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Vandenhoeck Ruprecht | Religion unterrichten

Vandenhoeck Ruprecht | Religion unterrichten

Selig, die träumen«: gemeinsam Hoffnung für die Zukunft gewinnen

Veröffentlichung:1.1.2024

Die Unterrichtsreihe »Selig, die träumen« von Seite 31 bis 64 mit 15 Materialien für die Klassenstufe 7 eröffnet einen Zugang zur ökologischen Krise aus theologischer Perspektive, indem sie das Thema Hoffnung ins Zentrum stellt. Ausgangspunkt ist die Beobachtung, dass Jugendliche angesichts globaler Herausforderungen wie der Klimakrise zwischen Aktivismus und Resignation schwanken. Die Reihe greift diese Ambivalenz auf und verbindet sie mit der christlichen Tradition einer Theologie der Hoffnung, wie sie etwa von Jürgen Moltmann geprägt wurde. Biblische Verheißungen und eschatologische Bilder werden als Gegenentwürfe zur gegenwärtigen Wirklichkeit verstanden, die nicht vertrösten, sondern zur Veränderung motivieren sollen. Auch Impulse von Hélder Câmara verdeutlichen, dass Träume eine transformierende Kraft besitzen. Die Unterrichtsreihe zeigt, dass religiöse Bildung Räume eröffnen kann, in denen Schülerinnen und Schüler Hoffnung entwickeln, Gemeinschaft erfahren und konkrete Perspektiven für verantwortliches Handeln gewinnen.

Das Medium ist die zweite Ausgabe des fünften Jahrgangs der religionspädagogischen Zeitschrift „Religion unterrichten“ aus dem Jahr 2024. Das Themenheft trägt den Titel „Religiöse Bildung für nachhaltige Entwicklung“ und verbindet theologische Grundlagen mit konkreten Unterrichtsvorschlägen. Die Beiträge beschäftigen sich mit der ökologischen und klimatischen Krise, mit christlicher Hoffnung, Schöpfungsverantwortung, Umkehr, Schuld, Zukunftsgestaltung, Klimaaktivismus und Reich Gottes. Neben grundlegenden Aufsätzen enthält das Heft drei umfangreiche Unterrichtsvorhaben. Die Reihe „Selig, die träumen“ richtet sich an die Klassenstufe 7 und fragt nach der Bedeutung von Hoffnung und Zukunftsvisionen. Die Reihe „Kehrt um!“ für die Klassenstufen 8 bis 10 behandelt religiös begründeten Protest, Klimaaktivismus, zivilen Ungehorsam und gesellschaftliche Veränderung. Das Unterrichtsvorhaben „Wer ist schuld, wenn der Gletscher stirbt?“ eignet sich für Berufsschulen, Fachakademien und die gymnasiale Oberstufe. Es thematisiert Trauer angesichts ökologischer Verluste, persönliche und gesellschaftliche Schuld sowie Möglichkeiten verantwortlicher Zukunftsgestaltung. Zahlreiche Materialien, Bibeltexte, Bilder, Karikaturen, Geschichten, Interviews, Diskussionsanregungen, Projektideen und Aufgaben ermöglichen eine unmittelbare Verwendung im Religionsunterricht.

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Das Themenheft eignet sich sowohl für die fachliche Vorbereitung der Lehrkraft als auch für die unmittelbare Planung und Durchführung längerer Unterrichtsreihen. Da die Ausgabe wissenschaftliche Beiträge, religionsdidaktische Begründungen und ausgearbeitete Materialien miteinander verbindet, sollte die Lehrkraft zunächst entscheiden, ob einzelne Impulse, ausgewählte Unterrichtsstunden oder eine vollständige Reihe eingesetzt werden sollen. Eine vollständige Bearbeitung des umfangreichen Mediums durch die Lernenden ist nicht erforderlich. Sinnvoller ist eine Auswahl, die sich an der Klassenstufe, der verfügbaren Unterrichtszeit, dem Vorwissen und den Interessen der Lerngruppe orientiert.

