Das Video setzt sich mit grundlegenden Einwänden gegen eine Ethik des Sollens auseinander, wie sie insbesondere mit dem Denken von Immanuel Kant verbunden wird. Ausgangspunkt sind verschiedene philosophische und wissenschaftliche Kritiken an moralischen Begriffen wie Gut und Böse. Dabei werden zunächst die Überlegungen von Friedrich Nietzsche vorgestellt, der in seiner Genealogie der Moral die Unterscheidung zwischen Gut und Böse als historisch entstandenes Produkt gesellschaftlicher Machtverhältnisse deutet. Anschließend werden Positionen der Soziobiologie behandelt, die Moral auf biologische und evolutionäre Prozesse zurückführen. Weitere Kritikpunkte betreffen die religiösen Voraussetzungen moralischer Normen, die Frage nach metaphysischen Grundlagen der Ethik sowie das grundlegende Problem, warum Menschen überhaupt moralisch handeln sollen. Am Ende wird die Frage aufgeworfen, wie ethische Probleme in gegenwärtigen gesellschaftlichen und politischen Debatten verstanden werden können.
Nietzsche fragt nach Gut und Böse. Er versteht diese Einteilung als Aufstand der Schwachen gegen die Starken. Vor dieser Umkehr waren die Starken die Guten und triumphierten über die Schwachen. Nun werden die wenigen Starken von den vielen Schwachen als böse angesehen. Nietzsche sieht den Sieg des Starken als notwendig zur Erhaltung einer zum Überleben fähigen Menschheit an. Nietzsche strebt zudem eine Ethik ohne Metaphysik, also ohne Gott an. Kant benötigt die Metaphysik mit seinen unbedingten Forderungen, die nicht empirisch an die Welt gebunden sind, sondern metaphysisch bedingt sind.
PHILOSOPHISCHE ETHIK
Das menschliche Leben ist eine Abfolge von Entscheidungen. Der Mensch steht daher unausweichlich vor der Frage nach dem richtigen Handeln. Hier sucht die Ethik nach einer begründeten Antwort. Kriterium des richtigen Handels ist die Selbstzwecklichkeit des Menschen. Verantwortbar ist ein Handeln, das den berechtigten Anspruch der Betroffenen auf ihr Glück und die dazu erforderlichen Güter und Rechte respektiert.
WONACH FRAGT DIE PHILOSOPHISCHE ETHIK?
Die beiden klassischen Antworten in der Geschichte der Philosophie lauten: (a) sie fragt nach dem Glück; das ist die Antwort der Antike (Aristoteles). Dagegen ist einzuwenden: Das Glück ist eine subjektive Größe. Jeder muss nach seiner eigenen Fasson glücklich werden. (b) Sie fragt, was wir tun sollen; das ist die Antwort der Moderne (Kant). Dagegen stehen die Einwände Nietzsches und der Soziobiologie.
Eine Vorlesungsreihe in Zusammenarbeit mit der Hochschule für Philosophie, München.