Der Beitrag widmet sich dem bislang unterbelichteten Zusammenhang von Migration und Religion aus einer erziehungswissenschaftlichen Perspektive. Die Autorin argumentiert analytisch und nicht normativ, indem sie sowohl eine historische als auch eine gegenwartsbezogene Sicht einnimmt. Zentral ist ihre wissenschaftstheoretische Verortung: Sie nutzt einen Ethnizitätsbegriff nach Max Weber, der Religion, Nationalität, Sprache und Kultur als ineinander verschränkte Differenzkategorien begreift – nicht als objektive Unterschiede, sondern als sozial relevante Differenzen, die „einen Unterschied machen". Diese Kategorien sind immer eingebettet in spezifische historische, gesellschaftliche und politische Kontexte. Der Beitrag widerspricht der in der Religionspädagogik verbreiteten These, dass Religion in der Erziehungswissenschaft vernachlässigt werde. Insbesondere in der Migrationsforschung sei Religion durchaus relevant, wie die Rekonstruktion zentraler historischer Topoi zeigt – von der „katholischen Arbeitertochter vom Land" über die „fremde Frau" bis zum „muslimischen Migrantensohn aus der Großstadt". Diese figurieren implizite und explizite Bezugnahmen auf Religion zu verschiedenen Zeitpunkten und prägen die erziehungswissenschaftlichen Migrationsdebatten erheblich. Der Beitrag stellt zudem einen neu etablierten interdisziplinären Forschungsverbund an der Goethe-Universität Frankfurt vor, der religiöse Positionierungen in jüdischen, christlichen und islamischen Kontexten untersucht. Der methodologische Zugang macht deutlich: Ein angemessenes Sprechen über Erziehung und Bildung ist ohne Berücksichtigung der jeweiligen historischen und politischen Kontexte nicht möglich.