Das Medium eignet sich für den Religionsunterricht und den Ethikunterricht der Sekundarstufe I, insbesondere für die Jahrgangsstufe 10, wenn Fragen nach Freiheit, Verantwortung, Schuld und menschlicher Selbstbestimmung behandelt werden. Das Video bietet einen verständlichen Zugang zu einer philosophisch anspruchsvollen Problemstellung und ermöglicht es den Lernenden, grundlegende Begriffe wie Determinismus, Kompatibilismus, Willensfreiheit, Handlungsfreiheit, Ursache und Motivation voneinander abzugrenzen. Im Religionsunterricht kann Humes Position darüber hinaus als philosophischer Ausgangspunkt für die Beschäftigung mit dem christlichen Menschenbild dienen. Dabei können Fragen nach der Freiheit des Menschen, seiner Verantwortlichkeit sowie dem Verhältnis von Freiheit, Schuld und moralischer Verantwortung aufgegriffen werden.
Vor der Betrachtung des Videos empfiehlt sich ein problemorientierter Einstieg. Die Lernenden können beispielsweise mit einer Alltagssituation konfrontiert werden, in der eine Person zwischen mehreren Handlungsmöglichkeiten entscheiden muss. Daran anschließend kann die Frage gestellt werden, ob die Entscheidung tatsächlich frei getroffen wurde oder ob Erziehung, Erfahrungen, Charakter, soziale Erwartungen und persönliche Wünsche die Entscheidung bereits bestimmt haben. Eine solche Einstiegsfrage aktiviert vorhandene Vorstellungen von Freiheit und führt unmittelbar zum philosophischen Problem des Determinismus. Die Lernenden können zunächst eine eigene Position formulieren und diese nach der Arbeit mit dem Medium erneut überprüfen.
Während der Betrachtung des Videos sollte ein gezielter Beobachtungsauftrag gestellt werden. Die Lernenden können herausarbeiten, wie Hume die Begriffe Determinismus und Freiheit versteht und unter welchen Bedingungen eine Handlung nach seiner Auffassung als frei bezeichnet werden kann. Besonders wichtig ist die Unterscheidung zwischen einem ursachenlosen Willen und der Möglichkeit, entsprechend dem eigenen Willen zu handeln. Die zentrale Aussage kann von den Lernenden in eigenen Worten formuliert werden: Der Wille eines Menschen kann durch Ursachen bestimmt sein und eine Handlung dennoch frei genannt werden, sofern die Person ihrem eigenen Willen entsprechend handeln kann.
Methodisch bietet sich anschließend die Erstellung eines Begriffsschemas an. Im Zentrum steht der Begriff Freiheit. Diesem können Determinismus, Kompatibilismus, Wille, Ursache, Handlung, innere Ursachen und äußere Ursachen zugeordnet werden. Die Lernenden erläutern anschließend die Beziehungen zwischen den Begriffen. Auf diese Weise wird verhindert, dass der Kompatibilismus lediglich als Definition auswendig gelernt wird. Stattdessen wird die argumentative Struktur von Humes Position sichtbar.
Für eine vertiefende Erarbeitung eignet sich die Untersuchung konkreter Fallbeispiele. Ein Lernender entscheidet sich etwa aufgrund eigener Interessen für ein bestimmtes Schulfach. Eine andere Person wird durch eine Vorschrift daran gehindert, eine gewünschte Handlung auszuführen. In einem weiteren Beispiel entsteht ein Wunsch aufgrund familiärer Erwartungen oder gesellschaftlicher Einflüsse. Die Lernenden beurteilen jeweils, ob nach Humes Verständnis eine freie Handlung vorliegt, und begründen ihre Entscheidung mit Bezug auf seine Freiheitsdefinition. Dadurch wird philosophisches Wissen auf konkrete Situationen übertragen.
