Der Artikel von Florian Brustkern behandelt die wachsende Bedeutung erlebnispädagogischer Elemente im Kontext religiöser Bildung. Der Autor dokumentiert, dass erlebnispädagogische Momente zunehmend in religionspädagogische Praxisfelder Eingang finden, sich diese Entwicklung jedoch weitgehend unbedacht von wissenschaftlicher Theoriebildung vollzieht. Die Publikationen zum Thema sind heterogen und zerstreut über verschiedene Kontexte (Praxishandbücher, spezifische Bildungskontexte, didaktische Zuschnitte), ohne systematische Konzeptionierung. Das forschungsleitende Interesse besteht darin, den Diskurs um Erlebnispädagogik und religiöse Bildung kriteriengestützt zu konturieren. Methodologisch nutzt der Autor die diskursanalytische Perspektive, die sowohl eine inhaltliche Kartographierung des Forschungsfelds als auch eine Analyse der Genese und Zirkulation von Sinnzusammenhängen und Wertsetzungen ermöglicht. Die theoretische Grundlage bildet die wissenssoziologische Diskursanalyse nach Rainer Keller, welche Wissen nicht als abstrakte Datensammlung, sondern als Produkt eines Aushandlungsprozesses versteht. Die Analyse berücksichtigt sowohl inhaltliche Kategorien (Deutungsmuster, Klassifikationen, Phänomenstrukturen) als auch die materiale Diskursgestalt. Erste Sondierungen des Datenkorpus zeigen die heterogene Struktur des Diskurses religiöser Erlebnispädagogik. Zentral ist das häufig genannte, aber wenig fundierte Bildungsziel der „ganzheitlichen Glaubensvermittlung", das mit kausalen Zusammenhängen, Wertimplikationen und Handlungsmöglichkeiten arbeitet. Ein spezifisches Bibelverständnis kristallisiert sich häufig in der Frage „Was sagt die Bibel zur Erlebnispädagogik?" Das jesuanische Handeln wird dabei als erlebnisorientiert und handlungsbetont interpretiert. Deutungsmuster verstehen Lernende als religiös empfängliche Wesen, und das Postulat der Ganzheitlichkeit wird verhandelt. Der Artikel plädiert für eine perspektivisch-produktive Diskursentwicklung, die bisherige erlebnispädagogische Entfaltungen im Horizont religiöser Bildung in einen konstruktiven Dialog einbezieht und Erlebnispädagogik wissenschaftlich fundiert als religiöses Bildungsformat etabliert. Dabei sind weitere Aspekte virulent, insbesondere die begriffliche und konzeptionelle Klärung des zugrunde gelegten Verständnisses religiöser Bildung.