Für den Religionsunterricht eignet sich das Medium besonders zur Auseinandersetzung mit Schöpfungsverantwortung, christlicher Ethik, globaler Gerechtigkeit und der Verantwortung des Menschen für die Welt. Didaktisch sinnvoll ist die im Material vorgesehene Verbindung von Wahrnehmung, Sacherschließung, persönlicher Positionierung und Handlungsorientierung. Die Lernenden erwerben Sachkompetenz, indem sie den Begriff Enzyklika kennenlernen und Themen, Aussagen und Ziele von Laudato Si’ erschließen. Zugleich sollen Handlungskompetenz und soziale Kompetenz gefördert werden, indem ökologische und soziale Zusammenhänge erkannt und eigene Handlungsmöglichkeiten reflektiert werden. Als Einstieg können die Bilder zu Naturkatastrophen und Umweltzerstörung zunächst ohne Kommentar präsentiert werden. Ein Blitzlicht ermöglicht es den Lernenden, Beobachtungen, Gedanken und Gefühle zu äußern, bevor die Eindrücke gemeinsam gesammelt werden. Diese Vorgehensweise eröffnet einen emotionalen und lebensweltbezogenen Zugang, sollte jedoch sensibel moderiert werden, da Bilder von Überschwemmungen, Trockenheit, Armut und Umweltzerstörung belastend wirken können. Anschließend kann über den vorgesehenen Film oder einen kurzen Lehrervortrag geklärt werden, was eine Enzyklika ist und welche Bedeutung päpstliche Schreiben innerhalb der katholischen Kirche besitzen. Die eigentliche Textarbeit kann entsprechend dem Material mit der Methode Think Pair Share erfolgen. Zunächst erschließen die Lernenden einen Textabschnitt selbstständig, markieren unbekannte Begriffe und formulieren zentrale Aussagen. Danach tauschen sie sich mit einer Partnerperson aus und klären Verständnisprobleme. In der gemeinsamen Sicherung werden die Ergebnisse zusammengeführt. Diese Methode eignet sich besonders für die teilweise anspruchsvolle Sprache der Enzyklika, weil individuelle Leseprozesse mit kooperativer Erschließung verbunden werden. Religionsdidaktisch sollte die Textarbeit nicht bei einer Wiedergabe der Aussagen des Papstes stehen bleiben. Weiterführend können die Lernenden untersuchen, welches Menschenbild und welches Verständnis von Verantwortung hinter den Aussagen stehen. Besonders ergiebig ist die Frage, weshalb Umweltschutz aus christlicher Perspektive zugleich eine Frage der Gerechtigkeit ist. An den Texten lässt sich herausarbeiten, dass die Folgen des Klimawandels Menschen unterschiedlich stark treffen und insbesondere arme Bevölkerungsgruppen in ihrer Lebensgrundlage gefährdet werden. Die zweite Phase des Unterrichtsvorschlags ermöglicht einen stärkeren Lebensweltbezug. Unter der Leitidee „Achtung haben“ sammeln die Lernenden, was ihnen persönlich wichtig und schützenswert erscheint. Durch eine Positionierung im Raum können sie anschließend sichtbar machen, welche Werte für sie besondere Bedeutung besitzen, und ihre Entscheidungen begründen. Darauf aufbauend formulieren sie Wünsche und überlegen, wie sie selbst zum Schutz des für sie Wertvollen beitragen können. Die persönliche Werteklärung wird dadurch mit der Botschaft von Laudato Si’ verbunden. Für eine vertiefte religionspädagogische Bearbeitung bietet es sich an, die Aussagen der Enzyklika anschließend mit dem biblischen Schöpfungsverständnis zu verbinden. Das Material schlägt hierzu eine Auseinandersetzung mit Genesis 1,28 vor. Dabei kann diskutiert werden, ob der biblische Auftrag des Menschen als Herrschaft über die Erde, als Fürsorge, als Verantwortung oder als Bewahrung zu verstehen ist. Besonders produktiv ist schließlich ein Perspektivwechsel zu Menschen in Afrika, Asien oder Südamerika, die von Klimawandel und Naturkatastrophen betroffen sind. Die Lernenden können deren mögliche Wünsche und Hoffnungen formulieren und anschließend mit den eigenen Vorstellungen eines guten Lebens vergleichen. Genau diesen Perspektivwechsel greift auch die abschließende Aufgabenstellung des Mediums auf. So ermöglicht das Medium eine Verbindung von theologischer Sacherschließung, ethischer Urteilsbildung, Perspektivwechsel, Wertebildung und konkreter Handlungsorientierung.
Der Einstieg gelingt über Fotos von Naturkatastrophen. Über ein Blitzlicht werden Assoziationen gesammelt und in Stichworten an der Tafel festgehalten. Ein kurzer Lehrervortrag mithilfe eines angegebenen Dreizeilers erläutert die Enzyklika Laudato Si. Ein Video (3 Minuten) erweitert diese Information. Über den Film wird eine Definition des Begriffes Enzyklika erarbeitet. Mithilfe der Think per share Methode wird der Text der Enzyklika erarbeitet. Zwei Materialien unterstützen dies. Die Sitznachbarn tauschen ihr wissen über die beiden Materialien aus und verfügen nun über denselben Kenntnisstand. Unklare Begriffe werden geklärt. Ein Cluster zu schützenswerten Bereichen, Gütern und Werten wird erstellt. Dazu werden Papierstreifen mit Stichwörtern beschrieben und an der Tafel nach Gebieten geordnet. Die Ergebnisse werden diskutiert und bewertet. Die Enzyklika wird auf den Cluster bezogen und es werden Wünsche des Papstes für die Zukunft der Welt formuliert. In einem weiteren Schritt werden eigene Wünsche hinzugefügt. Lösungsstrategien zu deren Verwirklichung werden entwickelt. Als Hausaufgabe wird eine Mail an den Papst verfasst, in der und eine persönliche Stellungnahme zur Bibelstelle Genesis 1,28 enthält.
Medien/Material: PC mit Internetzugriff, Beamer / Smartboard, Arbeitsblätter mit Auszügen aus der Enzyklika, Tafel, Papierstreifen oder Tonpapier, Eventuell Folien, Folienstifte