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Deutsche Welle Glaubenssachen

Deutsche Welle Glaubenssachen

Wie politisch soll oder darf eine Predigt sein?

Veröffentlichung:19.4.2026

Das Audio behandelt die politische Predigt als umstrittenes und zugleich bedeutsames Phänomen christlicher Verkündigung. Es zeigt, dass Predigten immer wieder öffentliche Debatten auslösen, wenn sie aktuelle gesellschaftliche Konflikte, Machtmissbrauch, Krieg, Ungerechtigkeit oder Menschenrechte thematisieren. Der Text entfaltet historische Linien von Jesus über Reformation, Nationalismus, Nationalsozialismus, Bürgerrechtsbewegungen und Befreiungstheologie bis zu aktuellen Beispielen wie Patriarch Kyrill, christlichem Nationalismus in den USA und Oscar Romero. Dabei wird deutlich, dass politische Predigt sowohl befreiend und prophetisch als auch gefährlich, vereinfachend und manipulierend sein kann.

Das etwa zwanzig Minuten lange Audio „Wie politisch soll oder darf eine Predigt sein?“ aus der Reihe „Glaubenssachen“ von NDR Kultur beschäftigt sich mit einer alten und zugleich aktuellen Streitfrage. Der Theologe Johann Hinrich Claussen untersucht, was unter einer politischen Predigt verstanden werden kann und weshalb entsprechende Predigten häufig öffentliche Auseinandersetzungen hervorrufen. Ausgangspunkt ist die Beobachtung, dass über gewöhnliche Gottesdienste nur selten öffentlich gesprochen wird. Sobald eine Predigt jedoch als politisch wahrgenommen wird, entstehen Debatten über ihren Auftrag und ihre Grenzen. Das Audio entfaltet unterschiedliche Antworten aus der Geschichte des Christentums und verbindet diese mit theologischen Überlegungen. Im Mittelpunkt steht die Spannung zwischen der Verkündigung des Evangeliums, der Verantwortung gegenüber der Gesellschaft, der Freiheit der Predigt und der Gefahr parteipolitischer Vereinnahmung. Das Medium zeigt, dass Predigten nicht losgelöst von gesellschaftlichen Verhältnissen entstehen. Zugleich stellt es die Frage, wann eine Predigt notwendige Orientierung bietet und wann sie politische Positionen mit dem Anspruch göttlicher Wahrheit versieht.

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Das Audio eignet sich besonders für den Religionsunterricht in der Sekundarstufe II. Einzelne Abschnitte können auch in höheren Klassen der Sekundarstufe I verwendet werden, wenn zentrale Begriffe vorab geklärt werden. Das Medium lässt sich in Unterrichtsreihen zu Kirche und Staat, christlicher Verantwortung, prophetischer Rede, Gewissen, Demokratie, politischer Ethik oder zur gesellschaftlichen Aufgabe der Kirche einsetzen. Es fördert die Fähigkeit, religiöse und politische Aussagen zu unterscheiden, Argumente zu prüfen und ein begründetes Urteil über die öffentliche Rolle von Religion zu entwickeln.

Als Einstieg kann die Lehrkraft zwei gegensätzliche Aussagen präsentieren: „Eine Predigt darf niemals politisch sein“ und „Eine Predigt muss politisch sein, wenn Menschenwürde und Gerechtigkeit bedroht werden“. Die Lernenden ordnen sich zunächst auf einer gedachten Linie zwischen beiden Aussagen ein. Sie begründen ihre Position, ohne bereits eine endgültige Entscheidung treffen zu müssen. Nach der Arbeit mit dem Audio wird die Aufstellung wiederholt. Dadurch werden Lernprozesse und mögliche Veränderungen im Urteil sichtbar.

Vor dem Hören sollten die Begriffe Predigt, Politik, Partei, Gesellschaft, Verkündigung und prophetische Kritik geklärt werden. Besonders wichtig ist die Unterscheidung zwischen politisch und parteipolitisch. Politisch kann eine Predigt bereits dann sein, wenn sie Fragen des Zusammenlebens, der Gerechtigkeit, der Menschenwürde oder der Verteilung von Macht anspricht. Parteipolitisch wird sie, wenn sie unmittelbar für eine bestimmte Partei, Person oder politische Organisation wirbt. Diese Unterscheidung verhindert eine vorschnelle Gleichsetzung von gesellschaftlicher Verantwortung und parteilicher Werbung.

