Queere Theologie ist bislang ein blinder Fleck in der Religionspädagogik – obwohl sie erhebliches Potenzial für einen inklusiveren Religionsunterricht birgt. Der vorliegende Beitrag erschließt dieses Potenzial erstmals systematisch, indem er von den Lebenserfahrungen queerer Schüler*innen ausgeht. Diese erleben Schule häufig als Ort der Diskriminierung und des Nicht-Gesehen-Werdens. Das Konzept des „Minority Stress" verdeutlicht die zusätzliche psychische Belastung, die queere Jugendliche durch die heteronormative Gesellschaft erfahren – eine Belastung, die den Schulalltag erheblich prägt. Der Autor zeigt auf, dass auch der Religionsunterricht von Heteronormativität durchdrungen ist: In Lehrwerken wird Zweigeschlechtlichkeit und Heterosexualität als selbstverständliche Norm behandelt, während geschlechtliche und sexuelle Vielfalt bestenfalls als Sonderthema marginalisiert wird. Anhand von drei religionsdidaktischen Thesen wird entwickelt, wie queere Theologie diese heteronormativen Strukturen dekonstruieren kann. Am Modell der Inklusiven Religionspädagogik der Vielfalt wird schließlich skizziert, wie eine diversitätsbewusste und machtkritische Religionspädagogik gestaltet werden kann – eine, die Kontextualität ernst nimmt und queeren Schüler*innen Raum für Anerkennung ihrer Identität bietet. Der Beitrag verbindet dabei theoretische Grundlagen mit praktischen Perspektiven für eine transformative religiöse Bildung.