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Der Rest ist Geschichte | Deutschlandfunk

Der Rest ist Geschichte | Deutschlandfunk

Dschihadismus - Mit dem Bombengürtel ins Paradies

Veröffentlichung:1.1.1970

Die Podcastfolge „Dschihadismus – Mit dem Bombengürtel ins Paradies“ aus Der Rest ist Geschichte zeichnet ein historisch fundiertes, religionswissenschaftlich reflektiertes und politisch hochaktuelles Bild des islamistischen Terrorismus. Der Podcast entfaltet die Entwicklungslinien des Begriffs Dschihad – von spiritueller Selbstüberwindung über die politischen Kämpfe der frühen islamischen Gemeinden bis hin zur modernen Instrumentalisierung durch extremistische Gruppen. Er zeigt, dass der Dschihad historisch nie eindeutig war und dass islamistische Terroristen ihn heute gezielt verzerren und theologisieren, um Gewalt religiös zu legitimieren. Im Gespräch mit einem ausgewiesenen Experten wird nachvollziehbar, wie wahhabitische Reformbewegungen, die politischen Verwerfungen des 20. Jahrhunderts, Figuren wie Sayyid Qutb oder Ereignisse wie die Besetzung der Großen Moschee 1979, 9/11 oder der „Islamische Staat“ diese Strömung geprägt haben. Die Folge verdeutlicht, wie gefährlich vereinfachende religiöse Deutungen werden, wenn sie sich mit politischer Radikalisierung verbinden und warum der Dschihadismus auch heute eine reale Bedrohung bleibt.

Das etwa 45 Minuten lange Audio „Dschihadismus: Mit dem Bombengürtel ins Paradies“ aus dem Deutschlandfunk Podcast „Der Rest ist Geschichte“ untersucht die religiösen, politischen und historischen Wurzeln des Dschihadismus. Moderatorin Magdalena Pulz spricht mit dem Islamwissenschaftler Guido Steinberg über unterschiedliche Bedeutungen des Begriffs Dschihad, das Verhältnis von Islam und Gewalt sowie die Entwicklung gewaltorientierter islamistischer Ideologien. Die Folge behandelt die islamische Urgemeinde, den Wahhabismus im 18. Jahrhundert, die politische Verwendung des Dschihadbegriffs durch das Deutsche Kaiserreich im Ersten Weltkrieg und den Einfluss des ägyptischen Ideologen Sayyid Qutb. Weitere Stationen sind die Besetzung der Großen Moschee von Mekka im Jahr 1979, die Entstehung von Al Qaida, die Anschläge vom 11. September 2001 und der sogenannte Islamische Staat. Das Audio wurde am 20. Juni 2024 veröffentlicht und ist über Spotify

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Für den Religionsunterricht eignet sich das Audio besonders für die Sekundarstufe I ab der zehnten Klassenstufe und für die gymnasiale Oberstufe. Es ermöglicht die Verbindung von Islamkunde, Religionsgeschichte, politischer Bildung, Friedensethik, Fundamentalismuskritik und Medienbildung.

Vor dem Hören sollten die Begriffe Islam, muslimisch, Islamismus, islamistisch, Dschihadismus, Radikalisierung und Terrorismus geklärt werden. Diese Begriffe dürfen nicht gleichgesetzt werden. Der Islam bezeichnet eine vielfältige Weltreligion. Islamismus bezeichnet politische Ideologien, die eine bestimmte religiöse Ordnung für Staat und Gesellschaft durchsetzen wollen. Dschihadismus ist eine gewaltorientierte Form des Islamismus, die Terror und bewaffneten Kampf religiös legitimiert.

Besonders wichtig ist die Unterscheidung zwischen Musliminnen und Muslimen und dschihadistischen Gruppen. Dschihadisten bilden eine kleine extremistische Minderheit. Die große Mehrheit muslimischer Menschen lehnt Terror und die Ermordung Unbeteiligter ab. Muslimische Lernende dürfen im Unterricht nicht als Vertreter einer gesamten Religion behandelt oder zur persönlichen Stellungnahme gedrängt werden.

Als Einstieg kann der Titel des Audios untersucht werden. Die Lernenden überlegen, welche Bilder und Erwartungen die Formulierung „Mit dem Bombengürtel ins Paradies“ hervorruft. Sie prüfen, ob der Titel sachlich informiert, Aufmerksamkeit erzeugt oder religiöse Vorstellungen vereinfacht. Nach dem Hören wird diese erste Einschätzung erneut aufgegriffen.