Besondere Aufmerksamkeit sollte der im Video angesprochenen Unterscheidung zwischen Willensfreiheit und Handlungsfreiheit gewidmet werden. Die Lernenden können untersuchen, ob eine Person bereits deshalb als frei gelten kann, weil sie tun darf, was sie will. Daran schließt sich die weiterführende Frage an, ob nicht auch der Wille selbst frei sein müsste. Diese Differenzierung ist didaktisch besonders ergiebig, weil sie den Kern der Kritik am Kompatibilismus sichtbar macht. Die Lernenden erkennen, dass Hume das Problem nicht dadurch löst, dass er einen von Ursachen unabhängigen Willen begründet, sondern dadurch, dass er Freiheit anders definiert.
Eine weitere Vertiefung bietet die Frage nach inneren und äußeren Ursachen. Wünsche und Interessen erscheinen zunächst als innere Ursachen einer Handlung. Gleichzeitig können sie durch Familie, Freundeskreis, Schule, gesellschaftliche Erwartungen und Sozialisation geprägt worden sein. Die Lernenden können anhand eigener oder fiktiver Beispiele untersuchen, ob sich innere und äußere Ursachen tatsächlich eindeutig voneinander trennen lassen. Dabei sollte die Auseinandersetzung nicht auf eine vermeintlich richtige Lösung hinauslaufen. Ziel ist vielmehr, philosophische Argumente zu entwickeln, Voraussetzungen offenzulegen und begründete Urteile zu formulieren.
Für den Religionsunterricht bietet sich abschließend eine Verbindung zur Frage nach moralischer Verantwortung an. Wenn menschliche Entscheidungen kausal bestimmt sind, stellt sich die Frage, in welchem Sinn Menschen für ihr Handeln verantwortlich gemacht werden können. Die Lernenden können diskutieren, welche Bedeutung Freiheit für Schuld, Gewissen, Verantwortung und moralisches Handeln besitzt. Auf diese Weise kann Humes philosophische Position mit anthropologischen und ethischen Fragestellungen des Religionsunterrichts verbunden werden.
Prüfungsfragen für eine Klausur in Klasse 10 mit Musterantworten
Aufgabe 1, Operator: Beschreiben
Beschreibe das Problem, das sich aus der Annahme des Determinismus für die menschliche Freiheit ergibt.
Musterantwort:
Der Determinismus geht davon aus, dass Ereignisse durch vorausgehende Ursachen bestimmt sind. Dies betrifft nach einer deterministischen Auffassung auch menschliche Wünsche, Entscheidungen und Handlungen. Dadurch entsteht ein Problem für die Vorstellung von Freiheit. Wenn bereits durch Ursachen festgelegt ist, wie sich ein Mensch entscheidet, erscheint fraglich, ob er tatsächlich frei zwischen verschiedenen Möglichkeiten wählen kann.
Aufgabe 2, Operator: Erklären
Erkläre Humes Verständnis des Kompatibilismus.
Musterantwort:
Hume geht davon aus, dass Determinismus und Freiheit miteinander vereinbar sind. Der menschliche Wille ist nach seiner Auffassung nicht unabhängig von Ursachen. Wünsche, Motive und Entscheidungen entstehen aufgrund bestimmter Ursachen. Trotzdem kann ein Mensch frei handeln. Entscheidend ist für Hume, dass eine Person entsprechend ihrem eigenen Willen handeln kann und nicht daran gehindert wird. Freiheit setzt deshalb keinen ursachenlosen Willen voraus.
Aufgabe 3, Operator: Erläutern
Erläutere den Unterschied zwischen Willensfreiheit und Handlungsfreiheit anhand eines selbst gewählten Beispiels.
Musterantwort:
Willensfreiheit betrifft die Frage, ob ein Mensch seinen Willen selbst frei bestimmen kann. Handlungsfreiheit bezeichnet dagegen die Möglichkeit, entsprechend dem vorhandenen Willen zu handeln. Möchte eine Person beispielsweise ein bestimmtes Fach wählen und kann sie dies ohne Einschränkungen tun, besitzt sie Handlungsfreiheit. Damit ist jedoch noch nicht beantwortet, ob der Wunsch nach diesem Fach selbst frei entstanden ist oder beispielsweise durch Familie, Freunde und bisherige Erfahrungen verursacht wurde.
Aufgabe 4, Operator: Analysieren
Analysiere folgende Situation mithilfe von Humes Freiheitsverständnis: Eine Jugendliche möchte später Medizin studieren. Dieser Wunsch wurde stark durch ihre Familie geprägt. Niemand zwingt sie jedoch dazu und sie kann ihren Berufswunsch selbst verfolgen.
