Politik und Religion – dieses Verhältnis ist prekär und wird auch in der Religionspädagogik heftig debattiert. Die einen sehen im Politischen die eigentliche Dimension religiöser Bildung, die anderen warnen vor einer Politisierung des Religiösen. Der vorliegende Artikel arbeitet sich an dieser Spannung systematisch ab und entwickelt einen bildungstheoretischen Vorschlag, der beide Extreme vermeidet: weder eine bloße Politisierung der Religionspädagogik noch eine vollständige Entpolitisierung.
Das zentrale Problem liegt in zwei hermeneutischen Zugängen, die bislang dominieren: Die „Vermengungshermeneutik" subordiniert das Religiöse unter das Politische und wird der Eigenlogik von Religion nicht gerecht. Die „Unterscheidungshermeneutik" hingegen setzt kategoriale Grenzen zwischen Religion und Politik und läuft Gefahr, beide Bereiche in abstrakte Bezugslosigkeit zu trennen – obwohl Religion als „comprehensive doctrine" eine holistische, transformatorische Kraft besitzt, die sich nicht einfach auf die Transzendenz reduzieren lässt.
Die Lösung liegt nach diesem Ansatz in einer „kritisch-korrelativen" Hermeneutik, die eine politische Dimension der religiösen Bildung ermöglicht, ohne diese zu politisieren. Zentral hierfür ist die Kategorie der „Übersetzung" – verstanden als kritisch-selbstreflexiver Prozess, der zwischen Religionem und Politischem vermittelt. Erst durch diese Übersetzungsarbeit kann Religionspädagogik ihre Sprachfähigkeit entwickeln und eine „Kritische Öffentliche Religionspädagogik" ausbilden, die ihre Subjekte befähigt, in komplexen gesellschaftlichen Verhältnissen emanzipatorisch handlungsfähig zu werden. Das ist kein Rückfall in naive Zweisprachigkeit, sondern ein differenziertes, auf systemtheoretischen Grundlagen aufbauendes Modell.