Der Beitrag beschreibt ein Seminar zur Förderung medienpädagogischer Kompetenzen im Umgang mit Heterogenität im Religionsunterricht. Ausgangspunkt ist die Frage, inwiefern digitale Medien eine erfolgversprechende Strategie darstellen, um heterogenen Strukturen in religiösen Lerngruppen gerecht zu werden. Das Seminar wurde 2018-2020 an der Universität Augsburg im Rahmen des LeHet-Projekts (Förderung der Lehrerprofessionalität im Umgang mit Heterogenität) mehrfach durchgeführt. Der Artikel skizziert zunächst die theoretischen Grundlagen: medienpädagogische Kompetenzen werden als fünf Teilkompetenzen definiert (Medienkompetenz, mediendidaktische, medienerziehende, sozialisationsbezogene Kompetenz und Schulentwicklungskompetenz). Als Bezugsmodelle dienen das ICAP-Rahmenmodell (Qualität der Aktivierung von Lernenden) und das SAMR-Modell (Funktionen digitaler Medien). Im Heterogenitätskontext werden übergeordnete Dimensionen berücksichtigt: kognitive Leistungsfähigkeit, Geschlecht und Alter, ergänzt durch religionsspezifische Aspekte wie religiöse Sozialisation und Vorwissen. Das praktische Seminarverfahren umfasst: Erproben verschiedener digitaler Tools (LearningApps, Puppet Pals, kahoot! etc.), Konzeption konkreter heterogenitätssensibler Lerneinheiten und deren Durchführung in einer Schule, Aufzeichnung und Analyse der Unterrichtsstunden mittels Video-Vignetten sowie Reflexionsgespräche und schriftliche Evaluation. Die Ergebnisse zeigen: Studierende entwickeln durch praktische Erprobung und Unterrichtstätigkeit medienpädagogische Kompetenzen, gewinnen Bewusstsein für Heterogenitätsdimensionen und erkennen das Motivationspotenzial digitaler Tools. Allerdings wird der zeitliche Aufwand für die Konzeption digitaler Unterrichtsbausteine kritisch reflektiert. Der Artikel resümiert, dass gezielter Medieneinsatz eine didaktische Bereicherung darstellen kann, um individuelle Lernbedürfnisse zu berücksichtigen. Zukünftige Forschung sollte die explorativen Beobachtungen empirisch validieren.