Eine weitere Einstiegsmöglichkeit bietet eine anonyme Begriffssammlung. Die Lernenden schreiben auf, was sie bisher mit dem Begriff Dschihad verbinden. Die Ergebnisse werden geordnet, ohne sie sofort als richtig oder falsch zu bewerten. Anschließend wird verdeutlicht, dass der arabische Begriff zunächst Anstrengung oder Bemühen bedeutet und in unterschiedlichen religiösen, ethischen, politischen und militärischen Zusammenhängen verwendet wurde.

Das Audio sollte wegen seiner Länge in mehrere Abschnitte unterteilt werden. Geeignete Themenblöcke sind die Bedeutungen des Dschihad, Islam und Gewalt, die islamische Urgemeinde, der Wahhabismus, die politische Instrumentalisierung im Ersten Weltkrieg, Sayyid Qutb, Mekka 1979, Al Qaida und der sogenannte Islamische Staat. Kleingruppen können jeweils einen Abschnitt hören und seine zentralen Aussagen für die Lerngruppe zusammenfassen.

Während des Hörens führen die Lernenden ein strukturiertes Protokoll. Sie notieren historische Ereignisse, wichtige Personen, religiöse Begriffe, politische Interessen und Formen der Gewaltlegitimation. Zusätzlich kennzeichnen sie Aussagen, die historische Tatsachen darstellen, und Aussagen, die Deutungen oder Bewertungen enthalten.

Eine Zeitleiste unterstützt das historische Verständnis. Sie macht sichtbar, dass moderner Dschihadismus nicht unmittelbar aus einem einzigen religiösen Text hervorgegangen ist. Er entstand durch das Zusammenwirken von religiösen Deutungen, Kolonialerfahrungen, politischen Konflikten, autoritären Regimen, gesellschaftlichen Krisen, ideologischen Vordenkern und terroristischen Organisationen.

Bei der Beschäftigung mit Korantexten ist eine sorgfältige Kontextualisierung notwendig. Einzelne Aussagen dürfen nicht aus ihrem sprachlichen, historischen und literarischen Zusammenhang gelöst werden. Sinnvoll ist ein Vergleich zwischen gewaltorientierten Lesarten und Auslegungen muslimischer Gelehrter, die Frieden, Barmherzigkeit, Gerechtigkeit und den Schutz menschlichen Lebens betonen.

Das Audio kann außerdem mit der Frage verbunden werden, wie Religion politisch instrumentalisiert wird. Das Beispiel des Deutschen Kaiserreichs im Ersten Weltkrieg zeigt, dass auch nichtmuslimische politische Akteure den Dschihadbegriff für eigene militärische Ziele nutzten. Dadurch erkennen die Lernenden, dass religiöse Sprache von Staaten, Bewegungen und Organisationen strategisch verwendet werden kann.

Methodisch eignet sich eine Begriffslandkarte. In der Mitte steht Dschihadismus. Darum werden historische Bedingungen, politische Ziele, religiöse Deutungen, Feindbilder, Organisationen, Rekrutierung und Gewalt angeordnet. Beziehungen zwischen den Bereichen werden anschließend begründet.

Eine Quellenwerkstatt kann unterschiedliche Perspektiven zusammenführen. Die Lernenden untersuchen einen historischen Text, einen Auszug aus einer religiösen Auslegung, eine Darstellung einer muslimischen Friedensinitiative und eine journalistische Analyse. Ziel ist nicht, eine Religion zu bewerten, sondern die Entstehung, Auswahl und Verwendung religiöser Deutungen zu verstehen.

Auf Propagandavideos, Hinrichtungsbilder und detaillierte Darstellungen terroristischer Gewalt sollte verzichtet werden. Sie besitzen keinen notwendigen didaktischen Mehrwert, können belastend wirken und unbeabsichtigt zur Verbreitung extremistischer Selbstdarstellung beitragen. Stattdessen sollten analysierte und kontextualisierte Quellen verwendet werden.

Auch die Ursachen von Radikalisierung sind differenziert zu behandeln. Es gibt keinen einfachen Lebenslauf, der zwangsläufig zum Terrorismus führt. Persönliche Krisen, soziale Beziehungen, politische Erfahrungen, ideologische Angebote, digitale Netzwerke und das Bedürfnis nach Zugehörigkeit können zusammenwirken. Religion ist dabei nicht die einzige Erklärung.

In der ethischen Vertiefung kann das Tötungsverbot im Islam mit friedensethischen Aussagen aus Christentum, Judentum und anderen religiösen Traditionen verglichen werden. Die Lernenden untersuchen, wie Religionen menschliches Leben schützen und wie extremistische Gruppen religiöse Sprache umdeuten, um Gewalt zu rechtfertigen.