Als Einstieg in das Thema können Fotografien von schmelzenden Gletschern, Wetterextremen, Demonstrationen oder bedrohten Lebensräumen gezeigt werden. Die Lernenden beschreiben zunächst ihre Wahrnehmungen und formulieren anschließend Gefühle, Fragen und mögliche Handlungsimpulse. Auch das Titelbild der Zeitschrift eignet sich als Bildimpuls. Die Glaskugel vor der Berglandschaft kann als Symbol für Zukunft, Verletzlichkeit, Unsicherheit und menschliche Verantwortung gedeutet werden. Die Lernenden können Vermutungen darüber anstellen, welche Zukunft in der Kugel sichtbar wird und welche Zukunft sie selbst gestalten möchten.

Eine persönliche Annäherung kann durch ein kurzes Schreibgespräch zur Frage erfolgen, wie die Lernenden auf die Zukunft blicken. Begriffe wie Hoffnung, Angst, Verantwortung, Ohnmacht und Veränderung können gesammelt und und geordnet werden. Dabei sollte die Lehrkraft deutlich machen, dass Sorgen angesichts der Klimakrise ernst genommen werden. Der Unterricht darf weder Katastrophenangst verstärken noch vorschnellen Optimismus vermitteln. Religiöse Hoffnung bedeutet nicht, ökologische Probleme zu verharmlosen oder allein auf ein Eingreifen Gottes zu warten. Sie kann vielmehr als Kraft verstanden werden, die zum Wahrnehmen, Trauern, Urteilen und Handeln befähigt.

Die theologischen Beiträge des Heftes können von älteren Lernenden arbeitsteilig erschlossen werden. Dafür eignen sich Gruppen, die unterschiedliche Texte zu Hoffnung, Schöpfung, Umkehr, Reich Gottes oder Klimaaktivismus bearbeiten. Jede Gruppe formuliert die Hauptaussage ihres Textes, erklärt zentrale Begriffe und entwickelt eine Frage an die Verfassenden. Die Ergebnisse können in einem Gruppenpuzzle zusammengeführt werden. Bei jüngeren Lernenden empfiehlt es sich, ausgewählte Aussagen sprachlich zu vereinfachen und durch Bilder, Beispiele oder kurze Erklärungen zu ergänzen.

Die Unterrichtsreihe „Selig, die träumen“ bietet einen altersgerechten Zugang zur Bedeutung von Hoffnung. Geschichten, Kunstwerke, Zukunftsträume und Beispiele engagierter junger Menschen helfen den Lernenden, zwischen bloßem Wunschdenken und handlungsorientierter Hoffnung zu unterscheiden. Die Lernenden können eigene Zukunftsbilder gestalten, Hoffnungssätze verfassen oder einen Brief aus einer wünschenswerten Zukunft schreiben. Das Bild „The Peaceable Kingdom“ von Edward Hicks kann beschrieben, gedeutet und mit biblischen Friedensvisionen verglichen werden. Anschließend können die Lernenden überlegen, welche kleinen und großen Veränderungen für eine friedlichere und nachhaltigere Welt notwendig wären.

Die Reihe „Kehrt um!“ ermöglicht eine kontroverse Auseinandersetzung mit religiösem Protest. Die Materialien zu Fridays for Future, Ende Gelände und Letzte Generation können in einem Gruppenpuzzle bearbeitet werden. Dabei untersuchen die Lernenden Ziele, Aktionsformen, religiöse Begründungen und gesellschaftliche Reaktionen. Wichtig ist eine klare Unterscheidung zwischen der Analyse politischer Bewegungen und einer persönlichen Zustimmung. Die Lehrkraft sollte unterschiedliche Positionen zulassen und darauf achten, dass kontroverse Fragen auch kontrovers behandelt werden. Eine strukturierte Diskussion kann sich mit der Frage beschäftigen, ob ziviler Ungehorsam angesichts der Klimakrise gerechtfertigt sein kann. Die Lernenden entwickeln Argumente, prüfen mögliche Folgen und beziehen rechtliche, ethische, politische und theologische Perspektiven ein.

Biblische Texte wie die Tempelreinigung, das Magnificat, die Jonaerzählung und Aussagen zum Reich Gottes können mit heutigen Protestformen in Beziehung gesetzt werden. Dabei ist jedoch eine vorschnelle Gleichsetzung zu vermeiden. Die Lernenden sollten Gemeinsamkeiten und Unterschiede selbstständig herausarbeiten. Sie können prüfen, welche Missstände benannt werden, wer zur Umkehr aufgefordert wird, welche Vorstellung von Gerechtigkeit erkennbar ist und welche Hoffnung den jeweiligen Text trägt. Auf diese Weise wird die Bibel nicht nur als historische Quelle, sondern als möglicher Gesprächspartner für gegenwärtige Herausforderungen erschlossen.

