Digitale Medien und Inklusion sind zwei zentrale Herausforderungen des zeitgemäßen Religionsunterrichts – doch bislang werden sie in der wissenschaftlichen Diskussion meist getrennt behandelt. Ein neues Forschungsvorhaben setzt hier an und entwickelt eine adaptive digitale Lernumgebung speziell für den inklusiven Religionsunterricht der Grundschule. Im Fokus steht die Exoduserzählung als biblisches Narrativ, die alle Schüler*innen – unabhängig von ihren Lernvoraussetzungen – auf individuellen Wegen erkunden können.
Das Besondere des Ansatzes: Das System arbeitet mit vier prototypischen Lerntypen und dynamischen Niveaustufen, die sich während des Lernprozesses adaptiv anpassen. Eine ausgefeilte Bewertungslogik kombiniert automatisierte Auswertungen mit pädagogischen Einschätzungen durch die Lehrkraft, um jedem Kind gerecht zu werden. Dabei wird Durchlässigkeit gewährleistet – niemand sitzt in einer Schublade fest.
Methodisch folgt das Projekt einem Design-Based-Research-Ansatz, der Praxisoptimierung und Theorieentwicklung gleichzeitig verfolgt. Über mehrere Erprobungsphasen hinweg werden die Lernprozesse beobachtet, Interviews mit Lehrkräften geführt und Lernergebnisse analysiert.
Didaktisch verankert sich die Lernumgebung in konstruktivistischen Prinzipien und förderst gezielt Deutungs-, Wahrnehmungs- und Gestaltkompetenzen. Zentral ist die Verknüpfung von Text- und Lebenswelt: Die Schüler*innen sollen verstehen, dass biblische Texte verdichtete Glaubenserzählungen sind, und diese auf ihr eigenes Leben beziehen können. Erklärvideos vermitteln sozialgeschichtlichen Kontext, vierfach differenzierte Texte ermöglichen allen Zugang. Besonders wichtig: Trotz individualisierter Förderung arbeiten alle am gleichen Lerngegenstand und haben Raum für gemeinsames Lernen im Plenum und kooperative Phasen in Kleingruppen. Analoge Aufgaben, Bildschirmpausen und die Förderung von Sozialkompetenz sind integraler Bestandteil – ein ganzheitlicher Ansatz, der die Spannung zwischen Individualisierung und Gemeinschaft produktiv nutzt.