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Religionspädagogische BeiträgeNorbert Mette

Religionspädagogische Beiträge,

Norbert Mette

Transformative Bildung als praktizierte Solidarität angesichts globaler Krisen

Veröffentlichung:1.5.2019

Der Artikel argumentiert, dass transformative Bildung nicht erst eine Aufgabe angesichts aktueller Krisen ist, sondern dass pädagogisches Handeln konstitutiv eine transformatorische Struktur aufweist. Anhand der Theorien von Helmut Peukert, Paulo Freire und Papst Franziskus werden die Grundlagen einer Bildung dargelegt, die auf intersubjektiver Kreativität, kritischer Bewusstseinsbildung und universaler Solidarität basiert.

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Der Artikel behandelt transformative Bildung als Antwort auf globale Krisen wie Klimawandel, soziale Spaltung und Rüstungswettlauf. Der Autor zeigt, dass transformatives pädagogisches Handeln nicht eine von außen herangetragene Aufgabe ist, sondern der Struktur von Erziehung und Bildung selbst innewohnt. Im ersten Hauptteil wird Helmut Peukerts Konzept der „intersubjektiven Kreativität" analysiert. Peukert argumentiert, dass die moderne Rationalität, die auf Machtsteigerung und Verfügung über die Natur abzielt, selbstwidersprüchlich und selbstdestruktiv ist. Dagegen setzt er ein radikaleres Verständnis von Aufklärung, das auf die Existenzerhellung des Menschen zielt und die Verwirklichung echter Freiheit in gegenseitiger Anerkennung anstrebt. Pädagogisches Handeln muss nach Peukert eine Ethik intersubjektiver Solidarität zugrunde legen, die darauf zielt, mögliche Freiheit real werden zu lassen. Die Transformation vollzieht sich als dialektischer Prozess, in dem Krisen zur Entwicklung neuer Fähigkeiten führen. Im zweiten Teil wird Paulo Freires Konzept der „kritischen Bewusstseinsbildung" dargestellt. Freire betont, dass menschliches Sein radikal unabgeschlossen und offen für Neues ist. Bildung ist für ihn ein sozialer Prozess, der in dialogischer Beziehung zwischen Subjekten stattfindet. Durch die „problematisierende Methode" werden Lernende befähigt, vorgegebenes Wissen kritisch zu befragen und gemeinsam Befreiungsmöglichkeiten von Unterdrückung zu erschließen. Freire warnt vor der „Ethik des Marktes" und dem Neoliberalismus, die den Traum von einer besseren Welt zerstören. Im dritten Teil wird Papst Franziskus' Bildungspakt vorgestellt, der Erziehung als Hoffnungsakt versteht, der gegen deterministische und fatalistische Theorien angeht. Der Papst fordert, dass Bildungssysteme neue Horizonte entwickeln, die auf Gastfreundschaft, Generationensolidarität und Transzendenz gründen. Er charakterisiert Soziale Bewegungen als „soziale Poeten", die Ungerechtigkeit in neue Möglichkeiten verwandeln. Alle drei Autoren teilen den Ausgangspunkt, „an die Ränder des Daseins zu gehen, um die Welt so zu sehen, wie sie ist". Der Artikel schließt mit der These, dass es angesichts der Lage um einen ethischen Bewusstseinssprung geht und dass pädagogische Fachkräfte dabei eine besondere Verantwortung tragen.

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