Simone Curau, Präsidentin des Schweizer Katholischen Frauenbundes (SKF), blickt in diesem Interview auf ihre vielfältigen Erfahrungen zurück: Von ihrer Kindheit in einem politisch engagierten Elternhaus über ihre Tätigkeit als Unternehmerin bis zu ihrem Engagement in der CVP-Frauenarbeit. Diese Erfahrungen prägen ihr Verständnis von Selbstwirksamkeit und dem Einsatz für ein gutes Leben für alle. Sie betont, dass Schulung, Netzwerke und Frauenräume entscheidend sind, damit sich Frauen für öffentliche Ämter zur Verfügung stellen.
Der Frauenbund operiert auf drei Ebenen – lokal, kantonal und national – wobei jede Ebene ihre spezifischen Aufgaben und Herausforderungen hat. Curau nimmt wahr, dass der Mehrwert des Dachverbandes vor Ort konkret erfahrbar sein muss, um Wertschätzung zu erhalten. Unter ihrer Leitung hat der SKF seine Aktivitäten in der digitalen Vernetzung ausgebaut und seine demokratische Partizipation gestärkt.
Die Kampagne «Gleichberechtigung. Punkt. Amen» zum Frauenstreiktag 2019 markiert einen Wendepunkt: Der SKF verstärkte sein kirchenpolitisches Engagement nicht auf Kosten, sondern zusätzlich zu seinem gesellschaftspolitischen Einsatz. Auslöser waren die MHG-Studie zu sexuellem Missbrauch, globale Forderungen nach Frauenrechten in der Kirche und die internationale Vernetzung. Dabei verweist Curau auch auf frühere Positionen wie das wegweisende Positionspapier «Lesben, Schwule und Bisexuelle in Kirche und Gesellschaft» von 2001, das als kirchennahe Organisation damals eine Pionierrolle übernahm.
Die Schwerpunkte des gesellschaftspolitischen Engagements umfassen Lebensanfangsethik (Abtreibung, pränatale Diagnostik, Leihmutterschaft), Altersvorsorge und soziale Sicherheit sowie Schöpfungsbewahrung und Klimaschutz. Curau beklagt, dass die katholische Kirche auf Schweizer Ebene keine starke Institution hat, die sich kompetent mit bioethischen Fragen befasst. Der Frauenbund hingegen kommuniziert seine Positionen offen und betont, dass respektvoller Dialog ethische Positionen vermittelt und breitere Öffentlichkeit erreicht.