Am 24. Januar 2022 outeten sich 125 Mitarbeiter*innen der katholischen Kirche unter dem Banner von OutInChurch als queer und machten damit ein System öffentlich, das queere Menschen systematisch diskriminiert und ausschließt. Die Initiative dokumentierte, wie wirtschaftliche Abhängigkeit als Druckmittel funktionierte: Arbeitnehmer*innen erfüllten ihre Aufgaben über das geforderte Maß hinaus oder leisteten unbezahlte „Freizeitarbeit", um sich nicht angreifbar zu machen und ihren Arbeitsplatz zu bewahren. Obwohl die Kirche mit Dankesbekundungen reagierte, wurden bislang nur eine von sieben Forderungen erfüllt – allein das Arbeitsrecht wurde moderater gestaltet.
Der Autor fokussiert auf die siebte, noch unerfüllte Forderung: Kirchenleitende müssen Verantwortung für die erlittenen Schäden übernehmen und die Schuldgeschichte der Kirche aufarbeiten. Er demonstriert zunächst die konkrete Schuld der Verantwortungsträger: Die Kirche als „Feldlazarett" funktioniert für queere Menschen nicht heilsam, sondern schadet durch Regeln, die sexuelle Orientierung und Geschlechtsidentität pathologisieren und kriminalisieren. Sie vermittelt queeren Menschen schon in der Kindheit das Gefühl, „nicht richtig" zu sein, lange bevor ihnen eine Sprache für ihre Identität zur Verfügung steht. Diese Regeln führten zu beschädigten, verbogenen oder zerstörten Biografien.
Im zweiten Schritt dekonstruiert der Autor kirchliche Abwehrmechanismen und Narrative. Das erste Narrativ der Dankbarkeit für die Aufklärung verschleiert, dass die Verantwortungsträger das diskriminierende System selbst geschaffen, etabliert und angewandt haben. Damit wird die eigene Verantwortung verharmloßt. Der Autor kündigt an, acht solcher widersprechenden Argumente zu analysieren und abschließend aufzuzeigen, wie echte Aufarbeitung konkret aussehen könnte.