Das Unterrichtsvorhaben zum sterbenden Gletscher bietet einen besonders geeigneten Zugang zu Trauer, Schuld und Verantwortung. Ein Gletscherrequiem kann zunächst als ungewöhnliche Form öffentlicher Trauer untersucht werden. Die Lernenden fragen, weshalb Menschen um einen Gletscher trauern und welche Bedeutung Rituale im Umgang mit unwiederbringlichen Verlusten besitzen. Die Verbindung mit der Jonaerzählung eröffnet die Möglichkeit, über Anklage, Schuldeingeständnis, Umkehr und Vergebung nachzudenken. Dabei sollte Schuld nicht ausschließlich einzelnen Menschen zugeschrieben werden. Persönliches Konsumverhalten, wirtschaftliche Interessen, politische Entscheidungen und globale Ungleichheit müssen gemeinsam betrachtet werden. Dadurch wird verhindert, dass die Lernenden sich moralisch überfordert oder pauschal beschuldigt fühlen.

Für die Ergebnissicherung eignen sich Lernplakate, digitale Präsentationen, Begriffsnetze, Portfolios, Lerntagebücher und Zukunftsbriefe. Eine abschließende Kompetenzaufgabe kann darin bestehen, dass die Lernenden eine begründete Stellungnahme zu einer ökologischen Konfliktsituation verfassen. Sie sollen dabei Sachwissen, ethische Argumente, biblische oder theologische Perspektiven und eigene Handlungsmöglichkeiten miteinander verbinden. Alternativ kann eine Lerngruppe ein konkretes Nachhaltigkeitsprojekt für die Schule planen. Denkbar sind Maßnahmen zur Energieeinsparung, zur Abfallvermeidung, zur nachhaltigen Ernährung oder zur Gestaltung eines ökologischen Schulgartens. Ein solcher Projektplan sollte Ziele, Zuständigkeiten, benötigte Mittel, mögliche Hindernisse und Kriterien für die Auswertung enthalten.

Das Medium unterstützt besonders die Ausbildung von Wahrnehmungsfähigkeit, Deutungsfähigkeit, Urteilsfähigkeit, Dialogfähigkeit und Handlungskompetenz. Es fördert einen Religionsunterricht, der ökologische Fragen nicht nur als naturwissenschaftliches oder politisches Thema behandelt, sondern ihre religiösen, ethischen und existenziellen Dimensionen sichtbar macht. Gleichzeitig sollte die christliche Perspektive durch weitere religiöse und nicht religiöse Sichtweisen ergänzt werden. Vorstellungen von Natur, Verantwortung und Zukunft aus dem Judentum, dem Islam, anderen Religionen sowie aus säkularen Weltanschauungen können vergleichend einbezogen werden. So entsteht ein offener Unterricht, in dem die Lernenden eigene Positionen entwickeln, begründen und im Gespräch mit anderen überprüfen können.


Liste die Materialien auf und erkläre was dort im Unterricht passiert.

Das Heft enthält drei ausgearbeitete Unterrichtsreihen. Im Folgenden werden sämtliche Materialien in der Reihenfolge des Heftes genannt und mit dem vorgesehenen Unterrichtsgeschehen verbunden.


Unterrichtsreihe „Selig, die träumen“

Diese Reihe richtet sich vor allem an die Klassenstufe 7. Die Lernenden nehmen Zukunftsängste wahr, entwickeln eigene und gemeinsame Zukunftsvorstellungen, begegnen biblischen Hoffnungsbildern und planen konkrete Veränderungen.

M 1a Fragen für Karteikarten

Die Karten werden bei einem philosophischen Spaziergang eingesetzt. Die Lernenden bewegen sich durch die nähere Umgebung und beschäftigen sich mit Fragen zur Wahrnehmung ihrer Umwelt, zum Zustand der Welt und zu ihrer persönlichen Zukunft. Anschließend werden Beobachtungen und Gedanken im Unterricht gesammelt. So entsteht ein persönlicher Zugang zum Thema.

