Seit knapp einem Jahrzehnt produzieren große Lebensmitteleinzelhändler wie Edeka, Aldi und Penny aufwendige Weihnachtswerbespots, die weit mehr sind als bloße Produktankündigungen. Diese cineastisch anspruchsvollen Kurzfilme, die vielfach millionenfach angeklickt werden – der Edeka-Spot „#heimkommen" erzielte knapp 70 Millionen Aufrufe – haben sich zu einem eigenen Genre entwickelt. Der Artikel analysiert dieses Phänomen als Reaktion auf gegenwärtige Säkularisierungstendenzen: Während Kirchenmitgliedschaften sinken, werden diese Spots zu Orten einer „Wiederverzauberung der Welt", die dem Weihnachtsfest eine neue Sinnstiftung verleiht – allerdings eine, die in Konkurrenz zur biblischen Weihnachtsbotschaft tritt. Der Beitrag bietet zunächst einen Überblick über die populärsten Spots und arbeitet aus psychologischer, soziologischer und wirtschaftswissenschaftlicher Perspektive heraus, wie diese funktionieren: Sie betreiben Markenwerbung statt Produktwerbung, setzen auf Emotionalisierung statt Argumentation und nutzen cineastische Mittel wie dunkle Lichtsetzung und komponierte Soundtracks, um tiefe Gefühle zu generieren. Die dahinter liegende konsistente Botschaft wird dann analysiert, bevor abschließend Herausforderungen und Chancen für den Ethik- und Religionsunterricht erörtert werden – eine bislang fachdidaktisch unbeleuchtete, aber hochrelevante Thematik für schulische Bildung.