Für den Religionsunterricht bietet das Medium zahlreiche Anknüpfungspunkte zu den Themen Gewissen, Verantwortung, Zivilcourage, Menschenwürde, christlicher Widerstand und ethisches Handeln in Diktaturen. Besonders gewinnbringend ist die Arbeit mit den Biografien, da Lernende konkrete Personen kennenlernen und deren Entscheidungen vor dem Hintergrund ihres Glaubens, ihrer Überzeugungen und ihrer Lebensgeschichte nachvollziehen können. Die Materialien ermöglichen eine handlungsorientierte und differenzierende Unterrichtsgestaltung. So können Lernende einzelne Biografien in Gruppen bearbeiten, Personenprofile erstellen, Motive und Formen des Widerstands vergleichen oder die Folgen widerständigen Handelns analysieren. Die im Heft enthaltenen Quellen, Bilder und Arbeitsaufträge fördern historisches Lernen und die Fähigkeit zur ethischen Urteilsbildung. Darüber hinaus bietet sich ein Vergleich zwischen historischem Widerstand und heutiger Zivilcourage an. Die Lernenden können diskutieren, welche Bedeutung Mut, Gewissen und Verantwortung in einer demokratischen Gesellschaft besitzen und in welchen Situationen Menschen heute aufgefordert sind, für Menschenrechte, Gerechtigkeit und Demokratie einzutreten. Besonders wertvoll ist die Verbindung von historischer Erinnerung und gegenwartsbezogener Reflexion, die zu einer vertieften Auseinandersetzung mit christlichen und humanistischen Werten anregt.
In einem ersten Schritt wird der Begriff Widerstand definiert. Dazu werden 16 Beispiele in einem Material diskutiert. Ein Teil der Beispiele stammt aus der Zeit zwischen 1933 und 1945. In einem zweiten Schritt wird widerstand heute untersucht. Dazu wird der Artikel 20 des Grundgesetzes ausgewertet. Dieser formuliert das Recht auf Widerstand. Drei Textquellen diskutieren die Folgen, welche der deutsche Gesetzgeber aus dem Nationalsozialismus gezogen hat. Dabei werden das Recht und die Pflicht zum Widerstand sowie sieben Kriterien für legitimen Widerstand aufgezeigt.
Im nächsten Schritt wird ein Beispiel aus dem Dritten Reich untersucht. Dabei organisierte ein Mann in einem Dorf 1933 einen Demonstrationszug. Der Anführer Jakob Stotz wurde zu zweieinhalb Jahren Gefängnis verurteilt.
Im nächsten Beispiel werden verbotene Schriften über die Grenze geschmuggelt. In einem dritten Beispiel werden jüdische Mitbürger unterstützt. Das vierte Beispiel zeigt ein Jugendlichen der Antikriegsparolen verbreitet. Das fünfte Beispiel stellt eine Flugblattaktion gegen den Kriegsdienst vor. Das sechste Beispiel berichte von der Planung eines Sprengstoffanschlags gegen gebäude des Reichsparteitages in Nürnberg. Das siebte Beispiel berichtet von Bischof Johannesbad Pfister Sproll, der gegen die Angliederung Öterreichs an das 3. Reich sprach. Dafür wurde er als Volksverräter denunziert. Das achte Beispiel zeigt Julius von Jahn der gegen die Pogromnacht und den Angriff der Nationalsozialisten auf jüdische Mitbürger predigte. Dafür wurde er zu 16 Monaten Haft verurteilt. Das neunte Beispiel berichtet von Heinrich Hermann der versuchte Deportationen zu verhindern. Im 10 Beispiel werden illegale Zeitungen gedruckt und veröffentlicht. Das erste Beispiel zeigt den Boykott eines nationalsozialistischen Kindergartens durch Mütter. Im 12 Beispiel wird Juden die Flucht über die Schweizer Grenze ermöglicht. Im 13 Beispiel wird Häftlingen im Konzentrationslager geholfen. Was 14 Beispiel zeigt wie ein Kind aus dem Konzentrationslager Buchenwald gerettet wird. Im 15 Beispiel wird ein jüdisches Ehepaar versteckt. Das letzte der 16 Beispiele zeigt, wie mehrere Frauen 1945 dabei halfen ein Dorf ohne Kampf an die Franzosen zu übergeben. Dazu wurden anderen Panzersperren entfernt. Die Frauen riskierten als Verräter erschossen zu werden. Auf die Beispiele folgen im Material arbeitsaufträge zum Begriff der Volksgemeinschaft und das Problem der Gruppendynamik. Menschen schwimmen mit dem Strom anstatt Widerstand zu leisten. Eine weitere Quelle untersucht das Verhalten der Deutschen im NS Staat. Im nächsten Schritt werden im Material vier Bilder und Karikatur zum Widerstand ausgewertet. Deren Bezug zum Thema Widerstand wird festgestellt. Die Inhalte reichen von ausländerfeindlichkeit bis hin zum Widerstand um den G20 Gipfel. Abschließend entsteht eine Mindmap zum Thema Widerstand. Im Material ist ein Vordruck dazu enthalten. Die 16 Beispiele werden dazu sieben Kategorien zugeordnet.
