RU-digitalRU-digital-logo
1 Bild
Religionspädagogische BeiträgeAngela Quartermaine

Religionspädagogische Beiträge,

Angela Quartermaine

Umgang mit Kontroversen in britischen Klassenzimmern

Veröffentlichung:1.5.2019

Der Artikel reflektiert empirische Daten aus sechs Fallstudien zu Wahrnehmungen von Schülerinnen und Schülern sowie Lehrkräften bezüglich Terrorismus in britischen Sekundarschulen. Im Fokus stehen die Verbindungen, die Lernende zwischen Religion und Terrorismus herstellen, sowie die Komplexität der Diskussion dieses kontroversen Themas im Schulkontext unter den Vorgaben der Prevent-Strategie.

Products

Die Studie untersucht, wie britische Lehrkräfte und Schülerinnen und Schüler das Thema Terrorismus wahrnehmen und diskutieren. Hintergrund ist die britische Prevent-Strategie von 2011, die Schulen eine zentrale Rolle bei der Prävention von Radikalisierung zuweist. Spätere Dokumente (2015, 2023) verpflichten Schulen sogar zu aktiver Terrorismusbekämpfung. Die Autorin führte sechs Fallstudien in Warwickshire durch und befragte 12 Lehrkräfte und 264 Schülerinnen und Schüler mittels Umfragen und Gruppeninterviews. Die Forschungsfragen richteten sich auf Schülerwahrnehmungen von Terrorismus, mögliche Verbindungen zur Religion sowie Einflussfaktoren durch Schulen und Lehrkräfte. Die Analyse nutzte Foucaults Theorien zu Wissensproduktion und Macht-Wissen-Dynamiken. Zentrale Ergebnisse zeigen, dass Schülerinnen und Schüler Terrorismus häufig mit Bomben und Gewalt assoziieren. Etwa ein Drittel verband es mit religiösen Konzepten; 140 von 264 Schülern sahen Religion als Hauptmotivation. Allerdings nutzten sowohl Lehrkräfte als auch Schülerinnen und Schüler Begriffe wie „Stereotyp", „Missverständnis" oder „Extremismus", um Distanz zu diesen Verbindungen zu schaffen. Die Analyse enthüllte "Momente des Schweigens" – eine Macht-Wissen-Dynamik, die zeigt, dass das Thema Unbehagen verursacht. Schülerinnen und Schüler manipulierten ihre Diskurse, um nicht rassistisch oder terrorismusfreundlich zu wirken. Lehrkräfte äußerten Sorgen, dass Schüler Islam mit Terrorismus gleichsetzen, und versuchten, solche Wahrnehmungen zu korrigieren. Ein zentrales Dilemma liegt darin, dass Lehrkräfte gleichzeitig offene Diskussionen fördern und Risiken überwachen sollen – eine widersprüchliche Anforderung. Die bekannte Meldungspflicht führt dazu, dass Schülerinnen und Schüler weniger offen sprechen, was die Surveillance-Funktion gefährdet. Die Autorin argumentiert, dass trotz Prevent-Anforderungen ein Fokus auf Gemeinschaftskohäsion, Menschenrechte und kritisches Denken hilfreicher wäre als Überwachung, da die überwiegende Mehrheit junger Menschen nie mit Terrorismus in Berührung kommt.

Wir nutzen Cookies auf unserer Website. Einige von ihnen sind essenziell, während andere uns helfen, diese Website und Ihre Erfahrung zu verbessern Datenschutz.