Jochen Ostheimer fragt, warum die Bewältigung des Klimawandels so schleppend vorangeht – und findet eine Antwort in der Geschichte: Das Problem ist selbst eine Problemlösung. Die neuzeitliche Kultur des Extraktivismus, getragen von Fortschrittsdenken, Kolonialismus und fossiler Energie, löste den Mangel vergangener Jahrhunderte und schuf damit Wohlstand, Demokratie und gesellschaftliche Stabilität. Doch der quantitative Umschlag in qualitative Veränderungen – vor allem in der Atmosphäre – erzeugte unkontrollierbare Nebenfolgen. Anhand des Tetralemma-Konzepts zeigt Ostheimer die Logik gängiger Positionen: von der Fortschrittsbegeisterung über die Umweltbewegung bis zu Konzepten grünen Wachstums – und einer vierten Position, die warnt: Ohne Kulturwandel würden auch erneuerbare Energien die expansive Dynamik lediglich befeuern. Sein Fazit: Sozioökologische Probleme sind „vertrackte Probleme", und ein ehrlicher Umgang mit ihren Widersprüchen wäre bereits ein Fortschritt.