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Christoph Thoma

Christoph Thoma

Ich besitze, also bin ich

Veröffentlichung:1.1.1970

Die Unterrichtsstunde „Ich besitze, also bin ich“ mit drei Seiten thematisiert kritisch die Bedeutung von Besitz und Konsum in modernen Gesellschaften. Es zeigt auf, wie stark individuelles Selbstwertgefühl und soziale Beziehungen an Eigentum gekoppelt sind und welche Folgen diese Orientierung haben kann. Historisch wird dies mit dem mittelalterlichen Armutsstreit und der franziskanischen Idee des „Usus pauper“ kontrastiert, die ein Leben ohne Besitz, aber mit verantwortungsvollem Gebrauch propagiert. Ergänzend werden Bezüge zu Suchtphänomenen – etwa Alkohol- oder Arbeitssucht – hergestellt, die aus einer übermäßigen Fixierung auf Besitz, Leistung und Absicherung entstehen können. Das Material enthält zudem konkrete Arbeitsaufträge zur Recherche, Diskussion und Selbstreflexion der Lernenden.

Das Medium „Ich besitze, also bin ich“ beschäftigt sich mit dem Zusammenhang von Besitz, Konsum, Selbstwert, sozialen Beziehungen und Sucht. Ausgangspunkt ist die These, dass Menschen in einer kapitalistisch geprägten Gesellschaft Dinge besitzen müssen, um sie verwenden und verbrauchen zu dürfen. Besitz werde dadurch zu einer wichtigen Grundlage gesellschaftlicher Anerkennung und persönlicher Identität. Das Streben nach Eigentum könne dazu führen, dass Menschen ihr Leben auf eine unbestimmte Zukunft ausrichten, materielle Werte anhäufen und gegenwärtige Beziehungen vernachlässigen. Als historische Gegenbewegung stellt das Material den mittelalterlichen Armutsstreit und das Ideal des armen Gebrauchs im Franziskanerorden vor. Gedanken des Philosophen Giorgio Agamben regen dazu an, das Leben und die Welt nicht als Eigentum, sondern als zum verantwortlichen Gebrauch anvertraute Gaben zu verstehen. In einem zweiten Themenbereich verbindet das Material Besitzorientierung und übermäßige Absicherung mit Suchtverhalten. Am Beispiel von Alkoholsucht und Arbeitssucht werden gesundheitliche, psychische und soziale Folgen problematisiert. Rechercheaufträge, Diskussionsfragen, Berechnungen, eine anonyme Befragung zum Alkoholkonsum, ein Lückentext und Aufgaben zur Selbstreflexion ergänzen die Informationstexte.

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Das Medium eignet sich für den Religionsunterricht in der Sekundarstufe zwei und in angepasster Form für höhere Klassen der Sekundarstufe eins. Es kann in Unterrichtsreihen zu Eigentum, Armut, Konsum, Gerechtigkeit, christlicher Lebensführung, Franz von Assisi, Sucht, Selbstwert, Arbeit und Verantwortung verwendet werden. Das Material verbindet historische, philosophische, wirtschaftsethische, sozialethische und psychologische Perspektiven. Dadurch eröffnet es vielfältige Möglichkeiten zur Urteilsbildung. Die unterschiedlichen Themen sollten jedoch nicht in einer einzigen Unterrichtsstunde behandelt werden. Sinnvoll ist eine Aufteilung in mehrere Unterrichtsphasen zu Besitz und Identität, franziskanischer Armut, Konsumkritik sowie Sucht und Selbstwert.

Als Einstieg können die Lernenden den Satz „Ich besitze, also bin ich“ mit dem philosophischen Satz „Ich denke, also bin ich“ vergleichen. Sie erklären, welches Menschenbild in beiden Aussagen zum Ausdruck kommt. Anschließend sammeln sie Beispiele dafür, wie Kleidung, technische Geräte, Marken, Geld und soziale Medien zur Darstellung der eigenen Identität verwendet werden. Dabei sollte niemand zur Offenlegung persönlicher finanzieller Verhältnisse aufgefordert werden.

Eine weitere Einstiegsmöglichkeit bietet ein Gedankenexperiment. Die Lernenden überlegen, welche Dinge sie für ein gutes Leben tatsächlich benötigen, welche Dinge ihren Alltag angenehmer machen und welche Gegenstände vor allem gesellschaftliche Anerkennung vermitteln. Die Ergebnisse können den Bereichen Grundbedürfnis, persönlicher Wunsch, Status und Beziehung zugeordnet werden. Auf diese Weise wird sichtbar, dass Konsum nicht grundsätzlich negativ ist, aber unterschiedliche Funktionen erfüllt.

