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Regina PolakTheoWeb

Regina Polak,

TheoWeb

Migration als Thema und Aufgabe der (Praktischen) Theologie – eine römisch- katholische Perspektive

Veröffentlichung:1.5.2026

Die Katholische Kirche sieht in Migration weit mehr als ein soziales Problem: einen theologischen Erkenntnisort, der bis in die biblischen Wurzeln reicht. Wie Flucht und Vertreibung zur Gnadenerfahrung werden können.

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Migration ist für die römisch-katholische Kirche weit mehr als eine soziale Herausforderung – sie ist ein theologischer Reflexionsort von zentraler Bedeutung. Der Artikel erschließt die offiziellen kirchlichen Positionen und ihre tiefgreifenden theologischen Grundlagen. Papst Franziskus hat 2016 ein eigenes Dikasterium gegründet, das sich unter seiner persönlichen Leitung Migration, Flucht und verwandte Themen widmet. Diese Institutionalisierung setzt eine jahrzehntelange Tradition fort: Bereits 1970 gründete Papst Paul VI. die erste päpstliche Kommission zu Migrationsfragen. Zentrale Dokumente wie die Instruktion „Erga migrantes caritas Christi" (2004) begründen das kirchliche Engagement nicht primär mit Nächstenliebe, sondern mit der Pflicht zu einer gerechten Weltordnung und dem Teilen der Erdengüter. Die Autorin entfaltet, wie die Kirche Migration als „Zeichen der Zeit" deutet – als geschichtliche Wirklichkeit, in der Gottes Zuspruch und Anspruch erkannt werden können. Dies ist keine naive oder zynische Position, sondern gründet in der praktischen Erfahrung des kirchlichen Engagements und vor allem in der biblischen Tradition selbst. Denn das Alte Testament entstand maßgeblich im Kontext von Flucht, Exil, Deportation und Leben unter imperialer Unterdrückung. Migration ist nicht nur Thema biblischer Texte, sondern deren theologiegenerativer Ort – der Ort, an dem biblische Theologie überhaupt entsteht. Der ethische Monotheismus Israels wurde durch Migrationsphänomene geprägt. Das Neue Testament greift diese Migrationshermeneutik auf. Der Beitrag macht deutlich, dass zeitgenössische theologische Forschung und pastorale Praxis die Aufgabe haben, angesichts heutiger Migrationskrisen alternative Narrative zu dominierenden gesellschaftspolitischen und medialen Deutungen zu entwickeln – Narrative der Hoffnung, die im Handeln wahrnehmbar werden.

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