Beim ersten Hören erhalten die Lernenden einen offenen Beobachtungsauftrag. Sie notieren die zentrale Frage, wichtige Begriffe und Aussagen, denen sie zustimmen oder widersprechen möchten. Beim zweiten Hören können arbeitsteilige Aufträge vergeben werden. Eine Gruppe achtet auf historische Beispiele, eine zweite auf theologische Argumente, eine dritte auf Gefahren politischer Predigten und eine vierte auf mögliche Aufgaben der Kirche. Anschließend werden die Ergebnisse zusammengetragen und nach Aussage, Begründung und Beispiel geordnet.

Da das Audio eine historische und theologische Orientierung anbietet, empfiehlt sich eine ergänzende Arbeit mit biblischen Texten. Geeignet sind die Sozialkritik des Propheten Amos, die Forderungen Jesajas, Jesu Rede vom Reich Gottes, die Tempelreinigung, das Gleichnis vom barmherzigen Samariter, die Aussage über Kaiser und Gott sowie die Forderung des Paulus, staatliche Ordnungen zu achten. Die Lernenden untersuchen, welche gesellschaftlichen Folgen aus diesen Texten entstehen und ob die Texte als politisch bezeichnet werden können. Dabei wird deutlich, dass biblische Botschaften häufig konkrete Verhältnisse berühren, ohne sich einfach einem heutigen Parteiprogramm zuordnen zu lassen.

Für die historische Vertiefung können Beispiele kirchlicher Rede in unterschiedlichen politischen Systemen herangezogen werden. Möglich sind Predigten während des Nationalsozialismus, Stellungnahmen aus der Bekennenden Kirche, die Bedeutung kirchlicher Räume in der Deutschen Demokratischen Republik, Predigten aus der Bürgerrechtsbewegung in den Vereinigten Staaten oder kirchliche Äußerungen zu Frieden, Armut, Flucht und Klimaverantwortung. Die Lernenden prüfen jeweils Anlass, Adressaten, biblische Bezüge, politische Wirkung und mögliche Risiken. Dabei sollte deutlich werden, dass Schweigen ebenfalls politische Folgen haben kann.

Eine Fallanalyse ermöglicht den Transfer auf aktuelle Fragestellungen. Die Lernenden erhalten eine fiktive Predigt, in der eine Pfarrperson zu Krieg, Migration, sozialer Ungleichheit oder Klimaschutz Stellung nimmt. Sie markieren religiöse Aussagen, ethische Wertungen, politische Forderungen und parteiliche Zuspitzungen. Danach beurteilen sie, welche Aussagen zum Auftrag einer Predigt gehören und an welchen Stellen Grenzen überschritten werden könnten. Entscheidend ist, dass die Bewertung anhand transparenter Kriterien erfolgt.

Gemeinsam kann ein Kriterienkatalog für verantwortliche politische Predigten entwickelt werden. Eine solche Predigt sollte biblisch und theologisch begründet sein, die Würde jedes Menschen achten, unterschiedliche Perspektiven wahrnehmen, überprüfbare Tatsachen von Werturteilen unterscheiden, Widerspruch ermöglichen und auf pauschale Abwertungen verzichten. Sie sollte nicht behaupten, eine konkrete politische Entscheidung sei unmittelbar der Wille Gottes. Zugleich darf sie Unrecht nicht verschweigen und sollte Menschen zur verantwortlichen Urteilsbildung ermutigen.

Methodisch eignet sich auch eine strukturierte Diskussion mit Rollen. Mögliche Rollen sind eine Pfarrperson, ein Kirchenmitglied, eine politisch engagierte Person, eine Person ohne religiöse Bindung, ein Mitglied des Kirchenvorstands und eine Person, die von einer politischen Entscheidung unmittelbar betroffen ist. Die Lernenden entwickeln aus ihrer jeweiligen Perspektive Erwartungen an eine Predigt. In der Auswertung wird untersucht, welche Interessen, Ängste und Hoffnungen hinter den Positionen stehen.

