Die Jahrestagung 2017 der Gesellschaft für wissenschaftliche Religionspädagogik an der Universität Wien widmete sich dem Themenfeld Migration, Religion und Bildung – ein Gegenstand von anhaltender gesellschaftlicher Brisanz. Der Text dokumentiert, wie die Migrationsbewegungen seit 2015 erhebliche Herausforderungen für das deutschsprachige Bildungswesen mit sich gebracht haben. Mehr als 40 Prozent der 1,3 Millionen Asylantragsteller in Deutschland seit 2015 fallen in das schulrelevante Alter, was insbesondere die berufliche Bildung massiv belastet hat. Dabei nimmt Religion in diesem Kontext eine besondere Rolle ein: Während sprachliche Defizite bei neu angekommenen Schülerinnen und Schülern überwunden werden müssen, bringen viele von ihnen – mehrheitlich muslimischen Hintergrunds – eine deutlich stärkere religiöse Prägung mit als ihre deutschen Mitschüler oder Lehrkräfte. Dies stellt für viele Lehrende verschiedenster Fachrichtungen eine Herausforderung dar, auf die religionspädagogische Unterstützung bislang nur unzureichend antwortet. Der Tagungstext plädiert dafür, Migration nicht nur als situative Krise zu betrachten, sondern als Grundmoment gesellschaftlichen Wandels. Die sogenannte „postmigrantische Gesellschaft" ist längst Realität: In Deutschland hat über ein Fünftel der Bevölkerung einen Migrationshintergrund, in Wien statistisch die Hälfte. Deshalb sollte Religionspädagogik Migration als Strukturmerkmal verstehen, das zentrale Kategorien wie Pluralität, Heterogenität und Identitätsbildung neu prägt. Die Tagung verband bewusst beide Perspektiven: das Außergewöhnliche der rezenten Flüchtlingsbewegungen mit dem Alltäglichen der etablierten Migrationsgesellschaft. Sie versammelte führende Expertinnen aus Erziehungswissenschaft, Theologie und Religionspädagogik zu interdisziplinärer Reflexion.