Der erste Textabschnitt sollte sprachlich erschlossen werden, da er anspruchsvolle Begriffe und weitreichende gesellschaftliche Thesen enthält. Begriffe wie Eigentum, Besitz, Konsum, Gebrauch, Kapitalismus, Erwerbsarbeit, Selbstwert und soziale Beziehung können in eigenen Worten erklärt werden. Die Lernenden markieren Behauptungen, Begründungen und Beispiele mit unterschiedlichen Farben. Anschließend prüfen sie, welche Aussagen sie überzeugend finden und welche genauer begründet werden müssten.

Die Behauptung, dass Besitzorientierung Freundschaften und andere Beziehungen beeinträchtige, eignet sich für ein Schreibgespräch. Die Lernenden reagieren schriftlich aufeinander und entwickeln Argumente für und gegen diese These. Dabei können sie zwischen notwendiger Vorsorge, berechtigtem Eigentum, übermäßigem Konsum und einer ausschließlichen Orientierung an materiellem Reichtum unterscheiden. Eine differenzierte Betrachtung verhindert, dass Eigentum pauschal abgewertet wird.

Der Armutsstreit sollte historisch eingeordnet werden. Die Lernenden recherchieren die Entstehung der franziskanischen Bewegung, die Lebensweise des Franziskus von Assisi, das Armutsideal der Orden und die kirchlichen Konflikte über Eigentum und Gebrauch. Dabei ist zu klären, dass freiwillige religiöse Armut nicht mit unfreiwilliger materieller Not gleichgesetzt werden darf. Freiwilliger Verzicht kann Ausdruck einer spirituellen Entscheidung sein, während Armut häufig mit Ausgrenzung, fehlenden Möglichkeiten und gesellschaftlicher Ungerechtigkeit verbunden ist.

Das Prinzip des armen Gebrauchs kann anhand konkreter Gegenstände untersucht werden. Die Lernenden wählen etwa ein Smartphone, ein Kleidungsstück, ein Fahrrad oder ein Buch und überlegen, ob seine Nutzung zwingend persönlichen Besitz voraussetzt. Leihen, Teilen, Tauschen, Reparieren und gemeinschaftliche Nutzung können als Alternativen geprüft werden. Anschließend beurteilen die Lernenden, welche Formen sich im Alltag verwirklichen lassen und wo rechtliche oder praktische Grenzen bestehen.

Die Fragen Giorgio Agambens eignen sich für ein philosophisches Gespräch. Vor der Diskussion formulieren die Lernenden jede Frage in einfacher Sprache. Danach entwickeln sie Beispiele für ein Leben, in dem Menschen Dinge verwenden, ohne sie dauerhaft anzueignen. In der Gesprächsleitung sollte darauf geachtet werden, dass nicht vorschnell eine einheitliche Antwort verlangt wird. Ziel ist die begründete Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Vorstellungen von Eigentum, Freiheit und Verantwortung.

Eine biblische Vertiefung kann über die Erzählung vom reichen Mann in Markus 10,17 bis 27, das Gleichnis vom reichen Kornbauern in Lukas 12,13 bis 21, die Gütergemeinschaft in Apostelgeschichte 2,42 bis 47 oder das Vaterunser erfolgen. Die Lernenden untersuchen, ob Besitz grundsätzlich kritisiert wird oder ob die Texte vor allem vor Habgier, Selbstbezogenheit und fehlender Solidarität warnen. Dabei kann herausgearbeitet werden, dass christliche Ethik Eigentum an seiner sozialen Verantwortung misst.

Das Thema Sucht verlangt eine besonders sensible Gestaltung. Sucht ist ein komplexes Geschehen, das durch biologische, psychische, soziale und gesellschaftliche Faktoren beeinflusst wird. Die im Material hergestellte Verbindung zwischen besitzorientierten Familienmustern und späterem Suchtverhalten sollte als mögliche Erklärung und nicht als eindeutige Ursache behandelt werden. Eine vereinfachende Schuldzuweisung an Familien ist fachlich unangemessen und kann betroffene Lernende belasten.

Die Aufgabe zur Erhebung des persönlichen Alkoholkonsums in der Klasse sollte nicht in der vorgegebenen Form durchgeführt werden. Auch eine anonyme Befragung kann in einer kleinen Lerngruppe Rückschlüsse auf einzelne Personen ermöglichen und sozialen Druck erzeugen. Besser ist die Arbeit mit bereits veröffentlichten und aktuellen statistischen Daten. Die Lernenden können Diagramme auswerten, Konsumgruppen vergleichen und die Aussagekraft einer Statistik beurteilen. Berechnungen zu Alkoholmengen sollten ausschließlich der sachlichen Aufklärung dienen und nicht als Orientierung für vermeintlich unbedenklichen Konsum verstanden werden.

