Für den Religionsunterricht eignet sich das Medium besonders für eine Unterrichtsreihe zu Migration, Fremdsein, christlicher Verantwortung, Menschenwürde, Barmherzigkeit oder sozialem Handeln der Kirche. Die sechs Schritte können je nach Lerngruppe ausgewählt, gekürzt oder vertieft werden. Das Material selbst sieht eine Umsetzung in einer oder zwei Doppelstunden vor. Für eine vertiefte religionspädagogische Bearbeitung empfiehlt sich jedoch eine längere Unterrichtsreihe, weil die Verbindung von gesellschaftlicher Analyse, Biografiearbeit, Bibelarbeit und ethischer Urteilsbildung Zeit benötigt. Als Einstieg eignet sich die vorgeschlagene Bildcollage besonders gut. Lernende betrachten Fotografien von Menschen mit Migrationserfahrungen und formulieren zunächst Wahrnehmungen, Eindrücke und Fragen. Leitfragen wie „Was ist auf diesen Bildern zu sehen?“, „Wie wirken die Bilder auf euch?“ oder „Wo könnten wir diesen Menschen begegnen?“ eröffnen einen lebensweltbezogenen Zugang. Methodisch sollte zunächst konsequent zwischen Beobachtung und Interpretation unterschieden werden. So können Lernende erfahren, wie schnell aus einem sichtbaren Merkmal Annahmen über Herkunft, Religion oder Lebensgeschichte entstehen. Die Bildarbeit lässt sich deshalb zugleich für eine kritische Auseinandersetzung mit Vorurteilen und Fremdzuschreibungen nutzen. Anschließend kann das Vorwissen der Lernenden mit Fragen nach Gründen, Folgen und persönlichen Auswirkungen von Migration gesammelt werden. Die Ergebnisse können auf einem Plakat oder an der Tafel festgehalten und am Ende der Unterrichtsreihe erneut aufgegriffen werden. Für die sachliche Grundlegung ist das Glossar des Mediums hilfreich. Es unterscheidet unter anderem Migration, Flucht, Asyl sowie verschiedene Ursachen und erläutert Push Faktoren und Pull Faktoren. Die Begriffsarbeit kann arbeitsteilig erfolgen. Lernende formulieren die Definitionen zunächst mit eigenen Worten und entwickeln anschließend Beispiele. Dies fördert nicht nur Sachkompetenz, sondern auch einen bewussten und differenzierten Sprachgebrauch. Die Beschäftigung mit Ursachen von Migration kann darauf aufbauend über die Kategorien Krieg, wirtschaftliche Not, politische und religiöse Verfolgung, soziale Gründe und individuelle Gründe erfolgen. Besonders wichtig ist dabei, Migration nicht auf einzelne Ursachen zu reduzieren. Die Lernenden sollten erkennen, dass persönliche Entscheidungen häufig aus einem Zusammenspiel gesellschaftlicher, politischer, wirtschaftlicher und individueller Bedingungen entstehen. Einen spezifisch religionspädagogischen Schwerpunkt bietet der dritte Schritt des Mediums zur Migration in der Bibel. Die Lernenden untersuchen ausgewählte Bibelstellen und ordnen Formen der Migration sowie Push Faktoren und Pull Faktoren zu. Vorgeschlagen werden unter anderem Gen 12 bis 21, Gen 37 bis 50, Ex 2, Mt 2,13 bis 15, Mt 25,31 bis 40, Lk 10,25 bis 37 und Hebr 13,1 bis 3. Methodisch kann dies als arbeitsteilige Bibelarbeit gestaltet werden. Jede Gruppe erschließt eine Geschichte unter den Fragen: Warum verlässt ein Mensch seine Heimat? Welche Ängste und Hoffnungen bestimmen den Aufbruch? Welche Erfahrungen werden in der Fremde gemacht? Welche Rolle spielt Gott? Welche Konsequenzen ergeben sich für den Umgang mit Fremden? Die Ergebnisse können anschließend in einer gemeinsamen Tabelle oder einer Wandzeitung zusammengeführt werden. Dadurch wird sichtbar, dass Migration, Flucht, Fremdheit, Aufbruch und die Suche nach Heimat grundlegende Motive biblischer Erzählungen sind. Besonders Mt 2,13 bis 15 ermöglicht einen unmittelbaren Zugang zur Fluchterfahrung der Heiligen Familie. Das Material deutet die Erzählung zugleich unter den Gesichtspunkten von Verfolgung, Schutz, Gottvertrauen und Hoffnung. Im nächsten Schritt können konkrete Lebensgeschichten von Menschen aus Mittel, Ost und Südosteuropa mit den zuvor erarbeiteten biblischen Erfahrungen in Beziehung gesetzt werden. Hierfür schlägt das Medium eine Galeriemethode vor. Interviews, Bilder, Länderinformationen und Karten werden im Raum verteilt. Die Lernenden bewegen sich durch die Ausstellung, lesen und betrachten die Materialien und halten wesentliche Informationen fest. Diese Methode bietet sich besonders an, weil Migration dadurch nicht nur als abstraktes politisches Thema erscheint, sondern mit konkreten Menschen, Familien