert die Einheit Perspektivübernahme, Dialogfähigkeit und die Fähigkeit, religiöse Unterschiede respektvoll wahrzunehmen. Besonders gewinnbringend sind Gesprächsformen wie Fishbowl Diskussionen oder Rollenspiele, in denen die Lernenden verschiedene religiöse Perspektiven einnehmen. Die Materialien helfen dabei, Vorurteile abzubauen, Gemeinsamkeiten zu entdecken und Unterschiede sachgerecht zu benennen. Dadurch leistet die Unterrichtseinheit einen wichtigen Beitrag zur religiösen Bildung, zur Förderung von Toleranz sowie zum friedlichen Zusammenleben in religiös vielfältigen Lerngruppen.
Der Einstieg gelingt durch eine Sortieraufgabe zu Christentum und Islam. Dabei 24 Begriffen dem Christentum oder Islam zugeordnet. In einem weiteren Schritt wird der Lebenslauf von Osama bin Laden untersucht. Dabei wird versucht, das Entstehen von religiöser Gewalt und Fundamentalismus zu erklären. Ängste von gewalttätigen Personen werden gesammelt. Auch die Hoffnungen dieser Personen werden gesammelt. Im zweiten Schritt wird eine weitere Biografie eines deutschen religiösen Fundamentalisten untersucht. Auch hier werden dieselben Fragen Stellungen beantwortet. Die dritte Biografie stammt von einem US-Präsidenten, George W Bush. Erneuert werden dieselben Fragestellungen beantwortet. Eine letzte Biografie zeigt einen fiktiven fundamentalistischen Christen aus Deutschland. Abschließend werden in einem tabellarischen Material reife Ängste, Befürchtungen Hoffnung und Visionen der vier Biografien einander gegenübergestellt. Parallelen und Unterschiede werden herausgearbeitet. Eine Definition von Fundamentalismus wird entwickelt.
M1: Sortieraufgabe zu Jesus und Mohammed
Das erste Material besteht aus einer Begriffssammlung mit Namen, Orten, Ereignissen und religiösen Begriffen, die entweder Jesus oder Mohammed zugeordnet werden sollen. Zu den Begriffen gehören beispielsweise Maria, Josef, Bethlehem, Weihnachten, Auferstehung, Mekka, Medina, Kaaba, Hidschra, Koran, Sunna oder Erzengel Gabriel.
Im Unterricht dient dieses Material der Diagnose des Vorwissens. Die Lernenden ordnen die Begriffe zunächst einzeln Jesus oder Mohammed zu. Zusätzlich markieren sie mit einem Ausrufezeichen Begriffe, zu denen sie bereits etwas wissen, und mit einem Fragezeichen Begriffe, die ihnen unbekannt sind. Anschließend vergleichen sie ihre Ergebnisse in Kleingruppen und ergänzen gegenseitig ihr Wissen. In der gemeinsamen Auswertung werden vorhandene Kenntnisse sichtbar gemacht und offene Fragen gesammelt. Die Lehrkraft erhält dadurch einen Überblick über die Lernausgangslage der Klasse.
Wenn Wissenslücken sichtbar werden, können ergänzend Geschichten über Jesus oder Mohammed erzählt oder gelesen werden. Vorgeschlagen werden beispielsweise Gleichnisse und Heilungsgeschichten Jesu oder die Nachtreise und Himmelfahrt Mohammeds.
M2: Koran = Bibel?
Das zweite Material ist eine Vergleichsgrafik, die Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen Christentum und Islam veranschaulicht. Dargestellt werden die Beziehungen zwischen Gott und Allah, Bibel und Koran sowie Jesus Christus und Mohammed. Außerdem werden gemeinsame Figuren wie Abraham, Mose, Jona, Maria und Josef hervorgehoben. Das Material verdeutlicht, dass beide Religionen auf denselben Gott verweisen, diesen jedoch unterschiedlich verstehen und unterschiedlich von Gottes Offenbarung sprechen.