M 1b Karikaturen

Die Lernenden betrachten Karikaturen zu Zukunftsangst, Klimakrise und gesellschaftlichen Problemen. Sie beschreiben Gestaltung und Aussage, deuten die dargestellte Kritik und formulieren eigene Fragen. Die Karikaturen helfen dabei, Sorgen über die Zukunft zur Sprache zu bringen und unterschiedliche Wahrnehmungen miteinander zu vergleichen.

M 2a Die Pinguingeschichte oder wie man sich in seinem Element fühlt

Die Geschichte zeigt, dass Fähigkeiten stark davon abhängen, ob ein Mensch sich in einer passenden Umgebung befindet. Die Lernenden überlegen, worin ihre eigenen Stärken bestehen und unter welchen Bedingungen sie diese entfalten können. Sie erkennen, dass vermeintliche Schwächen nicht immer persönliches Versagen bedeuten, sondern auch mit unpassenden Erwartungen zusammenhängen können.

M 2b Der Wasserbüffel

Die Lernenden setzen sich mit Selbstvertrauen, Mut und der Wahrnehmung eigener Möglichkeiten auseinander. Sie untersuchen, wie Vorstellungen über die eigenen Fähigkeiten das Handeln beeinflussen. Anschließend übertragen sie die Geschichte auf persönliche Ziele und auf die Frage, ob Menschen gesellschaftliche Veränderungen bewirken können.

M 3a Träumen oder Handeln? Zwei Engelsgeschichten

Zwei Geschichten werden miteinander verglichen. Die Lernenden untersuchen, ob Träume lediglich von der Wirklichkeit ablenken oder zum Handeln ermutigen können. Sie bestimmen die jeweilige Botschaft und diskutieren das Verhältnis von Hoffnung, Wunsch, Traum und konkretem Engagement.

M 3b Was können Träume?

Die Lernenden beschäftigen sich mit Beispielen von Menschheitsträumen, die später Wirklichkeit wurden. Sie erkennen, dass gesellschaftliche Veränderungen häufig mit Vorstellungen einer besseren Zukunft beginnen. Anschließend entwickeln sie eigene Zukunftsträume und prüfen, welche ersten Schritte zu ihrer Verwirklichung beitragen könnten.

M 4 Edward Hicks: The Peaceable Kingdom

Das Gemälde wird zunächst genau beschrieben und anschließend gedeutet. Die Lernenden untersuchen die friedliche Beziehung zwischen Menschen, Tieren und Natur. Danach vergleichen sie das Bild mit einer biblischen Friedensvision. Sie arbeiten heraus, wie religiöse Hoffnung durch Bilder ausgedrückt wird und welche Vorstellungen eines friedlichen Zusammenlebens darin sichtbar werden.

M 5a Think big! Felix Finkbeiner, kleiner Junge, große Vision

Am Beispiel von Felix Finkbeiner erfahren die Lernenden, wie aus der Idee eines Kindes eine internationale Bewegung entstehen kann. Sie untersuchen seine Motivation, seine Ziele und seine Handlungsschritte. Das Beispiel soll Mut machen, eigene Ideen nicht vorschnell als unbedeutend abzuwerten.

M 5b Planspiel „Neuland“

Die Lernenden übernehmen unterschiedliche Rollen und entwickeln Vorschläge für die Nutzung eines Grundstücks. Dabei müssen ökologische, soziale, kirchliche und wirtschaftliche Interessen berücksichtigt werden. Die Gruppen formulieren Argumente, handeln Lösungen aus und verfassen einen überzeugenden Brief an mögliche Fördernde. Im Plenum werden die Vorschläge vorgestellt und nach ihrer Überzeugungskraft beurteilt.

M 5c Nachhaltigkeit in unserem Schulleben

Die Erfahrungen aus dem Planspiel werden auf die eigene Schule übertragen. Zunächst entwickeln die Lernenden allein Ideen. Danach beraten sie sich mit einer weiteren Person und arbeiten schließlich in Gruppen konkrete Vorschläge aus. Die Ergebnisse werden vorgestellt und bewertet. Geeignete Ideen können anschließend als wirkliches Schulprojekt weitergeführt werden.