und Lebensentscheidungen verbunden wird. Im Anschluss können die Lernenden Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen den gegenwärtigen Biografien und den biblischen Erzählungen herausarbeiten. Sensibilität ist erforderlich, wenn Lernende der Klasse selbst Migration oder Flucht erlebt haben. Persönliche Erfahrungen können freiwillig eingebracht werden, dürfen aber nicht eingefordert werden. Einen weiteren religionspädagogischen Schwerpunkt bildet die Beschäftigung mit der Tätigkeit der Kirche und den Werken der Barmherzigkeit. In kleinen Gruppen können Lernende Beispiele kirchlicher Arbeit untersuchen und danach fragen, welche Botschaft die Kirche vermittelt, wie sie Menschen unterstützt und wo Barmherzigkeit konkret sichtbar wird. Die traditionellen Werke wie Fremde aufnehmen, Hungrige speisen und Kranke besuchen werden dabei mit modernen Werken der Barmherzigkeit verbunden, beispielsweise „Du gehörst dazu“, „Ich höre dir zu“, „Ich gehe ein Stück mit dir“ und „Ich teile mit dir“. Didaktisch besonders wertvoll ist die Übertragung auf die Lebenswelt der Lernenden. Sie können konkrete Situationen aus Schule, Freundeskreis, Gemeinde oder Wohnort sammeln und überlegen, was es dort bedeutet, einen Menschen aufzunehmen, ihm zuzuhören oder ihm Zugehörigkeit zu vermitteln. Damit führt der Unterricht von der Analyse zur Handlungsorientierung. Zum Abschluss sollte die Leitfrage aus Mt 25,35 erneut aufgenommen werden: Was bedeutet „Ich war fremd, und ihr habt mich aufgenommen“ heute? Das Material schlägt hierfür eine Reflexion der eigenen Lebenswelt sowie die Entwicklung konkreter Handlungsmöglichkeiten vor. Lernende können gemeinsam Ideen für Politik, Kirche, Schule und das persönliche Handeln entwickeln und daraus ein „ABC des Zusammenlebens“ gestalten. Auf diese Weise verbindet das Medium Sachkompetenz, Bibelkompetenz, Perspektivübernahme, ethische Urteilsbildung und Handlungskompetenz. Die Lernenden setzen sich nicht nur mit der Frage auseinander, warum Menschen ihre Heimat verlassen, sondern reflektieren aus christlicher Perspektive, wie Fremden begegnet werden kann und welchen eigenen Beitrag sie zu einem menschenwürdigen Zusammenleben leisten können.
Der Einstieg gelingt über das Sammeln von Bildern vor und nach der Migration in Wegrecherche oder aus dem beigefügten Material. Zu den Bildern werden Adjektive gesammelt. Dann wird über angegebene Impulsfragen zu Migration und Migrationsgründen das Vorwissen der Lernenden aktiviert und erfasst. Zusätzlich werden auf einer Landkarte im Material Migrationsgebiete ermittelt. In einem weiteren Schritt wird der Begriff Migration definiert. Eine Tabelle erfasst Gründe und diesen werden Beispielländer zugeordnet. Die kann auch als Webrecherche erfolgen. Als Lehrermaterial wird eine ausgefüllte Tabelle angeboten. Im nächsten Schritt wird der biblische Bezug über sechs Textfragmente hergestellt. Auch hierzu wird eine vorgegebene Tabelle ausgefüllt. Bibelstelle, Art der Migration, Push- und Pullfaktoren wie Angst vor Verfolgung oder Frieden im Heimatland sowie Bezug zu Gottes Wirken werden eingetragen. In einem nächsten Schritt wird eine parallele zwischen biblischer Migration und heutiger Migration erarbeitet. Dies gelingt über eine Tabelle oder Mindmap zur Migration aus Osteuropa. Dazu werden Namen, Beispiele, Lebenssituationen, Formen der Migration, Pullfaktoren und Pushfaktoren ermittelt. 14 Lebensläufe und Migrationsgeschichten zeigen alle Teilthematiken auf. Die Materialien zu diesen Beispielen befinden sich in dem zweiten angegebenen Link. In einem weiteren Schritt werden Hilfsbeispiele der katholischen Kirche erarbeitet. Dazu sind kurze Texte und Bilder enthalten, die in Kleingruppen ausgewertet werden. Zudem wird ein Bezug zu den Werken der Barmherzigkeit hergestellt. Die Sieben Werke werden mit heutigen sieben Werken in einer Tabelle verbunden. In einem letzten Schritt wird zur Vertiefung und erneuten Reflexion eine To Do Liste für soziale Akteuren erstellt, um Migranten zu helfen. Daraus wird ein Plakat als ABC des Zusammenlebens gestaltet. Auch eine Webrecherche mit Kurzreferaten zu bestehenden Aktionen ist möglich. Abschließend wird in einem Blitzlicht der eigene Lernfortschritt kurz formuliert.
Material als ausdruckbare Folien oder für Powerpoint: https://www.renovabis.de/site/assets/files/3993/alle_materialien_2017.pdf