Die Digitalisierung wurde mit großen Hoffnungen verbunden – der freie Zugang zu Wissen für alle sollte eine globale Wissensgesellschaft ermöglichen. Doch die Realität sozialer Medien zeigt ein anderes Bild: Algorithmen und Geschäftsmodelle fördern die Bildung von Filterblasen, in denen sich Nutzer selbstverstärkend in ihren eigenen Überzeugungen bestätigt finden. Der Artikel analysiert dieses Phänomen des „confirmation bias" anhand konkreter Beispiele wie der US-Präsidentschaftswahl 2016 und der Pandemie-Berichterstattung. Dabei offenbaren sich gesellschaftliche Spaltungen, die nicht nur auf unterschiedliche Meinungen, sondern auf fundamentale Unterschiede in der Konstruktion von Realität selbst hindeuten.
Der Text wirft die Frage auf, wie theologisches und religionspädagogisches Handeln in dieser Situation multipler Realitätskonstruktionen antworten kann. Als analytisches Werkzeug wird der soziologische Begriff der Kontingenz eingeführt – die Idee, dass etwas weder zwingend notwendig noch unmöglich ist, sondern kontingent, also anders möglich. Dies könnte, so die These, Religionspädagogen helfen, in einer fragmentierten Gesellschaft Räume zu schaffen, in denen verschiedene Weltbilder aufeinandertreffen, ohne dabei gesellschaftliche Kohärenz zu gefährden. Der Artikel verbindet damit eine kritische Diagnose digitaler Kommunikationsprozesse mit theologischen Perspektiven auf Pluralität und gegenseitiges Verstehen.