Wie bereiten Dozierende in der islamischen Religionslehrer*innenausbildung angehende Lehrkräfte auf interreligiöse Dialoge vor? Der vorliegende Artikel untersucht diese zentrale Frage durch eine qualitative Studie mit elf Expertinneninterviews an deutschen Universitäten. Im Fokus stehen die Vorannahmen und Überzeugungen von Hochschullehrenden zur religiösen Pluralität – jene grundlegenden Mindsets, die ihre Lehrtätigkeit prägen und letztlich die Vorbereitung der Studierenden maßgeblich strukturieren.
Der Forschungsgegenstand erweist sich als besonders relevant: Die Kernlehrpläne mehrerer Bundesländer schreiben vor, dass angehende Religionslehrer*innen ihre Schüler*innen zur „interreligiösen Dialog- und Urteilsfähigkeit" befähigen sollen. Doch wie diese komplexe Aufgabe in der Hochschullehre konkret umgesetzt wird, bleibt oft unterbelichtet. Das Problem liegt strukturell vor: Es gibt keinen übergreifenden Rahmen für die Lehre zu anderen Weltreligionen in der islamischen Religionslehrer*innenbildung. Dozierende müssen selbstverantwortlich entscheiden, wie sie religiöse Pluralität thematisieren und welche Perspektiven sie dabei einnehmen.
Die Studie nutzt das Konzept der Mindsets nach Martin Harant, um diese unbewussten und bewussten Vorverständnisse sichtbar zu machen. Mindsets werden hier als überindividuelle, emotional aufgeladene Denkformen verstanden, die zwar von einzelnen Personen übernommen werden, aber übergeordnete Muster darstellen. Sie wirken wie Filter – sowohl bewusst als auch unbewusst – auf die Konzeption und Durchführung von Lehrveranstaltungen.
Methodisch nutzt die Arbeit theoriegenerierende Experteninterviews, die es ermöglichen, implizite Handlungsorientierungen, Deutungswissen und Entscheidungsmaximen der Lehrenden zu explorieren. Die aufgezeichneten und transkribierten Interviews wurden dann mittels qualitativer Inhaltsanalyse nach Mayring ausgewertet. Aus dieser Analyse ergaben sich drei generalisierbare Mindsets zu religiöser Pluralität, die überindividuell bei den interviewten Dozierenden festgestellt wurden. Parallel dazu identifizierte die Studie konkrete Herausforderungen im interreligiösen Dialog auf Hochschulebene sowie deren Implikationen für die Lehre.
Der Artikel leistet damit wichtige Grundlagenarbeit: Er macht transparent, welche impliziten Überzeugungen die hochschuldidaktische Praxis in der islamischen Religionslehrer*innenbildung strukturieren, und schafft damit eine Basis für reflektierte Weiterentwicklung.