Der Autor, ein katholischer Kirchenrechtler, analysiert grundlegende Aporien in den aktuellen Synodenprozessen in Rom und Deutschland. Papst Franziskus versteht Synodalität primär als geistliche Haltung des Hinhörens, delegiert aber strittige Themen an von ihm berufene Expertengruppen, die ohne öffentliche Transparenz agieren. Dies führt zu einer entscheidenden theologischen und praktischen Spannung: Eine bloß auf Haltung reduzierte Synodalität bleibt strukturlos und läuft Gefahr, die Kirche zu einer „frommen Exerzitiengruppe" zu verkehren, die der Inkarnationsdynamik des Christentums widerspricht. Dagegen braucht echte Synodalität rechtlich gesicherte Beratungs- und Entscheidungsprozesse aller Gläubigen, um missionarische Kraft zu entfalten.
Das zentrale Problem liegt in einer pneumatologisch unterentwickelten Amtstheologie. Das Zweite Vatikanum hat den sensus fidei – den Glaubenssinn des Volkes Gottes – theologisch bekräftigt (Lumen Gentium 12), aber kirchenrechtlich niemals rezipiert. Der Kirchencodex reduziert diesen Glaubenssinn zu einer bloßen Bestätigungsinstanz für lehramtliche Entscheidungen, während die Charismen der Gläubigen strukturell verankert bleiben. Dies führt zu einer Kluft zwischen papalem und bischöflichem Anspruch auf Alleinentscheidungsmacht und der tatsächlichen Annahme durch die Gläubigen – eine Diskrepanz, die kirchenrechtliche und lehramtliche Anordnungen faktisch wirkungslos macht. Der Autor argumentiert, dass die derzeitige Ausgestaltung der Ämter nicht wirklich „lebbar" ist und eine permanente Überforderung der Amtsträger darstellt.