Der Creditionen-Ansatz von Hans-Ferdinand Angel liegt vor als ehrgeiziges Konzept, das einen zentralen theologischen Begriff – den Glauben – psychologisch und neurowissenschaftlich neu formuliert. Dieser Beitrag nimmt diesen Ansatz aus religionspsychologischer Perspektive unter die Lupe und fragt, welche analytische Kraft er tatsächlich entfaltet. Die Analyse zeigt: Der Creditionen-Ansatz deckt sich in seiner Erklärungskraft weitgehend mit dem etablierten psychologischen Konzept der „Einstellung", leistet aber einen eigenständigen Beitrag, indem er das ambivalent eingestufte psychologische Phänomen Glaube für die Wissenschaft nachvollziehbar macht. Dabei versteht Angel Creditionen als eine dritte psychologische Grundfunktion neben Kognitionen und Emotionen – als die Fähigkeit des Menschen, aus konkurrierenden Orientierungsressourcen subjektiv tragfähige Sinnmuster auszuwählen und ihnen eine schlüssige Wahrhaftigkeit zuzuschreiben. Mathematisch modelliert über eine bayessche Wahrscheinlichkeitslogik beschreibt der Ansatz, wie irritierende Wahrnehmungen („clum") mit vorhandenen emotionalen und sachlichen Überzeugungssystemen abgeglichen werden. Innovativ ist die Ausstattung dieser Überzeugungen mit vier Dimensionen: proposition, degree of certainty, color of emotion und emotional loading. Diese ermöglichen es, den emotional aufgeladenen und subjektiv überzeugenden Charakter von Glauben präzise zu beschreiben. Der Beitrag zeigt zugleich, dass der hohe Anschluss des Creditionen-Ansatzes an neurowissenschaftliche Diskurse neue Forschungsperspektiven eröffnet. Für die religionspädagogische Forschung wird dessen Nutzen allerdings entscheidend davon abhängen, ob es gelingt, ihn in psychometrisch abgesicherte empirische Messinstrumente zu übersetzen.