Im Unterricht analysieren die Lernenden die Grafik und formulieren Gemeinsamkeiten und Unterschiede. Sie diskutieren beispielsweise die Aussage „Wir glauben anders an den gleichen Gott“ und überlegen, welche Bedeutung diese Formulierung für das Zusammenleben von Christen und Muslimen haben kann. Das Material eignet sich besonders zur Sicherung und Vertiefung der erarbeiteten Erkenntnisse.
Audioclips: „Wer ist Jesus?“ und „Wer ist Mohammed?“
Die Unterrichtseinheit nutzt zwei Audiobeiträge aus dem Kinderfunkkolleg des Hessischen Rundfunks. Die Hörbeiträge stellen Jesus beziehungsweise Mohammed aus unterschiedlichen religiösen Perspektiven vor. Dabei kommen christliche, muslimische und teilweise auch jüdische Sichtweisen zur Sprache.
Im Unterricht hören die Lernenden die Beiträge an verschiedenen Stationen. Sie sammeln Informationen über die jeweilige Person und vergleichen die unterschiedlichen Perspektiven. Die Audioclips ermöglichen einen altersgerechten Zugang und fördern konzentriertes Zuhören sowie Perspektivübernahme.
Biblische Texte zu Jesus
Die Lernenden arbeiten mit ausgewählten Texten aus dem Lukasevangelium. Vorgeschlagen werden die Ankündigung der Geburt Jesu, die Weihnachtsgeschichte, die Kreuzigung und die Auferstehung. Alternativ können entsprechende Texte aus einer Kinderbibel verwendet werden.
Im Unterricht erschließen die Lernenden, welche Bedeutung Jesus für Christinnen und Christen besitzt. Sie untersuchen, warum Jesus als Sohn Gottes und Erlöser verstanden wird und welche Rolle er im christlichen Glauben spielt.
Muslimische Texte über Jesus
Die Unterrichtseinheit enthält Texte aus muslimischen Schulbüchern und Kinderkoranen, etwa „Maria und ihr Sohn Jesus“ oder „Jesus, der Gesandte Gottes“.
Die Lernenden untersuchen, welche Bedeutung Jesus im Islam besitzt. Dabei entdecken sie, dass Jesus auch für Muslime ein wichtiger Prophet ist, jedoch nicht als Sohn Gottes verstanden wird. Diese Perspektive ermöglicht einen differenzierten Vergleich beider Religionen.
Materialien zum Leben Mohammeds
Mehrere Texte aus muslimischen Religionsbüchern sowie ein christlich verfasster Informationstext stellen das Leben und Wirken Mohammeds dar. Themen sind seine Berufung, seine Verkündigung, die Hidschra, seine Rolle als Prophet und seine Bedeutung für Muslime.
Die Lernenden erschließen die Lebensgeschichte Mohammeds und vergleichen sie mit dem Leben Jesu. Dabei lernen sie, warum Mohammed als letzter Prophet gilt und weshalb er für Muslime eine zentrale Bedeutung besitzt.
Gruppenaufträge
Vier Gruppen bearbeiten unterschiedliche Leitfragen:
Was denken Christen über Jesus?
Was denken Muslime über Jesus?
Was denken Muslime über Mohammed?
Was denken Christen über Mohammed?
Alle Lernenden besuchen sämtliche Stationen und sammeln Informationen, die sie zur Beantwortung ihrer Leitfrage benötigen. Dadurch entsteht ein echtes Perspektivlernen.
Plakatarbeit
Jede Gruppe erstellt ein Plakat mit ihren Ergebnissen. Die wichtigsten Erkenntnisse werden visualisiert und anschließend präsentiert. Die Plakate dienen der Ergebnissicherung und dem Vergleich der unterschiedlichen Perspektiven.
Fishbowl Gespräch
Nach den Präsentationen werden die unterschiedlichen Sichtweisen in einer Fishbowl Diskussion besprochen. Die Lernenden diskutieren Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen Christentum und Islam und reflektieren ihre eigenen Vorstellungen.
Rollenspiel
Wenn christliche und muslimische Lernende gemeinsam in einer Lerngruppe lernen, kann ein Rollenspiel entwickelt werden. Die Lernenden vertreten dabei unterschiedliche religiöse Perspektiven und kommen miteinander ins Gespräch. Dadurch werden Empathie, Perspektivübernahme und Dialogfähigkeit besonders gefördert.