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Religionspädagogische BeiträgeUlrich KropačWolfgang Nastainczyk

Religionspädagogische Beiträge,

Ulrich Kropač,

Wolfgang Nastainczyk

"Greifbare, nachweisliche Wirkungsgeschichte"

Veröffentlichung:1.5.2019

Das Interview führt Ulrich Kropač mit Wolfgang Nastainczyk, einem der Berater der Würzburger Synode (1971–1975), anlässlich des 40-jährigen Jubiläums des Synodenbeschlusses „Der Religionsunterricht in der Schule". Nastainczyk zieht eine positive Bilanz: Der Beschluss habe eine „greifbare, nachweisliche Wirkungsgeschichte" entfaltet und das Selbstverständnis des deutschen Religionsunterrichts bis heute geprägt. Als historischen Kontext beschreibt Nastainczyk die kirchliche Aufbruchsstimmung der 1970er-Jahre, die jedoch von erheblichen Verunsicherungen begleitet war – besonders durch die 68er-Bewegung, Abmeldewellen vom Religionsunterricht und linke Forderungen nach Abschaffung des Faches. Genau dieser externe Druck sei eine wesentliche Triebfeder gewesen, den schulischen Religionsunterricht konzeptionell neu zu bestimmen. Zur Entstehungsgeschichte betont Nastainczyk den kollaborativen, ergebnisoffenen Charakter des Prozesses: Die Texte entstanden aus lebendigen Diskussionen in ad hoc gebildeten Untergruppen, als intellektueller Spiritus Rector gilt Günter Lange. Inhaltlich hebt das Gespräch die konvergenztheoretische Begründung sowie den diakonischen Aspekt als besondere konzeptionelle Leistungen hervor. Nastainczyk konstatiert eine bis heute bestehende Spannung zwischen der katechetisch orientierten Sichtweise des kirchlichen Lehramts und dem schulpädagogischen Wirklichkeitssinn des Synodenbeschlusses.

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Das Zeitzeugengespräch zwischen Ulrich Kropač und Wolfgang Nastainczyk beleuchtet Entstehung, Inhalt und Wirkungsgeschichte des Würzburger Synodenbeschlusses „Der Religionsunterricht in der Schule" (1973/74) aus der Perspektive eines unmittelbar Beteiligten. Nastainczyk, von 1967 bis 1997 Ordinarius für Religionspädagogik an der Universität Regensburg, war als Berater in die Würzburger Synode berufen worden und bewertet den Synodenbeschluss als außerordentlich wirkungsmächtig: Anders als viele andere Synodentexte habe er eine anhaltende Prägekraft auf das Selbstverständnis des deutschen Religionsunterrichts entfaltet. Den kirchengeschichtlichen Kontext der 1970er-Jahre charakterisiert Nastainczyk durch zwei gegenläufige Entwicklungen: eine lebendige Aufbruchsstimmung im deutschen Katholizismus einerseits und massive Anfechtungen von außen andererseits – insbesondere durch die 68er-Bewegung und politische Forderungen nach Abschaffung des Schulfaches Religion. Diese äußeren Anfragen seien nicht Hemmnis, sondern Motor der konzeptionellen Neubestimmung gewesen. Der Entstehungsprozess verlief bewusst offen und kollaborativ: Texte entstanden in ad hoc gebildeten Untergruppen ohne offizielle Vorlagen, wurden mehrfach verworfen und überarbeitet, wobei sich Günter Lange als führender Kopf profilierte. Theologisch flossen Ideen von Karl Rahner und Paul Tillich organisch in die Diskussionen ein, ohne dass deren Texte direkt zitiert wurden. Konzeptionell hervorgehoben werden das Konvergenzmodell – das Religionsunterricht an der Schnittstelle von religiöser Überlieferung und Lebenswirklichkeit der Schülerinnen und Schüler verortet – sowie die erstmalige Beschreibung des Religionsunterrichts unter diakonischem Aspekt, die Nastainczyk als besonders zukunftsfähig einschätzt. Abschließend benennt er eine bis heute ungelöste Spannung zwischen dem katechetisch-lehramtlichen Religionsunterrichtsverständnis (exemplarisch: Benedikt XVI.) und dem schulpädagogisch-realitätssensiblen Ansatz des Synodenbeschlusses – und plädiert für eine Vermittlung zwischen kirchlichem Glaubenswissen und den Fragen der Menschen von heute.

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