„Den Reinen ist alles rein.“ - ja, das ist ein Zitat aus DIE FEUERZANGENBOWLE, stammt aber eigentlich aus dem TITUSBRIEF, was mal wieder beweist, wie tief unsere gesamte Kultur vom Erbe der Bibel durchdrungen ist. Worums aber eigentlich geht, in diesem Brief, fasst SOMMERS WELTLITERATUR in fünf Minuten zusammen.
Ebenso wie bei den beiden Timotheusbriefen müssen wir beim Titusbrief davon ausgehen, dass es sich nicht um einen authentischen Paulusbrief handelt, sondern er erst eine Generation später entstanden ist. Darauf deutet unter anderem der Inhalt hin: Es geht um die Organisation und Struktur der Christengemeinden - zum Beispiel auf Kreta, wo sich der Adressat („Titus“ in Anführungszeichen, denn auch er ist hier wohl nur ein Platzhalter) im Brief aufhält. Das Schreiben mahnt einen frommen Lebenswandel an, warnt vor Irrlehrern und legt fest, dass nur ehrbare Männer Presbyter (also Gemeindevorsteher) und Bischof (also Gemeindeleiter) werden können - auch im Gegensatz zu der Tatsache, dass in den authentischen Paulusbriefen oft von weiblichen Gemeindemitarbeiterinnen die Rede ist. Es folgen Verhaltensregeln für unterschiedliche (Alters-)Gruppen in der Gemeinde; all das wird jeweils auf die Botschaft Jesu Christi zurückgeführt.
Das Video bietet eine verständliche und humorvolle Einführung in den Titusbrief und ordnet ihn zugleich in den größeren Zusammenhang der sogenannten Pastoralbriefe ein. Im Mittelpunkt stehen Fragen der Gemeindeleitung, der Organisation christlicher Gemeinschaften und der Bewahrung der rechten Lehre. Der Brief beschreibt die Aufgaben des Titus auf Kreta, insbesondere die Einsetzung von Gemeindeleitenden sowie den Umgang mit Konflikten und abweichenden Lehren. Darüber hinaus werden Erwartungen an verschiedene gesellschaftliche Gruppen formuliert und die Bedeutung eines glaubwürdigen christlichen Lebens hervorgehoben. Das Video thematisiert zugleich die wissenschaftliche Diskussion um die Verfasserschaft des Briefes und macht deutlich, dass viele Forschende eine Entstehung nach dem Tod des Paulus für wahrscheinlich halten. Zugleich werden problematische Aussagen zu Geschlechterrollen, gesellschaftlichen Hierarchien und Autoritätsstrukturen kritisch reflektiert und in ihren historischen Kontext eingeordnet.