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TheoWebMaike Schult

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Maike Schult

Ins Schwimmen geraten: Kirche im konfessionslosen Kontext

Veröffentlichung:1.5.2026

Eine Kirche wird zum Schwimmbad – die Geschichte der Petrikirche in St. Petersburg zeigt, wie politische Umbruch und Verfolgung religiöses Leben auslöschen. Ein Plädoyer für zeitgeschichtlich informierte theologische Ausbildung.

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Die lutherische Petrikirche am Nevskij-Prospekt in St. Petersburg ist weit mehr als ein architektonisches Zeugnis: Sie verkörpert die wechselvolle Geschichte der deutschen Gemeinde in Russland vom 18. Jahrhundert bis zur Gegenwart. Der Beitrag nutzt diese Kirche als Ausgangspunkt für eine grundsätzliche Reflexion über religiöse Bildung in Zeiten von Konfessionslosigkeit. Seit ihrer Gründung 1710 war die Petrigemeinde das kulturelle und spirituelle Zentrum der deutschsprachigen Bevölkerung St. Petersburgs. Das 1833 erbaute Kirchengebäude des Architekten Aleksandr Brjullov entwickelte sich zur größten lutherischen Kirche des Russischen Reichs mit über 20.000 Mitgliedern um 1900. Die Kirche war nicht isoliert, sondern Teil eines Ensembles aus renommiertem Gymnasium, Bibliothek und diakonischen Einrichtungen – ein Ort, an dem Glaube, Kultur und Bildung eng miteinander verflochten waren. Der Erste Weltkrieg, die Oktoberrevolution und besonders die Stalinsche Verfolgung zerstörten dieses Gemeindeleben systematisch. Am Heiligabend 1937 wurde die Kirche geschlossen, die letzten Pastoren 1938 hingerichtet. In der sowjetischen Zeit folgte die schließlich destruktive Transformation: Das Gebäude wurde zum Schwimmbad umgebaut, die Innenausstattung demoliert, bedeutende Kunstwerke verschwanden. Der Autor verknüpft diese Zeitgeschichte mit aktuellen Fragen der Religionspädagogik und plädiert dafür, dass die universitäre theologische Ausbildung Konfessionslosigkeit stärker als bislang berücksichtigen sollte. Nur durch eine engere Vernetzung von Praktischer Theologie und Zeitgeschichte können zukünftige Pastorinnen und Pastoren verstehen lernen, wie religiöses Leben entsteht, blüht – und auch zerstört wird.

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