Eine Schreibaufgabe kann das Hörverstehen mit eigener Urteilsbildung verbinden. Die Lernenden verfassen einen kurzen Kommentar zur Frage, ob eine Predigt politisch sein darf. Sie müssen darin eine These, zwei Argumente, ein Gegenargument und ein begründetes Urteil formulieren. Eine anspruchsvollere Aufgabe besteht darin, eine kurze Predigtpassage zu einem gesellschaftlichen Thema zu schreiben. Anschließend prüfen die Lernenden gegenseitig, ob die Texte theologisch begründet, sachlich angemessen und frei von parteipolitischer Werbung sind.

Als Abschluss kann ein Urteilsquadrat genutzt werden. Die vier Felder lauten notwendig, erlaubt, problematisch und unzulässig. Verschiedene Aussagen oder Beispiele werden den Feldern zugeordnet. Die Lernenden müssen ihre Entscheidung begründen und auf Einwände reagieren. Dadurch wird sichtbar, dass die Frage nicht mit einem einfachen Ja oder Nein beantwortet werden kann. Vielmehr hängt die Bewertung vom Inhalt, von der Begründung, von der Sprache und von der jeweiligen gesellschaftlichen Situation ab.


Didaktisch kann der Text dazu beitragen, das Vorurteil aufzubrechen, Religion sei ausschließlich Privatsache. Lernenden erkennen, dass religiöse Rede immer in konkrete gesellschaftliche Zusammenhänge eingebettet ist und dass christliche Botschaften von Gerechtigkeit, Frieden, Menschenwürde und Schuld nicht folgenlos bleiben. Methodisch bietet sich eine arbeitsteilige Texterschließung an, bei der Gruppen unterschiedliche Beispiele politischer Predigt untersuchen und nach Chancen, Gefahren und theologischen Begründungen fragen. Besonders fruchtbar ist ein Vergleich zwischen problematischen Formen politischer Predigt, die Feindbilder erzeugen oder Gott für eigene Interessen vereinnahmen, und verantwortlichen Formen, die Gewissen schärfen, Hoffnung stiften und zur Gewaltlosigkeit mahnen. Lernenden können Kriterien für eine gelungene politische Predigt entwickeln, etwa Sachlichkeit, biblische Fundierung, Selbstkritik, Offenheit für Gegenargumente, Schutz der Menschenwürde und Verzicht auf populistische Vereinfachung. Der Abschnitt zu Oscar Romero eignet sich als vertiefendes Fallbeispiel, weil hier sichtbar wird, wie Predigt angesichts von Gewalt und Unterdrückung zur Stimme der Sprachlosen werden kann, ohne ihren geistlichen Charakter zu verlieren. Möglich sind auch kreative Zugänge, etwa das Verfassen einer kurzen Predigt zu einem aktuellen Thema, eine Pro und Contra Debatte zur Frage, ob Predigten politisch sein dürfen, oder eine Analyse rhetorischer Mittel in ausgewählten Textpassagen. So fördert das Medium religiöse Urteilskompetenz, ethische Reflexion und politische Bildung im Horizont christlicher Verantwortung.


Frage 1: Was ist eine Predigt? Eine Predigt ist die öffentliche Auslegung einer biblischen oder religiösen Botschaft innerhalb eines Gottesdienstes. Sie verbindet den Glauben mit Fragen des persönlichen und gesellschaftlichen Lebens und möchte Orientierung, Trost, Ermutigung oder Kritik vermitteln.

Frage 2: Was bedeutet politische Predigt? Eine politische Predigt greift Fragen des öffentlichen Zusammenlebens auf. Dazu gehören Menschenwürde, Frieden, Gerechtigkeit, Macht, Armut, Freiheit und Verantwortung. Sie ist nicht automatisch Werbung für eine Partei.

Frage 3: Warum lösen politische Predigten häufig Streit aus? Menschen besitzen unterschiedliche politische Überzeugungen und erwarten Verschiedenes von einem Gottesdienst. Manche wünschen sich gesellschaftliche Orientierung, andere einen geschützten Raum ohne politische Auseinandersetzungen. Zudem besteht die Sorge, dass religiöse Autorität zur Unterstützung bestimmter Interessen benutzt wird.

Frage 4: Ist jede Predigt politisch? Nicht jede Predigt behandelt ausdrücklich politische Themen. Dennoch können religiöse Aussagen politische Wirkungen entfalten. Wer über Gerechtigkeit, Nächstenliebe, Menschenwürde oder Frieden spricht, berührt Fragen des gesellschaftlichen Zusammenlebens.