M 6a Die beiden Wölfe

Die Geschichte stellt zwei gegensätzliche Seiten menschlichen Handelns dar. Eine Seite ist von Konkurrenz, Neid und Besitzstreben geprägt, die andere von Gemeinschaft, Mitgefühl und Zusammenarbeit. Die Lernenden übertragen das Bild auf ihr eigenes Verhalten und auf den Umgang mit natürlichen Ressourcen. Sie diskutieren, welche Haltung durch alltägliche Entscheidungen gestärkt wird.

M 6b Du musst dich nicht messen

Die Lernenden untersuchen den Text des Liedes von Dota. Sie arbeiten heraus, wie Leistungsdruck, Vergleich und das Bedürfnis nach Anerkennung dargestellt werden. Anschließend deuten sie die Zusage, dass der Mensch nicht erst durch besondere Leistungen wertvoll wird. Die sprechende Stimme kann dabei auch als Stimme Gottes verstanden werden.

M 6c Predigt von Luisa Neubauer

Die Lernenden lesen die Fastenpredigt und untersuchen die Verbindung von christlichem Glauben und Klimaschutz. Sie unterscheiden zwischen lähmender Sorge, verantwortlicher Vorsorge und solidarischer Fürsorge. Die Aussage, dass Gott die Menschen nicht einfach vor den Folgen der Klimakrise retten werde, wird kritisch diskutiert.

M 6d Christsein heißt, gemeinsam das Klima schützen

Der Text ist in mehrere Thesen gegliedert und kann arbeitsteilig bearbeitet werden. Gruppen untersuchen einzelne Aussagen, formulieren Zustimmung und Kritik und entwickeln eine begründete Stellungnahme. Im Mittelpunkt steht die Frage, ob und in welcher Weise christlicher Glaube zu ökologischem Engagement verpflichtet.

M 6e Mechthild Alber: Die Erde ist des Herrn

Die Lernenden hören oder lesen die Interpretation des Liedes. Sie erschließen die Erde als Gabe Gottes und überlegen, wie gemeinsames Singen religiöse Überzeugungen stärken kann. Das Material kann auch zur Vorbereitung einer Andacht oder eines spirituellen Abschlusses verwendet werden.


Das Themenheft eignet sich sowohl für die fachliche Vorbereitung der Lehrkraft als auch für die unmittelbare Planung und Durchführung längerer Unterrichtsreihen. Da die Ausgabe wissenschaftliche Beiträge, religionsdidaktische Begründungen und ausgearbeitete Materialien miteinander verbindet, sollte die Lehrkraft zunächst entscheiden, ob einzelne Impulse, ausgewählte Unterrichtsstunden oder eine vollständige Reihe eingesetzt werden sollen. Eine vollständige Bearbeitung des umfangreichen Mediums durch die Lernenden ist nicht erforderlich. Sinnvoller ist eine Auswahl, die sich an der Klassenstufe, der verfügbaren Unterrichtszeit, dem Vorwissen und den Interessen der Lerngruppe orientiert.

Als Einstieg in das Thema können Fotografien von schmelzenden Gletschern, Wetterextremen, Demonstrationen oder bedrohten Lebensräumen gezeigt werden. Die Lernenden beschreiben zunächst ihre Wahrnehmungen und formulieren anschließend Gefühle, Fragen und mögliche Handlungsimpulse. Auch das Titelbild der Zeitschrift eignet sich als Bildimpuls. Die Glaskugel vor der Berglandschaft kann als Symbol für Zukunft, Verletzlichkeit, Unsicherheit und menschliche Verantwortung gedeutet werden. Die Lernenden können Vermutungen darüber anstellen, welche Zukunft in der Kugel sichtbar wird und welche Zukunft sie selbst gestalten möchten.

Eine persönliche Annäherung kann durch ein kurzes Schreibgespräch zur Frage erfolgen, wie die Lernenden auf die Zukunft blicken. Begriffe wie Hoffnung, Angst, Verantwortung, Ohnmacht und Veränderung können gesammelt und und geordnet werden. Dabei sollte die Lehrkraft deutlich machen, dass Sorgen angesichts der Klimakrise ernst genommen werden. Der Unterricht darf weder Katastrophenangst verstärken noch vorschnellen Optimismus vermitteln. Religiöse Hoffnung bedeutet nicht, ökologische Probleme zu verharmlosen oder allein auf ein Eingreifen Gottes zu warten. Sie kann vielmehr als Kraft verstanden werden, die zum Wahrnehmen, Trauern, Urteilen und Handeln befähigt.