Eine abschließende Diskussion kann der Frage gelten, wie demokratische Gesellschaften auf Dschihadismus reagieren sollen. Dabei werden Sicherheit, Prävention, Religionsfreiheit, Menschenrechte und gesellschaftliche Teilhabe gegeneinander abgewogen. Pauschale Verdächtigungen muslimischer Menschen sind zurückzuweisen, weil sie Diskriminierung fördern und gesellschaftliche Ausgrenzung verstärken können.

Was bedeutet der Begriff Dschihad? Der Begriff bedeutet Bemühen oder Anstrengung auf dem Weg Gottes. Er kann moralische, spirituelle, soziale, politische oder militärische Bedeutungen annehmen.

Was wird häufig unter großem Dschihad verstanden? Damit wird das innere Bemühen eines Menschen bezeichnet, verantwortungsvoll zu leben, schlechte Neigungen zu überwinden und sich an religiösen Maßstäben zu orientieren.

Was wird häufig unter kleinem Dschihad verstanden? Damit wird in bestimmten Traditionen der bewaffnete Kampf bezeichnet. Seine Voraussetzungen, Grenzen und Auslegungen waren in der islamischen Geschichte umstritten.

Ist Dschihad dasselbe wie Terrorismus? Nein. Der Begriff besitzt eine viel breitere Bedeutung. Dschihadistische Gruppen reduzieren ihn auf gewaltsamen Kampf und verbinden ihn mit einer extremistischen Ideologie.

Was ist Dschihadismus? Dschihadismus ist eine gewaltorientierte islamistische Ideologie, die bewaffneten Kampf und terroristische Anschläge als religiöse Pflicht darstellt.

Sind Islam und Islamismus dasselbe? Nein. Der Islam ist eine vielfältige Religion. Islamismus ist eine politische Ideologie, die eine bestimmte religiöse Ordnung für Staat und Gesellschaft fordert.

Sind Islamismus und Dschihadismus dasselbe? Nein. Nicht jede islamistische Bewegung befürwortet terroristische Gewalt. Dschihadismus bezeichnet besonders gewaltorientierte Strömungen.

Wie behandelt das Audio das Verhältnis von Islam und Gewalt? Es zeigt, dass es in der islamischen Geschichte sowohl gewaltbezogene als auch friedensorientierte Deutungen gibt. Politische und historische Zusammenhänge beeinflussen, welche Deutung wirksam wird.

Welche Bedeutung besitzt die islamische Urgemeinde für spätere Auslegungen? Spätere Gruppen berufen sich auf die Zeit des Propheten Mohammed und seiner ersten Gemeinschaft. Dabei wählen und deuten sie historische Ereignisse entsprechend ihren eigenen politischen Zielen.

Was ist der Wahhabismus? Der Wahhabismus ist eine im 18. Jahrhundert entstandene religiöse Reformbewegung, die eine Rückkehr zu einer als ursprünglich verstandenen Glaubenspraxis anstrebte. Er darf nicht pauschal mit Dschihadismus gleichgesetzt werden, beeinflusste aber bestimmte streng religiöse Strömungen.

Wie nutzte das Deutsche Kaiserreich den Dschihadbegriff? Im Ersten Weltkrieg versuchte es, muslimische Bevölkerungen in den Gebieten seiner Gegner zum Aufstand zu bewegen. Der Dschihadbegriff wurde dabei für deutsche Kriegsziele instrumentalisiert.

Wer war Sayyid Qutb? Sayyid Qutb war ein ägyptischer islamistischer Ideologe des 20. Jahrhunderts. Seine Schriften beeinflussten spätere extremistische Bewegungen.

Warum ist die Besetzung der Großen Moschee von Mekka im Jahr 1979 bedeutsam? Sie zeigte die Stärke religiös begründeter Opposition und beeinflusste politische sowie religiöse Entwicklungen in Saudi Arabien und darüber hinaus.

Was ist Al Qaida? Al Qaida ist ein internationales dschihadistisches Terrornetzwerk, das unter anderem für die Anschläge vom 11. September 2001 verantwortlich ist.

Welche Ziele verfolgte Al Qaida? Die Organisation wollte westlichen Einfluss bekämpfen, bestehende Regierungen stürzen und eine von ihrer Ideologie bestimmte politische Ordnung errichten.

