Erklärfilme sind aus der schulischen Medienwelt nicht mehr wegzudenken – besonders seit der Corona-Pandemie. Doch wie erzählen religionsbezogene Erklärfilme von Glaubenspraktiken, Religionen und theologischen Inhalten? Der vorliegende Beitrag analysiert diese Frage aus erzähltheoretischer Perspektive und zeigt dabei ein zentrales Spannungsverhältnis auf: Während gute Storytelling-Techniken – humorvolle Zeichnungen, subjektive Perspektiven, emotionale Musik und Identifikationsfiguren – Schülerinnen und Schüler fesseln und zum Lernen motivieren, führen sie gleichzeitig zu Vereinfachungen und Verzerrungen der religiösen Wirklichkeit. Der Grundsatz „Erklären ist gut, erzählen ist besser!" kann dazu führen, dass Orthodoxie und Orthopraxie überrepräsentiert werden, während plurale Praktiken, historische Zusammenhänge und theologische Differenzierungen in Kurzfilmformaten untergehen.
Das Frankfurter Lehrprojekt relithek.de bietet hier einen innovativen Lösungsansatz: Seit 2018 lernen angehende Lehrkräfte und Pfarrerinnen sowie Pfarrer unter Leitung von Laura Philipp und Anke Kaloudis nicht nur die handwerklichen Schritte der Filmproduktion, sondern werden auch geschult, die didaktischen Möglichkeiten und Grenzen religionsbezogener Erklärfilme kritisch zu reflektieren. Die Zusammenarbeit mit Expertinnen und Experten anderer Religionen während des Produktionsprozesses ermöglicht es den Studierenden, Stereotypisierungen zu erkennen und komplexere Darstellungen zu entwickeln. Der Beitrag präsentiert konkrete erzähltheoretische Analysekategorien, die sich auf Elemente des Digital Storytelling beziehen – von dramatischen Fragen über emotionale Präsentation bis zur gezielten Wissensverteilung – und zeigt anhand von Beispielfilmen auf, wie diese Techniken funktionieren. So werden Lehrkräfte, Gemeindepädagoginnen und -pädagogen sowie Studierende befähigt, Erklärfilme sowohl als Lernmedium sinnvoll einzusetzen als auch ihre Grenzen zu verstehen.