Die theologischen Beiträge des Heftes können von älteren Lernenden arbeitsteilig erschlossen werden. Dafür eignen sich Gruppen, die unterschiedliche Texte zu Hoffnung, Schöpfung, Umkehr, Reich Gottes oder Klimaaktivismus bearbeiten. Jede Gruppe formuliert die Hauptaussage ihres Textes, erklärt zentrale Begriffe und entwickelt eine Frage an die Verfassenden. Die Ergebnisse können in einem Gruppenpuzzle zusammengeführt werden. Bei jüngeren Lernenden empfiehlt es sich, ausgewählte Aussagen sprachlich zu vereinfachen und durch Bilder, Beispiele oder kurze Erklärungen zu ergänzen.

Die Unterrichtsreihe „Selig, die träumen“ bietet einen altersgerechten Zugang zur Bedeutung von Hoffnung. Geschichten, Kunstwerke, Zukunftsträume und Beispiele engagierter junger Menschen helfen den Lernenden, zwischen bloßem Wunschdenken und handlungsorientierter Hoffnung zu unterscheiden. Die Lernenden können eigene Zukunftsbilder gestalten, Hoffnungssätze verfassen oder einen Brief aus einer wünschenswerten Zukunft schreiben. Das Bild „The Peaceable Kingdom“ von Edward Hicks kann beschrieben, gedeutet und mit biblischen Friedensvisionen verglichen werden. Anschließend können die Lernenden überlegen, welche kleinen und großen Veränderungen für eine friedlichere und nachhaltigere Welt notwendig wären.

Die Reihe „Kehrt um!“ ermöglicht eine kontroverse Auseinandersetzung mit religiösem Protest. Die Materialien zu Fridays for Future, Ende Gelände und Letzte Generation können in einem Gruppenpuzzle bearbeitet werden. Dabei untersuchen die Lernenden Ziele, Aktionsformen, religiöse Begründungen und gesellschaftliche Reaktionen. Wichtig ist eine klare Unterscheidung zwischen der Analyse politischer Bewegungen und einer persönlichen Zustimmung. Die Lehrkraft sollte unterschiedliche Positionen zulassen und darauf achten, dass kontroverse Fragen auch kontrovers behandelt werden. Eine strukturierte Diskussion kann sich mit der Frage beschäftigen, ob ziviler Ungehorsam angesichts der Klimakrise gerechtfertigt sein kann. Die Lernenden entwickeln Argumente, prüfen mögliche Folgen und beziehen rechtliche, ethische, politische und theologische Perspektiven ein.

Biblische Texte wie die Tempelreinigung, das Magnificat, die Jonaerzählung und Aussagen zum Reich Gottes können mit heutigen Protestformen in Beziehung gesetzt werden. Dabei ist jedoch eine vorschnelle Gleichsetzung zu vermeiden. Die Lernenden sollten Gemeinsamkeiten und Unterschiede selbstständig herausarbeiten. Sie können prüfen, welche Missstände benannt werden, wer zur Umkehr aufgefordert wird, welche Vorstellung von Gerechtigkeit erkennbar ist und welche Hoffnung den jeweiligen Text trägt. Auf diese Weise wird die Bibel nicht nur als historische Quelle, sondern als möglicher Gesprächspartner für gegenwärtige Herausforderungen erschlossen.

Das Unterrichtsvorhaben zum sterbenden Gletscher bietet einen besonders geeigneten Zugang zu Trauer, Schuld und Verantwortung. Ein Gletscherrequiem kann zunächst als ungewöhnliche Form öffentlicher Trauer untersucht werden. Die Lernenden fragen, weshalb Menschen um einen Gletscher trauern und welche Bedeutung Rituale im Umgang mit unwiederbringlichen Verlusten besitzen. Die Verbindung mit der Jonaerzählung eröffnet die Möglichkeit, über Anklage, Schuldeingeständnis, Umkehr und Vergebung nachzudenken. Dabei sollte Schuld nicht ausschließlich einzelnen Menschen zugeschrieben werden. Persönliches Konsumverhalten, wirtschaftliche Interessen, politische Entscheidungen und globale Ungleichheit müssen gemeinsam betrachtet werden. Dadurch wird verhindert, dass die Lernenden sich moralisch überfordert oder pauschal beschuldigt fühlen.

