Die Konfirmandenarbeit ist für evangelische Jugendliche in der Regel der intensivste Kontakt zur Kirche – doch wie wirkt sich diese Erfahrung langfristig aus? Der Artikel stellt empirische Befunde der zweiten bundesweiten Konfi-Studie vor und untersucht, wie die Konfirmandenarbeit in ein Gesamtsystem lebensbegleitender Gemeindepädagogik eingebettet werden kann. Anstatt die Konfi-Zeit als isoliertes Bildungsangebot zu betrachten, werden ihre Nahtstellen zu den Phasen davor und danach analysiert – ein Ansatz, der dem kirchlichen Ideal eines Gesamtkatechumenats entspricht.
Die Datenbasis ist beeindruckend: Zwischen 2012 und 2017 wurden Konfirmandinnen und Konfirmanden mehrfach befragt, zunächst bei ihrem Eintritt und ihrer Konfirmation, dann als 16-Jährige und später als 18-Jährige. Ergänzend wurde eine repräsentative Engagementstudie mit über 2700 jungen Erwachsenen durchgeführt. Diese Längsschnittdaten sind im kirchlichen Forschungskontext noch immer eine Ausnahme und ermöglichen tiefe Einblicke in die religiöse Entwicklung über Jahre hinweg.
Ein zentrales Ergebnis: Die relative Beteiligung an der Konfi-Zeit bleibt mit etwa 90 Prozent der evangelischen 14-Jährigen stabil – entgegen verbreiteter Krisennarrationen. Das eigentliche Problem liegt woanders: Die Jahrgangsstärken evangelischer Kinder schrumpfen deutlich. Zwischen 2011 und 2016 sank die Zahl der Konfirmierten um 23 Prozent. Dies hat massive Konsequenzen auf Gemeindeebene, wo teilweise nur noch eine statt zwei Konfirmationen pro Jahr stattfinden und in manchen ostdeutschen Gemeinden die Zahl der Konfirmierten hinter der Zahl der Kirchengebäude zurückbleibt.
Trotz dieser demografischen Herausforderungen zeigt sich die Konfirmandenarbeit als vitales Arbeitsfeld. Der Artikel präsentiert zudem konzeptionelle Modelle einer phasigen Konfirmandenarbeit wie „Konfi 3" und Konfi 7/8, die versuchen, den Gedanken einer durchgehenden Begleitung umzusetzen. Die Frage lautet: Wird die Konfi-Zeit zum „Probe-Abo" für die Kirche – überzeugt sie junge Menschen so sehr, dass sie langfristig dabei bleiben?