AB1: Was ist Widerstand?
Die Lernenden erhalten verschiedene Handlungen aus der Zeit des Nationalsozialismus und aus der Gegenwart. Sie entscheiden, welche Handlungen sie als Widerstand betrachten und begründen ihre Einschätzungen. Anschließend diskutieren sie die Bedeutung des historischen Kontextes für die Bewertung von Widerstand. Dadurch wird ein erster Zugang zum Thema geschaffen und der Widerstandsbegriff problematisiert.
AB2: Widerstand heute?
Anhand von Artikel 20 des Grundgesetzes und Texten zum Widerstandsrecht setzen sich die Lernenden mit der Frage auseinander, wann Widerstand in einem demokratischen Rechtsstaat legitim ist. Sie vergleichen historische Widerstandsformen mit heutigen Möglichkeiten demokratischen Handelns und reflektieren die Bedeutung von Zivilcourage.
P1 bis P16: Biografien widerständigen Handelns
Im Zentrum des Heftes stehen sechzehn Biografien von Menschen aus Baden Württemberg, die dem Nationalsozialismus auf unterschiedliche Weise widerstanden. Die Lernenden analysieren jeweils:
die konkrete Widerstandshandlung
soziale Herkunft und Lebensweg
Motivation und Überzeugungen
Entwicklung zur Gegnerschaft des NS Regimes
Folgen des Handelns
weiteres Leben nach 1945
Die Biografien können einzeln, in Gruppen oder als Lernzirkel bearbeitet und anschließend verglichen werden.
Die sechzehn Beispiele sind:
Jakob Stotz – Demonstrationszug gegen Hitler anführen
Georg Reinbold – Verbotene Schriften über die Grenze schmuggeln
Ludwig Peter Walz – Jüdische Mitbürger unterstützen
Hans Gasparitsch – Antikriegsparolen verbreiten
Artur Ditschkowski – Flugblattaktionen und Kriegsdienstverweigerung
Helle Hirsch – Planung eines Sprengstoffanschlags
Joannes Baptista Sproll – Verweigerung einer Abstimmung
Julius von Jan – Predigt gegen die Pogromnacht
Heinrich Herrmann – Verhinderung von Deportationen
Georg Lechleiter – Herausgabe einer illegalen Zeitschrift
Frida Straub und die Geislinger Frauen – Boykott eines NS Kindergartens
Luise Meier und Josef Höfler – Fluchthilfe in die Schweiz
Familie Horber – Hilfe für KZ Häftlinge
Willi Bleicher – Rettung eines Kindes im KZ Buchenwald
Hildegard Spieth – Verstecken eines jüdischen Ehepaars
Die Pfullinger Frauen – Verweigerung des Endkampfes gegen Kriegsende.
AB3: Widerstand und Volksgemeinschaft
Die Lernenden beschäftigen sich mit der Attraktivität der nationalsozialistischen Volksgemeinschaft. Dadurch wird deutlich, wie groß der gesellschaftliche Anpassungsdruck war und warum Widerstand eine außergewöhnliche Leistung darstellte. Das Material hilft, die Handlungen der Widerstandskämpfer historisch einzuordnen.
AB4: Die Deutschen und Hitler
Dieses Online Material untersucht die Zustimmung vieler Deutscher zum Nationalsozialismus. Die Lernenden analysieren Ursachen der Unterstützung Hitlers und vergleichen diese mit den Biografien der Widerständigen. Dadurch wird deutlich, wie selten oppositionelles Verhalten tatsächlich war.
AB5: Widerständiges Handeln heute?
Hier bewerten die Lernenden aktuelle Beispiele von Protest und Zivilcourage. Sie diskutieren, welche Handlungen als legitimer Widerstand gelten können und wo der Begriff möglicherweise zu weit verwendet wird. Dadurch wird ein Gegenwartsbezug hergestellt.
AB6: Mindmap Widerstand
Am Ende erstellen die Lernenden eine Mindmap zum Thema Widerstand. Dabei werden Erkenntnisse aus den Biografien und Arbeitsblättern zusammengeführt. Die Lernenden strukturieren Motive, Formen, Folgen und Bedeutungen von Widerstand und sichern so ihre Ergebnisse.
Didaktischer Mehrwert für den Religionsunterricht
Im Religionsunterricht ermöglicht das Heft eine intensive Auseinandersetzung mit den Fragen:
Wann verlangt das Gewissen Widerstand?
Welche Rolle spielt der Glaube für mutiges Handeln?
Wo liegen die Grenzen von Gehorsam gegenüber dem Staat?
Was bedeutet Verantwortung für Mitmenschen?
Welche Bedeutung haben Menschenwürde und Nächstenliebe in Krisenzeiten?
Wie kann Zivilcourage heute aussehen?
Durch die Biografien wird Widerstand nicht als abstraktes historisches Ereignis, sondern als persönliche Gewissensentscheidung erfahrbar. Dies fördert historisches Lernen, ethische Urteilsbildung und Demokratiebildung gleichermaßen.