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Alfred Garcia Sobreira-MajerKarsten LehmannTheoWeb

Alfred Garcia Sobreira-Majer,

Karsten Lehmann,

TheoWeb

Potenziale und Grenzen des interreligiösen Begegnungslernens im Kontext von Schule. Pädagogische Reflexionen am Beispiel eines interreligiösen Begegnungstages (IRBT) an einem Wiener Gymnasium

Veröffentlichung:1.5.2026

Was passiert wirklich in einem Interreligiösen Begegnungstag an der Schule? Empirische Forschung zeigt: Religion wird durch Struktur und Kontext auf ganz spezifische Weise konstruiert – und nicht immer zum Besseren.

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Wie lassen sich interreligiöse Begegnungstage an Schulen so gestalten, dass sie tatsächlich zu tieferen religionspädagogischen Lernprozessen führen? Ein empirisches Forschungsprojekt der KPH Wien/Krems hat sich dieser Frage anhand eines konkreten Interreligiösen Begegnungstages (IRBT) an einem Wiener Gymnasium gestellt. Das Forschungsteam dokumentierte und analysierte Vorbereitung, Durchführung und Reflexion dieses Projekttags mit teilnehmender Beobachtung – eine methodologisch aufwändige Herangehensweise, die präzise Einblicke in die Wirklichkeit schulischer Begegnungsformate ermöglicht. Das Konzept des IRBT, entwickelt von Katja Boehme, sieht vor, dass Schüler*innen aus verschiedenen Religionsunterrichten und dem Ethikunterricht gemeinsam an religiös relevanten Themen arbeiten. Im Wiener Projekt wählten die Lehrer*innen „Feste" als Themenschwerpunkt – von Weihnachten über Ramadan bis Ostern – und verteilten sie so auf die einzelnen Unterrichte, dass unterschiedliche religiöse Perspektiven zur Geltung kamen. Mit etwa 60 Schüler*innen der 9. Schulstufe entstanden vielfältige Interaktionen zwischen den Lernenden sowie zwischen Schüler*innen und Lehrer*innen. Die Analyse offenbarte ein differenziertes Bild: Einerseits erzeugt ein solches Format tatsächlich religionsbezogene Begegnungsinteraktionen. Andererseits wird Religion durch die schulische Struktur und die Rahmenbedingungen des IRBT auf ganz spezifische – und teilweise begrenzende – Weise konstruiert. Das Forschungsteam identifizierte dabei „Stellschrauben", an denen sich optimierend arbeiten lässt, etwa die Themenwahl oder die Berücksichtigung von Aufnahmefähigkeitsgrenzen. Gleichzeitig erkannte es strukturelle Gegebenheiten wie die Spannung zwischen religiöser Mehrheit und Minderheiten oder die Chancen und Risiken von Expert*innenwissen, die dem Format inhärent sind. Ein zentraler analytischer Fokus lag auf der Frage nach „authentischen Interaktionen": Lässt sich beobachten, wie Schüler*innen und Lehrer*innen in solchen Settings authentisch über ihre religiösen oder weltanschaulichen Überzeugungen sprechen? Das Projekt nähert sich dieser Frage kritisch an – kritisch gegenüber unreflektierten Romantisierungen von Authentizität, die in der religionspädagogischen Literatur mitunter mitschwingt. Stattdessen werden gesellschaftskritische Perspektiven auf Authentizität fruchtbar gemacht, um das empirische Material differenzierter zu verstehen.

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