Für die Prävention eignet sich die Arbeit mit erfundenen Fallbeispielen. Die Lernenden untersuchen, woran problematischer Konsum erkannt werden kann, welche Schutzfaktoren es gibt und wo Betroffene Hilfe erhalten. Hilfsangebote sollten vertraulich und ohne persönliche Aufforderung genannt werden. Lernende müssen niemals eigene Erfahrungen mit Alkohol, anderen Suchtmitteln oder Abhängigkeit offenlegen.

Auch die Arbeitssucht sollte differenziert behandelt werden. Ein hohes Arbeitspensum oder besondere Motivation sind nicht automatisch Anzeichen einer Suchterkrankung. Entscheidend sind Kontrollverlust, zwanghaftes Verhalten, die Vernachlässigung anderer Lebensbereiche und gesundheitliche Folgen. Die Lernenden können eine erfundene Fallgeschichte analysieren und Warnzeichen, Folgen sowie Unterstützungsmöglichkeiten benennen.

Die Aufgabe, über gefährdete Menschen aus dem eigenen Bekanntenkreis zu berichten, sollte entfallen. Sie verletzt möglicherweise die Privatsphäre und verleitet zu ungesicherten Diagnosen. Stattdessen können die Lernenden mit fiktiven Personenbeschreibungen arbeiten. Auch eine Selbsteinschätzung zur Arbeitssucht sollte nur freiwillig, vertraulich und nicht im Unterricht ausgewertet werden.

Der Lückentext zur Arbeitssucht kann zur Ergebnissicherung dienen. Anspruchsvoller ist jedoch eine Aufgabe, bei der die Lernenden den Zusammenhang zwischen Selbstwert, Perfektionismus, sozialer Isolation und zwanghaftem Arbeiten selbst erklären. Ein Schaubild kann die Entwicklung als Kreislauf darstellen. Anschließend suchen die Lernenden mögliche Unterbrechungen dieses Kreislaufs, etwa realistische Erwartungen, Pausen, soziale Beziehungen und professionelle Beratung.

Eine produktive Abschlussaufgabe kann in der Entwicklung eines persönlichen oder gemeinschaftlichen Konzepts für einen verantwortlichen Umgang mit Besitz bestehen. Die Lernenden formulieren Grundsätze zum Kaufen, Teilen, Reparieren, Verschenken und Verzichten. Dabei sollen sie religiöse, soziale, ökologische und wirtschaftliche Argumente berücksichtigen. Eine weitere Möglichkeit ist die Planung einer Tauschaktion, eines Reparaturangebots oder einer gemeinschaftlichen Leihsammlung.

Zur abschließenden Urteilsbildung beantworten die Lernenden die Frage, ob Besitz Freiheit ermöglicht oder Abhängigkeit erzeugt. Eine differenzierte Antwort wird erkennen, dass Eigentum Sicherheit, Selbstständigkeit und Handlungsmöglichkeiten bieten kann. Problematisch wird Besitz dann, wenn er den Selbstwert bestimmt, Beziehungen verdrängt oder auf der Ausbeutung anderer Menschen und der Natur beruht. Aus christlicher Perspektive kann das Leben als Gabe verstanden werden, die nicht grenzenlos angeeignet, sondern verantwortlich gebraucht und mit anderen geteilt werden soll.


Didaktisch eignet sich das Material besonders für den kompetenzorientierten Religionsunterricht in der Sekundarstufe, da es lebensweltliche Erfahrungen der Lernenden mit ethisch-theologischen Fragestellungen verknüpft. Methodisch bietet sich ein mehrperspektivischer Zugang an: Zunächst kann ein problemorientierter Einstieg über Leitfragen („Wovon hängt mein Wert ab?“) erfolgen, um die Relevanz des Themas zu aktivieren. Anschließend kann der Text arbeitsteilig erschlossen werden, etwa durch Gruppenarbeit zu den Themen Konsumgesellschaft, Armutsbewegung und Sucht. Die integrierten Diskussionsfragen ermöglichen eine vertiefte Auseinandersetzung mit philosophischen Impulsen (z. B. von Giorgio Agamben) und fördern argumentatives Denken. Reflexive Methoden wie anonymisierte Umfragen oder Selbsttests unterstützen die persönliche Auseinandersetzung und stärken die Urteilskompetenz. Wichtig ist eine sensible Moderation, insbesondere bei Themen wie Sucht oder familiären Prägungen. Abschließend kann eine Transferphase stehen, in der alternative Lebensmodelle (z. B. Minimalismus, solidarisches Wirtschaften) diskutiert und bewertet werden.

Hessen

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Sekundarstufe I | Jahrgangsstufe 9

9G.1a Sehnsucht nach einem erfüllten Leben. Sinn und Lebensglück.

Rheinland-Pfalz

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Sekundarstufe I | Jahrgangsstufe 9

9.2 Nach Gerechtigkeit streben: Gleiche Lebensbedingungen für alle.

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