Für den Religionsunterricht bietet das Medium außergewöhnlich vielfältige didaktische und methodische Möglichkeiten, insbesondere in den Jahrgangsstufen 9 und 10 sowie in der Sekundarstufe II. Die Unterrichtsbausteine orientieren sich konsequent an den Fragen der Lernenden und verbinden historisches Lernen mit religiöser und ethischer Reflexion. Besonders überzeugend ist der narrative Zugang über Wiesels Lebensgeschichte und die autobiografischen Texte aus Die Nacht, da Lernende nicht primär über Zahlen und Fakten, sondern über persönliche Erfahrungen Zugang zur Thematik erhalten. Die Materialien ermöglichen eine intensive Auseinandersetzung mit den Themen Holocaust, Erinnerung, Menschenwürde, Gottesfrage und Verantwortung. Methodisch werden zahlreiche aktivierende Verfahren vorgeschlagen, darunter Schreibgespräche, Partnerarbeit, kreative Schreibaufgaben, biografisches Lernen, meditatives Schreiben, Gruppenarbeit, Briefeschreiben, Plakatarbeit und Unterrichtsgespräche. Besonders hervorzuheben ist die Arbeit mit der Frage „Wo ist Gott?“, die Lernende dazu anregt, eigene Vorstellungen von Gott zu formulieren und mit Wiesels Erfahrungen ins Gespräch zu bringen. Ebenso bedeutsam ist die Einheit zum Klagen vor Gott, die zeigt, dass Zweifel, Protest und Anklage Bestandteile religiöser Erfahrung sein können. Die Lernenden erfahren, dass biblischer Glaube nicht nur Vertrauen, sondern auch Streit mit Gott umfasst. Durch die Verbindung von Holocaust Erinnerung und theologischer Reflexion wird eine oberflächliche Behandlung der Geschichte vermieden. Das Medium fördert Empathie, historische Urteilskompetenz, religiöse Sprachfähigkeit und die Fähigkeit, existenzielle Fragen auszuhalten. Besonders wertvoll ist zudem die Hoffnungsperspektive, die deutlich macht, dass Erinnerung nicht in Resignation mündet, sondern Verantwortung für Gegenwart und Zukunft begründet.
Der Einstieg gelingt über eine Überlebensgeschichte eines Juden, dem seine Berichte aus einem Lager nicht geglaubt wurden. Parallelen zu heutigem Unglauben und alternativen Geschichtsbildern werden besprochen. Im nächsten Schritt wird ein Bericht vom Verlust des eigenen Glaubens angesichts des Grauens im Konzentrationslager. Dazu wird ein Schreibgespräch durchgeführt.
Der nachfolgende Schritt enthält eine bebilderte Biografie von Elie Wiesel. In Partnerarbeit wird eine alternative Biografie erstellt, die eine andere Reaktion auf die Befreiung enthält. Dabei soll das Verhältnis zu deutschen Menschen und Gott im Fokus stehen. Elie Wiesel arbeitete trotz oder gerade wegen seiner Erfahrungen im 3. Reich lebenslang für den Frieden. Er hätte auch für die Rache an allen Deutschen und deren Ausrottung plädieren können. Wiesel hätte zudem seinen Glauben verlieren und angesichts der Erfahrung des Verlassenseins militanter Atheist werden und jede Form von Religion bekämpfen können, anstatt seinen Frieden mit Gott zu machen.
Ein weiterer Schritt thematisiert die Gegenwart Gottes über eine jüdische Geschichte und einen weiteren Bericht von Elie Wiesel. Auch die Perspektive von Elie Wiesel wird ermittelt. Eine persönliche Meinung wird entwickelt.
Der nächste Schritt enthält Beispiele für das Streiten gegen Gott im Rahmen der Theodizee, der Frage nach dem Leid. Die Juden im Beispiel erhalten ihre Gottesbeziehung aufrecht, auch wenn sie Gott für seinen mangelnden Schutz verurteilen. Beispiele aus der eigenen Lebenswelt werden eingebracht, wo Menschen anderen vertrauen und dennoch manchmal in Streit geraten. Die Gottesbeziehung in Psalm 22 und MK 14, 32-34 wird untersucht. Der Text ist nicht im Material enthalten.
In einem letzten Schritt wird die Frage nach der Hoffnung gestellt und von Elie Wiesel beantwortet in acht kurzen Zitaten beantwortet wird. In ihnen zeigt sich auch seine persönliche Entwicklung vom Zorn auf Gott und die Menschen hin zur Versöhnung. Er beschreibt seine Gefühle beim Besuch in Deutschland. Der Groll gegen Gott, nicht so sehr gegen die Menschen wird beschrieben. Dennoch bleibt die Gottesbeziehung stark und Beten hilft beim Umgang mit dem was in der Welt ist und nicht sein sollte. Es entsteht ein Brief an Überlebende, indem auf die Hoffnung für die Zukunft und die Gottesbeziehung eingegangen wird.