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Odilo Noti

Anstösse aus Lateinamerika zum synodalen Prozess

Veröffentlichung:1.5.2026

Der synodale Prozess in der katholischen Kirche wird kontrovers bewertet – zwischen Hoffnung auf Partizipation und Skepsis gegenüber struktureller Klerikalisierung. Rafael Lucianis Theologie der Kirche als „Volk Gottes" bietet eine ekklesiologische Alternative zum klerikal-institutionellen Modell.

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Der Artikel analysiert verschiedene Positionen zum synodalen Weg in der katholischen Kirche, die von nachhaltiger Unterstützung bis zur grundsätzlichen Skepsis reichen. Die Ordensfrauen für Menschenwürde befürworten den Prozess, fordern aber verbindliche Selbstbindung der Bischöfe und echte Partizipation der Gläubigen. Rainer Bucher versteht den synodalen Weg als notwendige „nachholende Entwicklung", um kognitive Dissonanzen aufzulösen, sieht darin aber nur eine Voraussetzung für tiefgreifendere Reformen. Norbert Lüdecke hingegen kritisiert den synodalen Prozess als bloße Simulation von Partizipation, die die hierarchische Unterwerfung zementiere. Hermann Häring weist darauf hin, dass diese Debatten ein grundsätzliches Problem übersehen: das päpstliche Selbstverständnis von Primat und Unfehlbarkeit – „der unsichtbare Elefant im Raum". Er argumentiert zudem, dass reformerische Forderungen zu Zölibat, Geschlechterfragen und Partizipation nicht neu sind, sondern bereits in den 1960er-70er Jahren erhoben wurden. Dies verweise auf eine tiefere Geschichtsvergessenheit kirchlicher Reformdebatten. Rafael Lucianis Buch „Unterwegs zu einer synodalen Kirche" bietet hier theologische Orientierung. Seine ekklesiologische Alternative zum „klerikal-institutionellen Kirchenmodell" basiert auf einer konsequenten Rezeption des Zweiten Vatikanums, insbesondere der Konzilskonstitution Lumen Gentium. Luciani plädiert dafür, Kirche als „Volk Gottes" zu verstehen – nicht als ontologisch ungleiche Hierarchie von Klerus und Laien. Papst Franziskus wird als bedeutsam gewürdigt, der durch seine Volk-Gottes-Theologie einen nachhaltigen Bruch mit den ekklesiologischen Positionen seiner Vorgänger vollzogen hat.

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