Der Artikel beschreibt den zweiten Forschungszyklus des Projekts „Christlich-Islamischer Religionsunterricht im Teamteaching", das im Format der Fachdidaktischen Entwicklungsforschung an österreichischen Schulen durchgeführt wurde. In einer 4. Klasse eines Grazer Gymnasiums führten drei Lehrpersonen (eine katholische, eine evangelische und eine islamische) zwei Doppelstunden im Teamteaching durch, an denen 24 Schüler*innen teilnahmen. Das Unterrichten folgte dem Konzept des „Begegnungslernens" mit den Themen „Heilige Schriften" (erste Einheit) und „Religion im Alltag" sowie „Schöpfungsverantwortung" (zweite Einheit). Die Datenerhebung erfolgte durch teilnehmende Beobachtung und eine reflektierende Gruppendiskussion mit den Lehrpersonen einige Monate nach der Durchführung. Der Analysefokus liegt auf den vier Schritten der Fachdidaktischen Entwicklungsforschung: (I) Spezifizierung und Strukturierung des Lerngegenstands, (II) Designentwicklung, (III) Designexperimente und deren Auswertung, sowie (IV) Entwicklung lokaler Theorien. Zentrale Ergebnisse zeigen: Vertrauensbildende Maßnahmen und inhaltliche Austausche vor dem Teamteaching sind essentiell für gelingende Kooperation. Die Themenwahl sollte alltags- und lebensrelevant sein. Teamteaching wurde von den Lehrpersonen als sehr voraussetzungsreich wahrgenommen und erfordert klare Rollenverteilungen und gegenseitiges Vertrauen. Eine Ko-Konstruktion im Sinne eines echten Miteinanders erforderte zunächst Anleitung durch das Forschungsteam und entwickelte sich erst im Verlauf der Unterrichtssequenzen. Hinsichtlich der Schüler*innenbeteiligung zeigten sich überraschend positive Ergebnisse: Die Schüler*innen beteiligten sich aktiv und öffneten sich bereit, ihre persönlichen religiösen Praktiken und Überzeugungen zu teilen. Besonders auffallend war die hohe Beteiligung von konfessionsfreien Schüler*innen. Interkonfessionelle Unterschiede zwischen katholischem und evangelischem Christentum traten in den Hintergrund, während interreligiöse Unterschiede zwischen Christentum und Islam stärker wahrgenommen wurden. Die Lehrpersonen bestätigten frühere Thesen zur Bedeutung der Rahmenbedingungen, der Vorbereitungsphase und vertrauensvoller Zusammenarbeit. Neue Aspekte umfassen die Erkenntnisse zu interkonfessionellen vs. interreligiösen Differenzen sowie die Einbindung konfessionsfreier Schüler*innen. Der Beitrag schließt mit der Formulierung weiterentwickelter lokaler Theorien für eine Didaktik religionskooperativer Lehr-/Lernprozesse im Teamteaching.