Frankreich und die USA gelten als Vorbilder säkularer Staaten – und doch haben beide Länder in den vergangenen drei Jahrzehnten Religion in ihre öffentlichen Schulen zurückgeholt. Dieser Artikel untersucht in einer transatlantischen Vergleichsstudie, wie und warum säkular verfasste Demokratien „Unterricht über Religion" als legitimes pädagogisches Anliegen neu bewerteten. Seit den 1980er Jahren wurden in französischen und amerikanischen Sekundarschulen akademische, vergleichende Kurse zu Religionen eingeführt – nicht aus Glaubensgründen, sondern um religiöse Vielfalt in der Schule zu bewältigen und ein Modell für die „gute" Steuerung von Religion in der säkularen Gesellschaft zu fördern. Der Autor argumentiert, dass dies eine „zivilisierte Pluralität" widerspiegelt: Der moderne Staat engagiert sich aktiv mit Religion, um religiöse Differenzen zu regulieren und gesellschaftliche Konflikte zu vermeiden. Dabei wird deutlich, dass die klassischen Konzepte von „Trennung" oder „Neutralität" zwischen Staat und Religion zu vereinfacht sind. Stattdessen zeigt sich ein komplexes Wechselspiel zwischen säkularen und religiösen Sphären. Der Artikel verortet diese Entwicklung in Habermas' Konzept der „postsäkularen Bewusstsein" – der Erkenntnis, dass Religion trotz säkularer Verfasung weiterhin öffentliche Relevanz besitzt. Religionspädagogik wird hier als politisches Instrument zur Kultivierung von „Religionskompetenz" als Bürgerfähigkeit analysiert. Die kritische Perspektive des Beitrags zeigt jedoch, dass solche inclusive Lehrpläne in politisierten Kontexten keineswegs unpolitisch sind.