Musterantwort:
Nach Humes Verständnis kann die Jugendliche frei handeln, obwohl ihr Wunsch durch ihre Familie beeinflusst wurde. Der Wunsch nach dem Medizinstudium besitzt damit zwar Ursachen, doch dies widerspricht Humes Freiheitsverständnis nicht grundsätzlich. Entscheidend ist, dass sie entsprechend ihrem eigenen Willen handeln kann und nicht unmittelbar daran gehindert wird. Das Beispiel macht allerdings zugleich die Schwierigkeit deutlich, innere und äußere Ursachen voneinander zu unterscheiden. Ihr eigener Wunsch ist eine innere Motivation, wurde jedoch durch äußere Einflüsse mitgeprägt.
Aufgabe 5, Operator: Vergleichen
Vergleiche ein Verständnis von Freiheit als völlige Unabhängigkeit von Ursachen mit Humes Verständnis von Freiheit.
Musterantwort:
Ein Verständnis von Freiheit als völlige Unabhängigkeit von Ursachen setzt voraus, dass eine freie Entscheidung nicht vollständig durch vorausgehende Bedingungen bestimmt ist. Hume vertritt dagegen die Auffassung, dass auch der menschliche Wille Ursachen besitzt. Für ihn besteht Freiheit darin, entsprechend dem eigenen Willen handeln zu können. Gemeinsam ist beiden Vorstellungen, dass sie erklären wollen, wann menschliches Handeln als frei bezeichnet werden kann. Sie unterscheiden sich jedoch darin, welche Bedeutung die kausale Bestimmung des Willens für die Freiheit besitzt.
Aufgabe 6, Operator: Beurteilen
Beurteile die Aussage: „Wer tun kann, was er will, ist frei.“ Beziehe Humes Position und mindestens einen möglichen Einwand in deine Argumentation ein.
Musterantwort:
Die Aussage entspricht weitgehend Humes Freiheitsverständnis. Eine Person kann nach Hume als frei gelten, wenn sie entsprechend ihrem eigenen Willen handeln kann und nicht daran gehindert wird. Dafür spricht, dass Freiheit im Alltag häufig tatsächlich bedeutet, eigene Wünsche und Entscheidungen verwirklichen zu können. Gegen die Aussage lässt sich jedoch einwenden, dass sie nicht erklärt, wie der Wille selbst entstanden ist. Wünsche können beispielsweise durch Erziehung, Sozialisation und gesellschaftliche Erwartungen geprägt sein. Deshalb hängt die Beurteilung davon ab, ob Freiheit vor allem als Freiheit des Handelns oder zusätzlich als Freiheit bei der Entstehung des eigenen Willens verstanden wird. Unter Humes Definition ist die Aussage überzeugend begründbar, während sie für ein stärkeres Verständnis von Willensfreiheit nicht ausreicht.
Aufgabe 7, Operator: Erörtern
Erörtere, ob ein Mensch moralisch verantwortlich sein kann, wenn sein Wille durch Ursachen bestimmt ist.
Musterantwort:
Für moralische Verantwortung spricht aus kompatibilistischer Perspektive, dass Menschen aufgrund eigener Wünsche, Überzeugungen und Motive handeln können. Auch wenn diese Ursachen besitzen, kann eine Handlung einer Person zugerechnet werden, wenn sie entsprechend ihrem eigenen Willen handelt und nicht unmittelbar gezwungen wird. Dagegen lässt sich einwenden, dass Verantwortung problematisch erscheint, wenn auch der Wille vollständig durch Faktoren bestimmt ist, auf die eine Person keinen Einfluss hatte. Dazu können Erziehung, Sozialisation und frühere Erfahrungen gehören. Die Frage hängt deshalb wesentlich davon ab, welches Freiheitsverständnis zugrunde gelegt wird. Humes Position ermöglicht moralische Verantwortung trotz kausaler Bestimmung, während ein Verständnis von Freiheit als Unabhängigkeit von bestimmenden Ursachen zu einer kritischeren Bewertung führen kann.