Frage 5: Worin unterscheiden sich politisch und parteipolitisch? Politisch bezeichnet die Beschäftigung mit dem gemeinsamen Leben und der Gestaltung der Gesellschaft. Parteipolitisch bedeutet die unmittelbare Unterstützung einer bestimmten Partei oder Kandidatur. Eine Predigt darf politische Verantwortung thematisieren, sollte aber keine parteiliche Wahlempfehlung geben.

Frage 6: Warum kann eine Predigt nicht vollständig unpolitisch sein? Der christliche Glaube enthält Aussagen über Menschenwürde, Gerechtigkeit, Schutz der Schwachen und verantwortlichen Umgang mit Macht. Diese Überzeugungen haben Folgen für das gesellschaftliche Handeln. Auch das bewusste Schweigen zu Unrecht kann eine politische Wirkung besitzen.

Frage 7: Welche biblischen Texte können als politisch verstanden werden? Die Propheten kritisieren Ausbeutung, Gewalt und ungerechte Herrschaft. Jesus spricht vom Reich Gottes, wendet sich ausgegrenzten Menschen zu und fordert Nächstenliebe. Solche Texte stellen gesellschaftliche Verhältnisse infrage, ohne ein modernes Parteiprogramm zu formulieren.

Frage 8: Wann ist eine politische Predigt notwendig? Sie kann notwendig sein, wenn Menschenwürde, Freiheit, Frieden oder Gerechtigkeit bedroht werden. In solchen Situationen kann Schweigen bedeuten, Unrecht hinzunehmen. Die Predigt sollte ihre Kritik jedoch nachvollziehbar und theologisch begründen.

Frage 9: Wann wird eine politische Predigt problematisch? Problematisch wird sie, wenn sie Andersdenkende abwertet, Tatsachen verfälscht, einfache Lösungen verspricht oder eine bestimmte politische Position mit dem Willen Gottes gleichsetzt. Sie verliert dann ihre Offenheit für Prüfung, Gewissen und Widerspruch.

Frage 10: Darf eine Pfarrperson eine konkrete Partei empfehlen? Im Gottesdienst sollte keine parteipolitische Werbung betrieben werden. Eine Pfarrperson darf politische Programme anhand christlicher Werte kritisch prüfen. Die konkrete Wahlentscheidung bleibt jedoch eine Gewissensentscheidung der einzelnen Person.

Frage 11: Welche Verantwortung besitzen die Zuhörenden? Die Zuhörenden sollten eine Predigt aufmerksam und kritisch prüfen. Sie dürfen widersprechen, Rückfragen stellen und eine eigene Position entwickeln. Religiöse Autorität ersetzt nicht das persönliche Gewissen und die verantwortliche Urteilsbildung.

Frage 12: Kann auch Schweigen politisch sein? Ja. Wenn eine Kirche offensichtliches Unrecht nicht anspricht, kann dieses Schweigen als Zustimmung oder Gleichgültigkeit wirken. Deshalb muss immer geprüft werden, ob Zurückhaltung dem Frieden dient oder bestehendes Unrecht schützt.

Frage 13: Welche Kriterien sollte eine verantwortliche politische Predigt erfüllen? Sie sollte biblisch begründet, sachlich zuverlässig, menschenfreundlich und offen für begründeten Widerspruch sein. Sie sollte Betroffene wahrnehmen, unterschiedliche Perspektiven berücksichtigen und keine politische Entscheidung als einzig mögliche göttliche Anweisung darstellen.

Frage 14: Wie lautet eine begründete Antwort auf die Leitfrage des Audios? Eine Predigt darf und muss gesellschaftliche Fragen ansprechen, wenn der christliche Glaube konkrete Verantwortung verlangt. Sie sollte jedoch keine parteipolitische Werbung betreiben. Ihre Aufgabe besteht darin, Gewissen zu schärfen, Unrecht zu benennen und verantwortliche Urteile zu ermöglichen.

Hessen

Hessen

Sekundarstufe II | Q4 Kirche – Gemeinde Jesu Christi

Q4.3 Kirche in der Welt von heute.

Rheinland-Pfalz

Rheinland-Pfalz

Sekundarstufe II | 12/2 Gutes Handeln unter dem Anspruch des Christseins

12.2 / 3. Gesellschaftlich-politische Verantwortung aus christlicher Motivation.

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