Wie formiert sich das Sprechen von Schüler*innen im Ethik- und Religionsunterricht, wenn diese Fächer kooperieren? Der Beitrag verfolgt diese Frage aus einer foucaultschen diskursanalytischen Perspektive und wendet sich dabei gegen eine unkritische Romantisierung von Schülerdialogen im Kooperationsdiskurs. Statt davon auszugehen, dass Kooperationsformate automatisch zu besserer Kommunikation führen, werden drei exemplarische Szenarien einer kritischen Analyse unterzogen: das Lernen in sogenannten Fächergruppen, lerngruppenbezogenes „Othering" und interreligiöse Begegnungspädagogik. Der zentrale theoretische Zugriff erfolgt über das Konzept der „Sprechposition" – jene vorgeformten Positionen, von denen aus Lernende innerhalb unterrichtlicher Diskurse Äußerungen hervorbringen können oder sollen. Die Analyse zeigt, welche problematischen Beschränkungen und Ausschlüsse mit diesen „Äußerungsmodalitäten" verbunden sind. Sie betreffen sowohl die Zuwendung der Lernenden zur Sache des Lernens als auch ihre Beziehungen untereinander. Der Beitrag dokumentiert zunächst die Marginalität des Themas in der ethikdidaktischen Forschung und zeichnet zwei historische Entwicklungslinien nach: von einer eng religionskundlich fokussierten Bildung hin zu einer umfassenderen, verstehenden Auseinandersetzung mit Religion. Diese Verschiebung ergibt sich aus neuen Annahmen zur Bildungsbedeutsamkeit religiöser Rationalität. Dadurch entsteht jedoch auch eine neue Dringlichkeit, Kooperationsformate kritisch zu reflektieren – nicht als bloße Realisierung pädagogischer Ideale, sondern als Prozesse der Formierung von Lernendenpositionen, die untersucht und hinterfragt werden müssen.