Der Artikel reflektiert über den Charakter der gegenwärtigen Veränderungen in der katholischen Kirche, insbesondere im Kontext des Synodalen Weges. Während viele erhofft hatten, dass dieser zu einer grundlegenden Reformation führt, argumentiert der Autor, dass es sich vielmehr um einen Transformationsprozess handelt. Die diskutierten Themen – Machtverhältnisse in der Kirche, Frauenordination und Sexualethik – rütteln zwar an grundlegenden Strukturen, reichen aber noch nicht aus, um diese fundamental umzugestalten. Historisch zeigt sich, dass auch Luthers Reformation erst möglich wurde, weil es im Spätmittelalter bereits tiefgreifende Transformationsprozesse gab.
Der Begriff der Transformation ist dabei ins Zentrum des theologischen Diskurses eingewandert und prägt aktuelle systematisch- und praktisch-theologische Debatten. Besonders relevant ist die Transformation der Schöpfungstheologie, die mit gesellschaftlichen Fragen zu Klimagerechtigkeit und Nachhaltigkeit verknüpft ist. Die klassische Schöpfungstheologie, der vorgeworfen wird, die menschliche Herrschaft über die Natur legitimiert zu haben, bedarf einer grundlegenden Neuausrichtung. Transformation wird dabei als realistische Reaktionsform auf tiefgreifende Krisen verstanden – im Gegensatz zu Stabilisierungsversuchen, Leugnung oder utopischen Revolutionsforderungen. Sie zielt auf die paradoxe Formel „dieselbe Welt – und doch anders" und beschreibt damit einen Wandel von Formen unter neuen historischen Bedingungen.