Das Video gibt einen fundierten Überblick über die drei großen Strömungen der mittelalterlichen Philosophie und Theologie. Im Zentrum stehen die Synthese von Glaube und Vernunft bei Thomas von Aquin, die mystische Tradition um Meister Eckhart sowie der Nominalismus von Johannes Duns Scotus und Wilhelm von Ockham. Der Referent zeigt, wie sich im Spätmittelalter die Beziehung zwischen Philosophie und Theologie grundlegend verändert. Während Thomas von Aquin von einer Harmonie zwischen Offenbarung und Vernunft ausgeht, betont die Mystik die unmittelbare Gotteserfahrung und der Nominalismus hebt die Grenzen menschlicher Erkenntnis hervor. Dadurch entstehen Entwicklungen, die weit über das Mittelalter hinausreichen und wichtige Voraussetzungen für Reformation, Neuzeit und moderne Wissenschaft schaffen.
Formationen mittelalterlichen Denkens: Glaube und Vernunft, Unio mystica und das Problem des Nominalismus
Mittelalterliches philosophisches Denken bildet sich in drei Grundformen aus: in der hochentwickelten scholastischen Disputationskunst mit den Exponenten Albertus Magnus und Thomas von Aquin. Hier zeigt sich die Komplementarität von Glaube und Vernunft. Neben diesen eher aristotelisch geprägten Ansatz tritt die mystische Versenkung in das Eine, die den Platonischen Aufstieg zur höchsten Idee mit der tiefsten christlichen Gotteserfahrung verbindet (Meister Eckhart). Im Universalienstreit wird, prominent bei Johannes Duns Scotus und William von Occam, die Frage aufgeworfen, ob die Grundbegriffe eine eigene Existenz haben, oder ob das Sein nur den Einzeldingen zukommt (haecceitas). Damit wird die Verbindung zwischen Glaube und Vernunft, Philosophie und Theologie gelockert. Gottes Wille richtet sich nicht nach Maßstäben der metaphysischen Vernunft. Ein Einschlag, der im Verlauf der Neuzeit nach und nach erwogen werden wird.