Der Artikel analysiert, warum sexualisierte Gewalt gegen erwachsene Frauen in der katholischen Kirche als gesellschaftliches und kirchliches Phänomen nicht wahrgenommen wird. Anhand eines Falles aus dem Osnabrücker Missbrauchsbericht wird demonstriert, dass erwachsene Opfer von Missbrauch durch einen Generalvikar zwar dokumentiert, aber nicht als Betroffene anerkannt werden, weil die Forschungs- und Aufarbeitungsprotokolle ausschließlich Minderjährige oder besonders vulnerable Personen erfassen. Diese strukturelle Ausblendung ist kein Zufall, sondern ein „hidden pattern" – ein unsichtbares Muster, das in Denken, Institutionen und Wissensordnungen eingewoben ist.
Der Autor weist darauf hin, dass die Unsichtbarkeit nicht aus Informationsmangel resultiert, da es seit Jahrzehnten Berichte über Missbrauch etwa an Ordensfrauen gibt. Vielmehr wirken „hiding patterns" in kirchlichen Wissensproduktionsprozessen, die systematisch verhindern, dass Gewalt gegen Frauen als Missbrauch erkannt und benannt wird. Diese Muster manifestieren sich in epistemischer Ungerechtigkeit: Das Wissen und die Zeugenschaft der betroffenen Frauen werden von vornherein ausgeschlossen. Der Artikel deutet an, dass solche verborgenen Muster sich besonders bei der Deutung von Beziehungskontexten und dem Verständnis von Seelsorge zeigen – Bereichen, in denen klerikal-patriarchale Strukturen Machtverhältnisse verschleiern und normalisieren.