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Mirjam SchambeckTheoWeb

Mirjam Schambeck,

TheoWeb

Migration und interreligiöses Lernen im Religionsunterricht – Die Schule als Labor und Lernfeld für ein neues gesellschaftliches Miteinander

Veröffentlichung:1.5.2026

Wie kann Religionsunterricht ein Labor für friedliches Zusammenleben werden? Ein Beitrag zeigt anhand von Forschungen mit geflüchteten Jugendlichen, wie Religion in Integrationsprozessen tatsächlich funktioniert – und räumt damit mit vereinfachten Debatten auf.

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Erzwungene Migration stellt Schulen und Religionsunterricht vor neue Aufgaben. Der vorliegende Beitrag argumentiert, dass Schulen als Labore und Lernfelder fungieren können, um ein friedliches gesellschaftliches Miteinander mit kulturellen und religiösen Unterschieden einzuüben. Im Gegensatz zu sozialwissenschaftlichen Standardansätzen wird Religion hier nicht als Integrationshemmnis, sondern als bedeutsamer Faktor in Integrationsprozessen beleuchtet. Der Fokus liegt auf erzwungener Migration – also auf Menschen, die zur Flucht gezwungen wurden – sowie auf Jugendliche in allgemeinbildenden und beruflichen Schulen. Zentral ist die Unterscheidung zwischen System-Integration (Zugang zu Arbeit, Wohnung, Bildung) und Sozial-Integration (Anerkennung, Zugehörigkeitsgefühl, Zusammenhalt), wobei der Beitrag die weicheren Faktoren der Sozial-Integration in den Mittelpunkt rückt. Die empirische Grundlage bildet ein videobasiertes Unterrichtsforschungsprojekt mit geflüchteten Jugendlichen. Der Beitrag zeigt zunächst, wie sich der Religionsplural in Deutschland durch die Fluchtbewegungen seit 2015 gesteigert und ausdifferenziert hat – neben muslimischen Schülerinnen und Schülern sind nun auch orthodoxe Christinnen und Christen stärker präsent. Gleichzeitig wird eine problematische Entwicklung sichtbar: Geflüchtete werden zunehmend mit dem Islam gleichgesetzt und mit Islamismus konnotiert, was zu verzerrten öffentlichen Debatten führt. Ein Forschungsprojekt zur Identitätskonstruktion jugendlicher Geflüchteter offenbart differenzierte Muster, wie Religion in Integrationsprozessen funktioniert: Von der bewussten Privatisierung von Religion bis hin zu Religion als stabilisierendem „Wir-Gefühl" in der Fremde. Diese empirischen Einsichten ermöglichen es, den gesellschaftlichen Integrationsdiskurs zu differenzieren und religionspädagogische Konsequenzen für interreligiöses Lernen zu formulieren.

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