Die Rezension von Irmgard Klein und Annemarie Hochrainer würdigt und befragt Bruno Latours acht Vorlesungen zum neuen Klimaregime. Latour beschreibt Gaia als unbändige, aktive Kraft und diagnostiziert ein kollektives Versagen angesichts der Klimakrise – von Lähmung und Depression bis zu Geo-Engineering-Fantasien. Sein Plädoyer für einen epistemischen Wandel hin zur Ästhetik der Wahrnehmung, zur Anerkennung nichtmenschlicher Akteure als Subjekte und zu einem netzwerkartigen Klimaregime erinnert die Autorinnen an lateinamerikanische Vordenkerinnen: Ecuador und Bolivien haben mit dem Konzept der Pachamama und dem „sumak kawsay" bereits juridische Wege beschritten, die Latour fordert, aber schuldig bleibt auszuformulieren. Den Abschluss bildet Günther Anders, dessen „moralische Streckübungen" die Forderung bekräftigen: Nur wer Vorstellungskraft und Gefühl für das Ausmaß der Gefahr weitet, kann ins Handeln kommen.