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Oliver ReisNaciye Kamçılı-YıldızTheoWebNaciye Kamcili-YildizAndreas Kubik

Oliver Reis,

Naciye Kamçılı-Yıldız,

TheoWeb,

Naciye Kamcili-Yildiz,

Andreas Kubik

Projektvorstellung

Veröffentlichung:1.5.2026

Ein Forschungsprojekt untersucht, wie Lehrende an Hochschulen religiöse Vielfalt unterrichten – und findet eine unbequeme Diskrepanz zwischen Theorie und Praxis: Während Schulen von angehenden Religionslehrkräften differenzsensible Praktiken erwarten, vermittelt die Hochschullehre oft nur Grundwissen und oberflächliche Dialoge.

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Wie werden religiöse Differenzen in der Hochschullehre tatsächlich bearbeitet? Ein Forschungsprojekt der Universitäten Paderborn und Osnabrück ist dieser Frage systematisch nachgegangen – mit überraschenden Ergebnissen. Im Fokus standen die Mindsets von Lehrenden in interreligiösen Modulen der christlichen Religionslehrer*innenausbildung an sechs Hochschulen in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen. Die Studie baut auf einem Vorgängerprojekt zur islamischen Religionslehrer*innenbildung auf, das zeigte: Lehrveranstaltungen zu anderen Religionen konzentrieren sich häufig auf die Vermittlung religionskundlichen Grundwissens und formale Dialoge, die auf Gemeinsamkeiten abheben. Selten werden differenzsensible Positionen entwickelt oder die fremde Religion zum eigentlichen Lernort gemacht – obwohl Schulen genau das von angehenden Lehrkräften erwarten. Diese Lücke zwischen hochschulischen Lernmöglichkeiten und schulischen Anforderungen ist ein zentrales Problem. Das Anschlussprojekt untersucht, wie sich diese Herausforderung in der christlichen Religionslehrer*innenbildung zeigt und welche strukturellen Besonderheiten sie prägt. Zwischen März und Oktober 2021 wurden acht Dozierende befragt, ihre Seminarsitzungen videographiert und Studierende interviewt. Mit Inhaltsanalyse und praxistheoretischen Verfahren rekonstruierten die Forschenden die impliziten und expliziten Überzeugungen der Lehrenden – ihre Mindsets zur religiösen Pluralität und zur guten Lehre. Das Ziel war nicht, Lehre zu bewerten, sondern die Lehrkultur zu beschreiben, strukturelle Herausforderungen zu verstehen und nachzuvollziehen, wie Lehrende auf sie reagieren. Die Ergebnisse dieser empirischen Untersuchung bilden einen wichtigen Baustein für eine Hochschullehre, die sich „auf der Höhe der gegenwärtigen interreligiösen Theoriebildung" bewegt – die also lehrt, wie man Ambiguität in multiperspektivischen Positionen aushält und sich angesichts bleibender Differenzen begründet positioniert. In dieser Ausgabe von Theo-Web werden die Forschungsergebnisse in mehreren Beiträgen präsentiert: von der Analyse der Lehrenden-Mindsets über die Verbindung von Mindsets und Lehrqualität bis zur praxistheoretischen Betrachtung konkreter Seminarinteraktionen. Abschließend werden „blinde Flecken" des interreligiösen Lernens reflektiert und die Befunde mit gesamtgesellschaftlichen Transformationsprozessen verbunden.

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