Was war der sogenannte Islamische Staat? Der sogenannte Islamische Staat war und ist eine dschihadistische Terrororganisation, die zeitweise Gebiete in Syrien und im Irak kontrollierte und dort eine gewalttätige Herrschaft errichtete.

Warum versprach der sogenannte Islamische Staat seinen Anhängern das Paradies? Er deutete religiöse Vorstellungen gezielt um, um Gewalt, Gehorsam und Selbstopferung zu legitimieren.

Warum sollte die Eigenbezeichnung Islamischer Staat kritisch verwendet werden? Die Organisation war kein anerkannter Staat und vertrat nicht den Islam als Ganzes. Die Bezeichnung kann ihrem eigenen Herrschaftsanspruch unbeabsichtigt Glaubwürdigkeit verleihen.

Welche Rolle spielt Religion bei der Radikalisierung? Religiöse Deutungen können eine Rolle spielen, sind aber nur ein Faktor. Politische Konflikte, persönliche Krisen, soziale Beziehungen und extremistische Netzwerke können ebenfalls bedeutsam sein.

Warum sind einfache Erklärungen für Dschihadismus problematisch? Sie übersehen die Vielfalt historischer, politischer, sozialer und persönlicher Ursachen und können Vorurteile gegenüber muslimischen Menschen fördern.

Wie nutzen dschihadistische Gruppen religiöse Texte? Sie wählen einzelne Texte aus, lösen sie häufig aus ihrem Zusammenhang und deuten sie entsprechend ihrer Ideologie.

Welche Rolle spielen Feindbilder? Feindbilder teilen die Welt in angeblich reine Gläubige und absolute Gegner. Dadurch werden Ausgrenzung, Entmenschlichung und Gewalt erleichtert.

Warum ist die Unterscheidung zwischen Religion und religiöser Instrumentalisierung wichtig? Sie zeigt, dass nicht Religion allein Gewalt verursacht, sondern Menschen religiöse Sprache für politische und gewaltsame Ziele verwenden können.

Wie können Schulen Radikalisierung vorbeugen? Sie können religiöse und politische Bildung stärken, Diskriminierung abbauen, Zugehörigkeit ermöglichen, Medienkompetenz fördern und vertrauensvolle Beratungsangebote bereitstellen.

Was können Lernende aus dem Audio mitnehmen? Sie können erkennen, dass Dschihadismus historisch entstanden ist, religiöse Begriffe politisch umdeutet und nicht mit dem Islam oder muslimischem Leben gleichgesetzt werden darf.


Für den Religionsunterricht, Ethik und Sozialwissenschaften bietet diese Podcastfolge einen ungewöhnlich tiefen, historischen Zugang zu einem sensiblen, oft stark emotionalisierten Thema. Die Folge eignet sich besonders, um Schülerinnen und Schülern differenziertes Hintergrundwissen über Islam, religiöse Begriffe und politische Radikalisierung zu vermitteln. Sie macht deutlich, dass der Dschihad im Islam ursprünglich nicht als Terrorbegriff gemeint war, sondern spirituell, moralisch und gesellschaftlich vielfältig interpretiert wurde. Lernende können so Missverständnisse und Vorurteile abbauen und erkennen, wie extremistische Gruppen religiöse Traditionen entstellen, um Gewalt zu rechtfertigen.

Methodisch bietet es sich an, die Folge in einer Reihe zu Weltreligionen, Gewalt und Frieden, Fundamentalismus oder politischem Extremismus einzubetten. Ein Hörprotokoll kann zentrale Begrifflichkeiten sichern, etwa die Unterschiede zwischen großem und kleinem Dschihad oder die historischen Stationen der Radikalisierung. In Partner- oder Gruppenarbeit lässt sich anschließend herausarbeiten, wie politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Krisen religiöse Radikalisierung begünstigen. Ein wichtiger Baustein ist die religionspädagogische Einbettung: Wie verstehen muslimische Gemeinden heute den Dschihad, wie distanzieren sie sich von Terror, und warum sind Differenzierungen unverzichtbar?

Auch ethisch lassen sich bedeutsame Fragen formulieren: Was macht Menschen anfällig für radikale Heilsversprechen? Wie funktioniert ideologische Manipulation? Welche Verantwortung trägt religiöse Sprache im gesellschaftlichen Raum? Die Podcastfolge hilft, über Radikalisierung ohne Sensationalismus zu sprechen und gleichzeitig die Realität extremistischer Gewalt ernst zu nehmen. Sie eröffnet Gesprächsräume über Frieden, Gerechtigkeit, religiöse Freiheit und die Verantwortung, mit religiösen Traditionen achtsam umzugehen.

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