Das Video gibt einen Einblick in die Philosophie Jürgen Habermas’ und zeichnet die Entwicklung seines Denkens von der Kritischen Theorie hin zu einer sprachphilosophisch und diskurstheoretisch orientierten Gesellschaftstheorie nach. Dabei wird der Wandel der deutschsprachigen Philosophie seit den 1970er Jahren beschrieben, als sich viele Philosophinnen und Philosophen verstärkt der analytischen Philosophie angelsächsischer Prägung zuwandten. Im Mittelpunkt stehen Habermas’ Überlegungen zu Kommunikation, Vernunft, Diskursethik sowie dem Verhältnis von Recht, Moral und gesellschaftlicher Verständigung. Besonders interessant ist die Darstellung seiner späteren Hinwendung zur Religion. Entgegen früheren Erwartungen erkennt Habermas im religiösen Erbe des Judentums und Christentums einen unverzichtbaren normativen Gehalt, der für moderne Gesellschaften bedeutsam bleibt. Themen wie Menschenwürde, Vergebung, Verzeihung, die Unverfügbarkeit des Lebens und die Grundlagen menschlicher Solidarität werden als Ressourcen beschrieben, die sich nicht vollständig durch rationale Verfahren ersetzen lassen.
In den 1970er Jahren begann sich die deutschsprachige Philosophie, beeinflusst von Jürgen Habermas und anderen, verstärkt der angelsächsischen analytischen Philosophie zuzuwenden. Dieser Paradigmenwechsel führte zu einer Integration von semantischer und ordinary language Philosophie, die den Stil der philosophischen Argumentation veränderte. Deutschland war bis dahin ein Zentrum der Philosophie, beeinflusste durch Hegel, Heidegger und die Kritische Theorie, die international rezipiert wurden. Habermas, beeinflusst von der analytischen Philosophie, entwickelte eine Diskursethik und beschäftigte sich später mit Fragen der Religion und der Unverfügbarkeit des Lebens, insbesondere nach den Ereignissen des 11. September 2001.