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Loccumer Pelikan

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Gott auf der Spur - Gottesbilder im Religionsunterricht der Grundschule

Veröffentlichung:16.1.2026

Das Medium „Gott auf der Spur – Gottesbilder im Religionsunterricht der Grundschule“ von Lena Sonnenburg erschließt die Gottesfrage in der Primarstufe auf der Grundlage aktueller religionspädagogischer und religionspsychologischer Einsichten und übersetzt diese in ein unterrichtspraktisches, differenzierbares Vorgehen. Im Zentrum steht die Wahrnehmung, dass Kinder heute in pluralen Lebenswelten aufwachsen und entsprechend vielfältige, biografisch geprägte Vorstellungen von Gott mitbringen, die weder einheitlich noch stufenförmig „automatisch“ verlaufen, sondern in Kommunikations- und Deutungsprozessen entstehen und sich verändern.

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In der ausführlichen Darstellung wird zunächst ein Paradigmenwechsel deutlich: Ältere Annahmen, Kinder stellten sich Gott notwendig anthropomorph vor und könnten religiöse Sprache nur wörtlich verstehen, werden kritisch relativiert. Empirische Zugänge – besonders über Kinderzeichnungen – zeigen, dass Kinder häufig kein fertiges, statisches Gottesbild besitzen, sondern ihre Vorstellungen im Ausdruck selbst entwickeln, korrigieren und neu ordnen. Gleichzeitig wird die große Streuung kindlicher Gotteskonzepte herausgestellt: Sie variieren stark je nach familiärem Beziehungsklima, gelebter Religiosität, Kommunikationsräumen und biografischer Sicherheit. Die Rolle der Bezugspersonen wird dabei als zentraler Faktor beschrieben: Kinder übernehmen die „echten“ Positionen Erwachsener seismographisch, sodass Glauben oder Distanz zum Glauben weniger durch Belehrung als durch Beziehungsqualität, Glaubwürdigkeit und Lebensrelevanz geprägt werden. Zugleich werden wiederkehrende Muster benannt, etwa die Dominanz anthropomorpher Gottesdarstellungen im Grundschulalter, aber auch metaphorische Bilder, die oft die Lebenslage der Kinder spiegeln. Die Differenzierungen nach Geschlecht (Allmacht- versus Beziehungsakzent) werden als empirisch beobachtbare Tendenzen beschrieben, ohne daraus pädagogische Stereotype abzuleiten.


Religionspädagogisch konsequent ist der Ansatz, Kinder als theologisch produktive Subjekte ernst zu nehmen. Das Medium orientiert sich damit an kindertheologischen Grundannahmen: Kinder können bereits früh mit Metaphern umgehen, Deutungen vergleichen, Gegenargumente prüfen und ihre Vorstellungen weiterentwickeln, wenn sie geeignete Impulse und geschützte Gesprächsräume erhalten. Unterrichtlich wird daraus ein Zielhorizont, der zwei Bewegungen zusammenhält: Mitgebrachte Gottesvorstellungen werden respektiert, aber nicht unkritisch verstärkt; zugleich werden biblische Bilder und religiöse Sprache so erschlossen, dass sie lebendig werden und dennoch hinterfragbar bleiben. Damit wird eine didaktisch wichtige Prävention gegen Enttäuschungsatheismus angelegt: Wer lernt, dass Gottesrede symbolisch, mehrdeutig und entwicklungsfähig ist, muss nicht an einem kindlich-naiven Bild scheitern, wenn Lebenserfahrungen komplexer werden.


Die unterrichtspraktische Umsetzung wird im Medium über einen klaren Dreischritt entfaltet. Ein Bilderbuchimpuls („Was, wenn Gott einer, keiner oder viele ist?“) eröffnet die Gottesfrage in Gegensatzpaaren und stellt Vielfalt ausdrücklich als Normalfall dar. Das unkommentierte Vorlesen – mit anschließender Frage „Und du?“ – dient als Einladung zur Selbstpositionierung, ohne vorschnelle Bewertung. Daran schließt eine Stationenarbeit an, die bewusst individualisiert ist: Einzelarbeit, freie Reihenfolge, Differenzierung über Umfang und Anspruch, und vor allem der Schutz der Privatsphäre, damit Kinder ohne Leistungsdruck oder Bloßstellung zu eigenen Ergebnissen kommen können. Dieses Element ist religionspädagogisch besonders tragfähig, weil Gottesbilder häufig intime und biografisch sensible Bereiche berühren. Abschließend wird ein theologisches Gespräch vorgeschlagen, das nicht auf Ergebnisvergleich zielt, sondern auf das gemeinsame Verbalisieren, das Kennenlernen von Differenzen und das Einüben von Respekt gegenüber anderen Gottesvorstellungen. Hier erhält die Lehrkraft eine moderierende und öffnende Rolle: Sie bringt eigene Erfahrungen und biblische Gottesbilder als Gesprächsanregung ein, ohne den Diskurs zu dominieren. Eine Mindmap als vorläufige Ergebnissicherung verdeutlicht prozessual: Gottesbilder sind nicht endgültig, sondern veränderbar, korrigierbar und ausbaubar.


Insgesamt bietet das Medium einen didaktisch reflektierten und sensiblen Weg, die Gottesfrage in der Grundschule weder zu verengen noch zu beliebig zu behandeln. Es verbindet empirische Erkenntnisse über kindliche Gottesvorstellungen mit einer kindertheologisch begründeten Haltung und einem konkret umsetzbaren Methodenarrangement, das Differenzierung, Schutzräume und dialogische Lernkultur zusammenführt. Damit eignet sich der Beitrag besonders für Jahrgang 3/4, für Unterrichtsvorhaben zu „Gott“, „Bilder von Gott“, „Gebet“, „Vertrauen“, „Schöpfung“, „Schutz und Geborgenheit“ sowie für interreligiöse und weltanschauliche Öffnungen im Klassenverband.

Hessen

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Gott (Hessen | Primarstufe 3/4).

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Die Frage nach Gott (Rheinlandpfalz | Primarstufe 3/4).

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