Für die Ergebnissicherung eignen sich Lernplakate, digitale Präsentationen, Begriffsnetze, Portfolios, Lerntagebücher und Zukunftsbriefe. Eine abschließende Kompetenzaufgabe kann darin bestehen, dass die Lernenden eine begründete Stellungnahme zu einer ökologischen Konfliktsituation verfassen. Sie sollen dabei Sachwissen, ethische Argumente, biblische oder theologische Perspektiven und eigene Handlungsmöglichkeiten miteinander verbinden. Alternativ kann eine Lerngruppe ein konkretes Nachhaltigkeitsprojekt für die Schule planen. Denkbar sind Maßnahmen zur Energieeinsparung, zur Abfallvermeidung, zur nachhaltigen Ernährung oder zur Gestaltung eines ökologischen Schulgartens. Ein solcher Projektplan sollte Ziele, Zuständigkeiten, benötigte Mittel, mögliche Hindernisse und Kriterien für die Auswertung enthalten.

Das Medium unterstützt besonders die Ausbildung von Wahrnehmungsfähigkeit, Deutungsfähigkeit, Urteilsfähigkeit, Dialogfähigkeit und Handlungskompetenz. Es fördert einen Religionsunterricht, der ökologische Fragen nicht nur als naturwissenschaftliches oder politisches Thema behandelt, sondern ihre religiösen, ethischen und existenziellen Dimensionen sichtbar macht. Gleichzeitig sollte die christliche Perspektive durch weitere religiöse und nicht religiöse Sichtweisen ergänzt werden. Vorstellungen von Natur, Verantwortung und Zukunft aus dem Judentum, dem Islam, anderen Religionen sowie aus säkularen Weltanschauungen können vergleichend einbezogen werden. So entsteht ein offener Unterricht, in dem die Lernenden eigene Positionen entwickeln, begründen und im Gespräch mit anderen überprüfen können.


Didaktisch und methodisch folgt die Reihe dem Ansatz der Bildung für nachhaltige Entwicklung und erweitert diesen um eine spirituelle Dimension. Der Dreischritt Erkennen Bewerten Handeln wird bewusst um die Kraft der Imagination ergänzt, sodass nicht nur Probleme analysiert, sondern auch positive Zukunftsbilder entworfen werden. Die sechs Lernsequenzen führen schrittweise von der Wahrnehmung der Wirklichkeit über individuelle und gemeinsame Träume bis hin zu konkretem Handeln und spirituellen Kraftquellen. Besonders hervorzuheben ist die starke Subjektorientierung, die den Schülerinnen und Schülern ermöglicht, eigene Gefühle wie Angst oder Hoffnung zu reflektieren und in einen religiösen Deutungshorizont einzuordnen. Methoden wie philosophische Spaziergänge, kreative Schreibprozesse, Perspektivwechsel durch Erzählungen, Planspiele und performative Elemente fördern sowohl kognitive als auch emotionale und soziale Kompetenzen. Die Reihe legt großen Wert auf Gemeinschaftserfahrungen, um Selbstwirksamkeit zu stärken und Handlungsmotivation zu fördern. Lehrkräfte erhalten vielfältige Differenzierungsmöglichkeiten, sodass die Materialien flexibel an unterschiedliche Lerngruppen angepasst werden können. Zugleich wird der Religionsunterricht als ein Raum profiliert, in dem Glauben nicht nur thematisiert, sondern auch in Ansätzen erfahrbar wird, etwa durch spirituelle Übungen oder gemeinschaftliche Reflexionsprozesse.


Hessen

Hessen

Sekundarstufe I | Jahrgangsstufe 8

8G.3 Die Botschaft vom Reich Gottes. Gleichnisse, Wundererzählungen.

Rheinland-Pfalz

Rheinland-Pfalz

Sekundarstufe I | Jahrgangsstufe 6

6.3 Von einer besseren Welt erzählen: Das Reich Gottes.

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