Didaktisch eignet sich das Material besonders für die gymnasiale Oberstufe in den Themenfeldern Jesus Christus, Auferstehung, Ostern, Bibelauslegung und neutestamentliche Christologie. Die synoptische Darstellung ermöglicht eine vertiefte Schulung historischer, theologischer und hermeneutischer Kompetenzen. Methodisch bietet sich zunächst eine genaue Beobachtungsphase an, in der die Lernenden Unterschiede und Gemeinsamkeiten der Texte markieren und systematisieren. Dabei können Leitfragen helfen, etwa nach den beteiligten Personen, dem Ort der Erscheinungen, der Rolle der Engel, den Reaktionen der Zeuginnen und Zeugen oder den Aussagen über den Auferstandenen. In einem weiteren Schritt können die unterschiedlichen theologischen Akzentsetzungen der Evangelisten herausgearbeitet werden. So betont Matthäus die Sendung nach Galiläa und den universalen Missionsauftrag, Markus die Erfahrung von Furcht und Erschrecken, Lukas die Schriftdeutung und die Emmauserzählung sowie Johannes die persönliche Begegnung Marias mit dem Auferstandenen und die Geistsendung an die Jünger. Das Material eignet sich darüber hinaus für Diskussionen über die historische Glaubwürdigkeit biblischer Texte, den Charakter von Glaubenszeugnissen und die Bedeutung der Auferstehung für den christlichen Glauben. Denkbar sind Gruppenarbeiten, Vergleichstabellen, Expertengruppen, Präsentationen oder Debatten zur Frage, weshalb unterschiedliche Ostererzählungen überliefert wurden. Durch die intensive Textarbeit lernen die Lernenden, die Vielfalt neutestamentlicher Perspektiven als Ausdruck theologischer Deutung und nicht als Widerspruch zu verstehen. Das Material fördert damit sowohl die Bibelkompetenz als auch die Fähigkeit zur differenzierten theologischen Urteilsbildung.
Im ersten Schritt wird die Synopse bearbeitet. Dann erfolgt eine tabellarische Auswertung der Seligpreisungen nach Einstellungen und Verhaltensweisen.
Antizipierte Ergebnisse des synoptischen Vergleichs der Evangelisten:
Gemeinsamkeiten
Leeres Grab: Alle vier Evangelien berichten, dass das Grab Jesu am Ostermorgen leer gefunden wird.
Frauen als erste Zeugen: Frauen, insbesondere Maria Magdalena, sind die ersten, die das leere Grab entdecken.
Engel oder himmlische Wesen: In allen Berichten erscheinen Engel oder himmlische Wesen, die den Frauen die Auferstehung Jesu verkünden.
Verkündigung der Auferstehung: Die Auferstehung wird von den himmlischen Boten verkündet, und die Frauen werden aufgefordert, den Jüngern die Nachricht zu überbringen.
Reaktionen der Jünger: Die Jünger reagieren zunächst mit Unglauben oder Zweifel auf die Berichte der Frauen.
Unterschiede
Anzahl und Identität der Frauen am Grab:
Matthäus: Maria Magdalena und „die andere Maria“.
Markus: Maria Magdalena, Maria (die Mutter des Jakobus), und Salome.
Lukas: Maria Magdalena, Johanna, Maria (die Mutter des Jakobus), und andere Frauen.
Johannes: Nur Maria Magdalena wird zuerst erwähnt, aber später kommen auch Petrus und der „andere Jünger“ (wahrscheinlich Johannes) zum Grab.
Anzahl und Beschreibung der Engel:
Matthäus: Ein Engel des Herrn, der den Stein wegrollt und mit leuchtendem Aussehen auf dem Stein sitzt.
Markus: Ein junger Mann in einem weißen Gewand sitzt im Grab.
Lukas: Zwei Männer in leuchtenden Gewändern erscheinen im Grab.
Johannes: Zwei Engel in weißen Gewändern sitzen im Grab, einer am Kopf und einer am Fußende der Stelle, wo Jesus lag.
Reaktionen und Handlungen der Frauen:
Matthäus: Die Frauen begegnen Jesus auf dem Weg und halten seine Füße fest.
Markus: Die Frauen fliehen zitternd und erstaunt vom Grab und sagen zunächst niemandem etwas aus Furcht.
Lukas: Die Frauen berichten den Jüngern, was sie gesehen haben.
Johannes: Maria Magdalena sieht Jesus zunächst nicht, erkennt ihn dann aber, als er sie beim Namen nennt.
Erscheinungen des Auferstandenen Jesus:
Matthäus: Jesus erscheint den Frauen auf dem Weg und später den Jüngern in Galiläa.
Markus: Der ursprüngliche Text endet abrupt, spätere Ergänzungen berichten von Erscheinungen Jesu.
Lukas: Jesus erscheint den Jüngern auf dem Weg nach Emmaus und später in Jerusalem.
Johannes: Jesus erscheint Maria Magdalena, den Jüngern ohne Thomas und später mit Thomas, und schließlich am See von Tiberias.
Ort der Erscheinungen:
Matthäus: Hauptsächlich in Galiläa.
Markus: Keine spezifischen Ortsangaben in den ursprünglichen Texten, spätere Ergänzungen erwähnen verschiedene Orte.
Lukas: Hauptsächlich in Jerusalem und Umgebung.
Johannes: In Jerusalem und später am See von Tiberias.
Zusammenfassung
Die vier Evangelien teilen wesentliche Elemente der Auferstehungsgeschichte, wie das leere Grab, die Rolle der Frauen als erste Zeugen und die Erscheinung himmlischer Wesen. Unterschiede bestehen jedoch in der Anzahl und Identität der beteiligten Frauen, der Darstellung der Engel, den Reaktionen und Handlungen der Frauen, den Erscheinungen Jesu und den geografischen Schwerpunkten. Diese Unterschiede reflektieren die spezifischen theologischen Anliegen und Zielgruppen der einzelnen Evangelisten, wodurch eine vielfältige und facettenreiche Darstellung der Auferstehung entsteht.